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Schleswig : Alter Bauhof am Holmer Noorweg: Start-ups statt Milzbrandsporen?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Unternehmer aus der Region hat ambitionierte Pläne für die leerstehende Immobilie. Aber es gibt noch Probleme.

von
erstellt am 06.Jun.2017 | 06:55 Uhr

Schleswig | Neun Jahre ist es her, dass die Stadt ihren Bauhof am Holmer Noorweg geräumt hat. Über die Jahre geriet die Immobilie mit immerhin 1200 Quadratmetern Nutzfläche in Vergessenheit. Bald könnte sie eine ungeahnte Blüte erleben: Ein Unternehmer aus der Region möchte das Grundstück kaufen und hat offenbar Großes vor. Der Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte, gilt als seriöser Geschäftsmann. Er will hier Wohnungen schaffen, aber auch Gewerbe ansiedeln – und zwar, wie er gegenüber dem sh:z erklärte, „kein gewöhnliches Gewerbe, wie man es sonst aus Schleswig kennt, sondern innovative Firmen, echte Start-up-Unternehmen“.

Allerdings gibt es ein Problem. Eines, das bereits vor gut einem Jahr aktuell wurde, als das Freie Kultur- und Kommunikationszentrum (FKKZ) seine Räume auf der Freiheit räumen musste und nach einem neuen Zuhause suchte. Bürgermeister Arthur Christiansen brachte damals den Bauhof als neuen FKKZ-Standort ins Spiel. Kurz darauf musste er einen Rückzieher machen. Denn es besteht der Verdacht, dass sich hier im Erdreich Milzbranderreger befinden.

Die Bakterien, die beim Menschen tödliche Infektionen auslösen können, kommen vor allem dort vor, wo Leder verarbeitet wird. Auf dem Bauhof-Gelände befand sich von 1898 bis 1958 eine Lederfabrik. Nach einer ersten Einschätzung gilt die Wahrscheinlichkeit als „mittel bis hoch“, dass sich hier noch immer Milzbrandsporen im Boden befinden. Das Problem war schon bekannt, als der Bauhof noch in Betrieb war. Jedoch galten die Bakterien als ungefährlich, solange das Erdreich nicht umgegraben wird.

Wenn die Immobilie nun aber saniert wird, könnte es zu genau solchen Erdarbeiten kommen. Auch damit hatte die Stadt vor einem Jahr ihre Absage an das FKKZ begründet. Damals hieß es, im Sommer 2017 solle die Schadstoffsanierung beginnen. So schnell ging es dann aber doch nicht. Jetzt aber erklärte Bauamtsleiterin Manja Havenstein vor dem Bauausschuss: „Die Stadt wird die nach dem Bundesbodenschutzgesetz noch ausstehenden Untersuchungen zeitnah beauftragen.“ Dabei soll auch nach Mineralöl, Arsen und Schwermetallen gesucht werden.

Man strebe an, dass die Ergebnisse bis Ende des Jahres vorliegen. Dann erst wird man wissen, ob wirklich Milzbranderreger im Boden sind – und welche Arbeiten nötig sind, um sie zu beseitigen. Dann erst wird es auch zu konkreten Gesprächen mit dem Investor über den Kaufpreis kommen. Davon, wie stark das Grundstück belastet ist und ob auch im Bauhof selbst gesundheitsschädliche Materialien verarbeitet sind, dürfte auch abhängen, ob das bestehende Gebäudeensemble erhalten bleibt oder vollständig durch Neubauten ersetzt wird.

Dass noch so viele Fragen offen sind und die Klärung sich hinzieht, ist einer der Gründe dafür, dass der mögliche Käufer sich nicht mit seinem Namen an die Öffentlichkeit wagen will. „Ich weiß ja gar nicht, ob ich der einzige Interessent bin“, sagt er gegenüber dem sh:z.

Havenstein machte indes vor dem Bauausschuss deutlich, dass sie das Konzept mit Wohnungen und Start-up-Unternehmen tragfähig findet. „Die beabsichtigte Art der Nutzung passt mit den Vorstellungen der Stadtplanung für diese Flächen überein“, erklärte sie.

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