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Schleswiger Nachrichten

19. Oktober 2017 | 11:22 Uhr

Nach dem Brand : Alt Bennebek trauert um Julian

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Drama um das fünfjährige Brandopfer Julian erschüttert Alt Bennebek. Das Amt Kropp-Stapelholm hat ein Spendenkonto eingerichtet.

von
erstellt am 28.Apr.2015 | 10:15 Uhr

Es ist still am Unglücksort in Alt Bennebek. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr rollen Schläuche ein, eine Nachbarin läuft mit einem Stofftier auf und ab. Ihre Kinder, sagt sie, gehen heute nicht zu Schule – zu entsetzlich ist das, was sie am Sonnabend und Sonntag mitbekommen haben, als das Nachbarhaus brannte und sich dann herausstellte, dass der fünfjährige Julian in den Flammen uns Leben gekommen war. „Während des Einsatzes bekommt man die Dramatik des Geschehens gar nicht so mit“, sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Thies Hinrichsen mit einem Blick auf die noch leicht qualmenden Trümmer des komplett zerstörten Hauses. Feuerwehrleute müssen im Notfall zunächst einmal funktionieren. „Der Schrecken kommt später“, sagt Hinrichsen, „aber er kommt. Ganz sicher.“

Das Haus, in dem der Junge zusammen mit seiner Großmutter, der Mutter und seinem älteren Bruder gewohnt hatte, ist mit rot-weißen Absperrbändern für die Öffentlichkeit unzugänglich gemacht worden. Hier hat jetzt ausschließlich die Kriminalpolizei das Sagen, die nach der Brandursache sucht. Ausgebrochen ist das Feuer offensichtlich im Erdgeschoss – in dem Bereich, in dem sich auch das Kinderzimmer befand.

Anders als zunächst gerüchteweise verbreitet, war die Familie anwesend, als das Unglück am Sonnabend kurz nach 17 Uhr seinen Lauf nahm. Eigene Löschversuche blieben erfolglos, als die Feuerwehr alarmiert wurde und nur wenige Minuten später eintraf, war es zu spät: Wegen der gewaltigen Hitzeentwicklung konnten die Retter das Haus nicht mehr betreten. Im Laufe der Zeit kamen rund 200 Rettungskräfte von Feuerwehren, Rotem Kreuz, Johannitern und Polizei zusammen. Nachdem im ganzen Dorf und dem umliegenden Gelände vergeblich nach dem vermissten Jungen gesucht worden war, wurden sich alle ihrer Hilflosigkeit bewusst. „Da standen nun so viele gut ausgebildete Menschen – und konnten nicht helfen. Das war sehr bitter“, berichtet Alt Bennebeks Wehrführer Hans-Stefan Sievers.

Sievers und Hinrichsen bekennen, dass sich nach solch einem dramatischen Einsatz die Feuerwehrleute immer wieder die Fragen stellen, ob sie wirklich alles getan haben, um das Schlimmste zu verhindern, und ob es vielleicht geholfen hätte, wenn sie früher am Einsatzort gewesen wären. „Tatsache ist“, so Hinrichsen, „dass wir nach der Alarmierung sehr schnell waren. Wir haben unseren Leuten gesagt, dass sie alles richtig gemacht haben. Und das ist auch der Fall.“

Für den kleinen Julian kam die Hilfe dennoch zu spät. Der Junge, im Mai 2009 im Rettungswagen auf dem Weg ins Schleswiger Krankenhaus auf einem Rastplatz in Busdorf geboren, wurde am Sonntag von den Einsatzkräften in den Trümmern des Hauses gefunden. Es war der Tag, an dem sein Bruder eigentlich seinen Geburtstag feiern wollte. Die Gedanken der knapp 350 Einwohner im Dorf sind zurzeit bei dem kleinen Julian und der Familie, die bei Verwandtschaft in Alt Bennebek untergebracht ist. Schon gestern zeigte sich, dass zu der Trauer auch große Bereitschaft kommt, Hilfe zu leisten. Die wird vom Amt Kropp-Stapelholm koordiniert, wie Bürgermeister Armin Falkenhorst gestern mitteilte. „Das Amt kann alle Hilfsmaßnahmen von der Betreuung, über das Jugendamt bis zum Kontakt mit der Kirche herstellen“, sagt er. Der Bürgermeister bittet darum, von Sachspenden abzusehen, über eine finanzielle Unterstützung der Familie aber würde man sich freuen. Zu diesem Zweck wurde ein Spendenkonto eingerichtet (siehe unten).

Unterdessen laufen die Ermittlungen der Kriminalpolizei weiter. Die Beamten suchen nach der genauen Brandursache und versuchen, die Geschehnisse am Unglückstag zu rekonstruieren. Wenn die Untersuchungen beendet sind, kann das Unglückshaus abgerissen werden.

Spendenkonto: Nord-Ostsee Sparkasse, Iban: DE 32 2175 0000 00 40011951, Verwendungszweck; 10/37990520, Brandopfer Alt Bennebek.

 

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