OSZE-Mission : Als Wahlbeobachter in der Ukraine

Gemeinsam unterwegs im Auftrag der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE): der amerikanische Wahlbeobachter Richard Lyons (links) und Joachim Tschesch.
Gemeinsam unterwegs im Auftrag der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE): der amerikanische Wahlbeobachter Richard Lyons (links) und Joachim Tschesch.

Es war schon sein 16. Einsatz als Wahlbeobachter: Joachim Tschesch aus Kropp gehört zu den Männern und Frauen, die im Auftrag der OSZE die Wahlen in der Ukraine überwachten.

shz.de von
02. Juni 2014, 07:45 Uhr

Zehn aufregende Tage in der Ukraine sind vorbei: Petro Poroschenko ist neuer Präsident der ehemaligen Sowjetrepublik und Wahlbeobachter Joachim Tschesch aus Kropp am Donnerstagabend wieder wohlbehalten auf heimischem Boden gelandet. Der 69-jährige pensionierte Luftwaffen-Offizier ist derzeit der einzige Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) aus Schleswig-Holstein und begleitete mit wachsamen Auge die Wahl des ukrainischen Präsidenten. Für Tschesch war dies sein 16. Einsatz für die OSZE und sein fünfter in der Ukraine.

Dieses Mal war sein Einsatzgebiet die mit 1,4 Millionen Einwohnern zweitgrößte Stadt der Ukraine, Charkiw, die nur 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt liegt. Das Umland grenzt an die beiden umkämpften Gebiete Donbass und die Region um Luhansk. „Ich habe während meines Aufenthaltes weder russisches Militär noch eine russische Flagge in Charkiw gesehen,“ sagt Tschesch. Wie bei anderen internationalen OSZE-Wahlbeobachtungen war er wieder im Viererteam unterwegs, zusammen mit einem weiteren Wahlbeobachter, einem Dolmetscher und einem Fahrer. In den letzten zehn Jahren seiner Tätigkeit war immer mindestens eine Frau im Team – diesmal nicht. „Aber unsere ,Boygroup’ hat sich auch so bestens verstanden“, sagt Tschesch. Von insgesamt 1025 internationalen Wahlbeobachtern kamen dieses Mal allein 100 aus Deutschland.

Nachdem sich Tschesch und die anderen 69 internationalen Wahlbeobachter, die in Charkiw eingesetzt waren, einen Überblick über Wahlbüros und Gegend gemacht hatten, konnte der Wahltag am Sonntag beginnen. Tschesch und sein Team fuhren unangemeldet zu den einzelnen Wahlbüros und schauten, ob die Wahl gemäß den internationalen Bestimmungen durchgeführt wurde. Nach Wahlschluss und Auszählung der Stimmen begleiteten sie ein Wahlleiter-Team – im Gepäck die Stimmzettel – in das Stadtteilbüro in Charkiw, um sicher zu sein, dass unterwegs nichts passierte. Auch die nächtliche Auszählung im Stadtteilbüro sowie die Weiterleitung in die Hauptstadt Kiew wurden wiederum von Beobachtern der OSZE überwacht. „Mit 60 Prozent war die Beteiligung dieses Mal ziemlich hoch“, konstatiert Tschesch. „Der aus Odessa stammende Petro Poroschenko führte in allen Regionen, auch im Osten, mit deutlichem Abstand, abgesehen von den beiden Regionen Luhansk und Donezk. In diesen beiden Regionen waren durch gewalttätige separatistische Kräfte keine freien Wahlen möglich“, so Tschesch. Schokoladenhersteller und Geschäftsmann Poroschenko war früher schon einmal Außen- und auch Wirtschaftsminister.

Nun wurde er mit mehr als 50 Prozent der Stimmen zum Präsidenten der Ukraine gewählt. Tschesch’ Job in der Ukraine war damit getan. Für dieses Jahr hat Tschesch, wie er selbst sagt, erst einmal genug Abenteuer erlebt, aber im nächsten Jahr möchte er gerne wieder mit dabei sein, wenn er zusammen mit anderen internationalen Freiwilligen mithelfen kann, „dass Länder auf einen demokratischen Weg gebracht werden“.

Nachdem er seine letzten Hryvnia (ukrainische Währung) für zwei Tafeln Schokolade der Marke „Rosh“ am Kiewer Flughafen ausgegeben hatte, sitzt er nun endlich wieder gemütlich mit seiner Frau bei einer Tasse Kaffee zusammen. Dabei genießen sie die Süßigkeit aus der Produktion des neuen ukrainischen Präsidenten und schmieden Reisepläne. Denn die nächste Reise wird in jedem Fall ein Familienbesuch werden.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen