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Schleswiger Nachrichten

20. August 2017 | 01:12 Uhr

Umschulung : Altenpflege als zweite Chance

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Um den steigenden Bedarf von Senioreneinrichtungen decken zu können, setzen Agentur für Arbeit und Unternehmen verstärkt auf Quereinsteiger. Auch über 50-Jährige können eine Umschulung zum Altenpfleger beginnen.

Dannewerk | Manchmal findet man sein Glück erst über Umwege. Auch Cornelia Garbe kann davon ein Lied singen. Zumindest wenn es um ihre berufliche Karriere geht. Denn eigentlich hatte die heute 33-jährige Schleswigerin Ende der 90er Jahre eine Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistentin absolviert. Gearbeitet hat sie danach allerdings in erster Linie als Verkäuferin und in der Gastronomie. Jetzt aber wagt die zweifache Mutter – auch zu ihrer eigenen Überraschung – einen Neuanfang. Am 1. April startete sie eine dreijährige Umschulung zur examinierten Altenpflegerin, unterstützt von der Bundesagentur für Arbeit Flensburg.

Ein Weg, den nicht nur Cornelia Garbe geht. Genau wie sie haben im Zuständigkeitsbereich der Flensburger Arbeitsagentur (Stadt Flensburg und die Kreise Schleswig-Flensburg und Nordfriesland) noch weitere 21 Bewerber eine Umschulung zum Altenpfleger begonnen, 19 Frauen und Männer machen eine Umschulung zum Altenpflegehelfer. „Wir haben schon heute einen gravierenden, bundesweiten Mangel an examinierten Altenpflegern. Der Bedarf ist deshalb sehr groß und wird weiter steigen“, sagt Heike Döpke, Leitern der Agentur für Arbeit Flensburg. „Offene Stellen zu besetzen, dauert schon heute durchschnittlich länger als 120 Tage“, sagt Döpke und verweist gleichzeitig darauf, dass es sich deshalb ganz besonders lohne, wenn man in die Pflege-Ausbildung investiert. „Wer in diesem Bereich ausgebildet ist und sich nicht ganz ungeschickt anstellt, wird wahrscheinlich nie wieder arbeitslos.“

Tatsächlich macht sich mit Blick auf die Altenpflege der demographische Wandel gleich in zweierlei Hinsicht bemerkbar: Denn während es immer mehr pflegebedürftige Menschen gibt, sinkt zugleich die Zahl der Pfleger. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, müsse die Agentur für Arbeit laut Heike Döpke an zwei Schrauben drehen: der Zuwanderung von ausländischem Pflegepersonal sowie der besseren Nutzung des inländischen Potenzials. „Wir müssen mehr Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund in den Arbeitsmarkt bekommen, ebenso müssen wir auch mehr auf die älteren Arbeitnehmer setzen“, sagt sie. So könnten auch noch 50-Jährige eine Umschulung zum Altenpfleger beginnen.

Von der Agentur für Arbeit werden sie dabei unterstützt, erläutert Kai-Ingwer Bendixen, Geschäftsstellenleiter in Schleswig, „wenn sie ungelernt arbeitslos oder seit mindestens vier Jahren aus dem Lehrberuf raus sind“. Auch wer als Hilfskraft, etwa als Altenpflegehelfer, bereits in einem Beschäftigungsverhältnis steht, könne eine unterstützte Umschulung in Angriff nehmen. Die Agentur für Arbeit zahlt dabei laut Bendixen alle anfallenden Weiterbildungskosten, unter anderem Lehrgangs-, Fahrt- und Kinderbetreuungskosten. Die Ausbildungsvergütung übernimmt in der Regel das Unternehmen, in dem der Umschüler untergekommen ist.

In Cornelia Garbes Fall ist dies das „Haus Sonnenschein“ in Dannewerk. Dessen Leiter Thorsten Gröbitz ist froh, in der 33-Jährigen „eine zuverlässige, motivierte und lernwillige Mitarbeiterin“ gefunden zu haben. „Wir haben mit Frau Garbe voll den Fang gemacht“, sagt Gröbitz und verweist darauf, dass die größere Lebenserfahrung und die damit verbundene Einstellung zum Berufsleben einer der Vorteile sei, wenn man auf Umschüler setze.

Der Pflegeheim-Leiter ist überzeugt davon, dass die Branche zwangsläufig auf Quereinsteiger setzen muss. „Im Pflegebereich brennt es inzwischen lichterloh, viele Heime müssen sogar Plätze abbauen, weil sie die Betreuungsschlüssel nicht mehr erfüllen können“, meint Gröbitz, der auch deshalb großen Wert darauf legt, dass seine Auszubildenden ihm nach der Lehre als examinierte Arbeitskräfte weiter zur Verfügung stehen.

Für Cornelia Garbe war die Entscheidung für die Umschulung, nicht nur mit Blick auf den sicheren Arbeitsplatz, „das Beste, was mir passieren konnte“. Sie sei sehr froh, dass sie von der Agentur für Arbeit bei der Umschulung unterstützt wird. „Sonst hätte ich mich, allein wegen des finanziellen Aspekts, nicht getraut, diesen Schritt zu gehen.“ Auch eine weitere Befürchtung hat sich erübrigt: „Erst hatte ich Bedenken, wieder in die Berufsschule gehen zu müssen, und dabei noch die Älteste in der Klasse zu sein. Aber ich bin längst nicht die einzige Umschülerin. Die Schule macht Spaß – genauso wie der Job.“

5,5 Millionen Euro stehen der Agentur für Arbeit Flensburg allein für Umschulungen zur Verfügung. Damit sei man in diesem Bereich sehr gut aufgestellt, betont Heike Döpke. „Jeder, der will – wenn er denn in Frage kommt –, den unterstützen wir.“  Mehr Informationen zur Umschulung.

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erstellt am 26.Okt.2013 | 07:45 Uhr

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