Premiere am Mühlentag : Alte Technik, die begeistert

Mühlenbetreuer Rolf Bauschulte erklärte den Zwillingen Jonathan und Amelie (6), wie ein Mühlstein funktioniert.
1 von 4
Mühlenbetreuer Rolf Bauschulte erklärte den Zwillingen Jonathan und Amelie (6), wie ein Mühlstein funktioniert.

Offizielle Eröffnung der Mühle „Nicola“ wird in Schleswig zum Volksfest: 4000 Besucher strömen auf die Freiheit.

von
26. Mai 2015, 07:17 Uhr

Wer rein wollte, musste Geduld haben. Eine halbe Stunde, vielleicht auch eine dreiviertel. So lange musste so mancher Besucher in der Schlange stehen, ehe er die Treppen hochsteigen konnte und Einblicke erhielt in das Herzstück von Schleswigs neuer Attraktion. Denn passend zum 22. Deutschen Mühlentag hat die rekonstruierte Holländermühle „Nicola“ auf der Freiheit gestern ihre Eröffnung gefeiert. Mit Erfolg: Rund 4000 Premierengäste bescherten Müller Arnd Jansohn einen „Einstand nach Maß“, wie er – nicht ohne Stolz – betonte.

Rund drei Jahre lang hatten die Arbeiten am Ufer der Schlei im östlichen Bereich des ehemaligen Kasernengeländes gedauert, bis das markante Bauwerk endlich fertig und einsatzbereit war. Gestern nun konnten Jansohn und seine Mitstreiter zeigen, dass sich dieser Aufwand gelohnt hat. „Ich bin beeindruckt, wie gut alles verarbeitet ist, wie die ganze Mechanik aus Holz funktioniert, ohne, dass es knirscht und knackt“, meinte Besucher Frank Bröge, der zudem von einem echten Gewinn für das Stadtbild sprach. „Es ist schön, dass so etwas hierher gestellt wurde. Passt doch deutlich besser zu Schleswig als die Blocks, die auf der Freiheit gebaut werden.“ Dieser Meinung war auch Martina Kneefs aus Bochum, die gerade Urlaub an der Schlei macht, schon öfter in Schleswig war und nun völlig überrascht war, dieses Gebäude zu entdecken. „Das ist ja mal ein echter Lichtblick für diesen Stadtteil“, meinte sie. Aus Winnert in Nordfriesland war Andrea Rahn gekommen, „und zwar nur, um die Mühle zu sehen.“ Sie habe eine Schwäche für diese Art von Bauwerken und sogar in einer Mühle geheiratet. Dass sich nun auch der Ausflug gelohnt hatte, davon war sie schon nach wenigen Minuten überzeugt. „Es ist traumhaft hier. Das ganze Ensemble ist super angelegt. Dazu die Lage mit dem Blick auf die Schlei. Einfach toll.“

Wie viele andere Gäste auch, ließ sich Andrea Rahn bei ihrem Rundgang durch das Innere von „Nicola“ von den ehrenamtlichen Mühlenbetreuern wie Rüdiger Weiß und Rolf Bauschulte Funktionen und Besonderheiten der einzelnen Bauteile erklären. „Es ist auffällig, wie sehr die Leute an der alten Technik interessiert sind und dazu gezielte Fragen stellen. Und ich habe auch den Eindruck, dass sich gerade die Schleswiger freuen, dass diese Mühle jetzt Teil ihrer Stadt ist“, meinte Rüdiger Weiß, der seit 25 Jahren Mitglied im Mühlenverein Schleswig-Holstein ist.

Auch Eigentümer Arnd Jansohn sprach von „ausschließlich positiver Resonanz“. Er hatte die Mühle, die teilweise verfallen in der Nähe von Rendsburg stand, 2010 gekauft und seit 2013 mit Hilfe einer niederländischen Spezialfirma in Schleswig wiederaufgebaut. Seit wenigen Wochen verkauft er nun selbst produziertes Bio-Vollkornmehl, das auch gestern heiß begehrt war. „Ich komme mit der Produktion kaum hinterher“, meinte Jansohn, der sich schon jetzt auf den Mühlentag 2016 freue.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen