Susanne Meyerhoff liest Joachim Meyerhoff : Als hätte sie es selbst geschrieben

Susanne Meyerhoff: Wenn sie liest, ist zu spüren, dass sie aus einer Schauspielerfamilie stammt.
Susanne Meyerhoff: Wenn sie liest, ist zu spüren, dass sie aus einer Schauspielerfamilie stammt.

Susanne Meyerhoff liest in der ausverkauften Buchhandlung Liesegang aus dem neuen Bestseller ihres Sohnes Joachim.

shz.de von
13. Januar 2018, 08:11 Uhr

Susanne Meyerhoff nimmt am Lesetisch Platz, justiert in aller Ruhe Sitzhöhe und Mikrofon, dann beginnt sie aus dem neuesten Buch ihres Sohnes zu rezitieren. Schon bei den ersten Sätzen aus dem Roman „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ von Joachim Meyerhoff zieht sie das Auditorium in der Buchhandlung Liesegang am Donnerstagabend in ihren Bann. Denn sie liest – zunächst aus der Episode „Elba“ – so kongenial und empathisch, als stamme der Text aus ihrer eigenen Feder.

Sie fühle sich dabei „fast wie im persönlichen Gespräch“ mit ihrem mittlerweile 50-jährigen als Autor mehrfach ausgezeichneten Sohn, erklärte sie dieses Phänomen. Zudem kenne sie alle Texte sehr genau, denn sie habe den aktuellen Roman bereits vor Drucklegung vom Autor in die Hand bekommen, der auch als Schauspieler bereits mehrere Preise erhielt.

Susanne Meyerhoffs Sprechtechnik wirkt sehr professionell: Klare Artikulation und wohldurchdachte Betonungen bringen die Wörter und Sätze zum Klingen. Sie führt dieses Talent auf ihre Herkunft zurück; sie stammt aus einem Schauspielerhaushalt, in dem sehr viel Wert auf Sprechkultur gelegt wurde. So bekommen auch die Ironisierungen und der Humor in Joachim Meyerhoffs Werk einen zusätzlichen Reiz.

Genüsslich ließ sich die Vortragende das Reiseerlebnis des damals elfjährigen Protagonisten mit dem Verbannungspalast Napoleons auf Elba auf der Zunge zergehen. Dort schreibt der Autor, er sei fassungslos, dass ein Verbannter wie ein Kaiser residiere. „Nahm man dagegen das Schloss Gottorf in Schleswig, hatte es Napoleon in der Verbannung hundertmal besser, dachte ich, als die nicht verbannten Adeligen in diesem grobschlächtigen Klotz im Norden.“ Das Publikum, in dem fast alle Altersstufen vertreten waren, reagierte mit nachsichtiger Heiterkeit. Auch erotische Passagen sparte Susanne Meyerhoff nicht aus und traf dabei den richtigen Ton, ohne auch nur den geringsten Anflug von Zotigkeit – etwa bei dem Bekenntnis des Verfassers, dass „Nacktheit zu einer mich fortan erregenden Herzensangelegenheit wurde“.

Der Roman „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ ist nach Angaben von Susanne Meyerhoff der voraussichtlich letzte Band der vierteiligen Buchreihe „Alle Toten fliegen hoch“. Unter den Zuhörern bei der ausverkauften Lesung gehörte sicher ein nicht geringer Teil zur Meyerhoffschen Fangemeinde. So etwa Sönke Frederich aus Schleswig, der bereits bei der dritten Lesung war und alle vier Bücher gelesen hat. Oder Maren Schmidt aus Owschlag; sie fand die offene, souveräne Art gut, in der auch Erotisches vorgetragen wurde.

Der These, dass ihr Sohn wegen zu großer Nähe keine Lesungen in Schleswig halte, widerspricht Susanne Meyerhoff nicht. Auch das Buchhändler-Ehepaar Peter und Gesine Liesegang bestätigt solche „atmosphärischen“ Probleme. Daher hätten sie die Mutter zu Lesungen ermutigt. Beide können sich noch sehr genau an Joachim Meyerhoffs Vater, den Direktor des psychiatrischen Landeskrankenhauses auf dem Hesterberg, erinnern, in dessen Dienstvilla der Autor seine jungen Jahre verbracht hat. Er sei „einer der besten Privatkunden“ in der Buchhandlung gewesen.

Hans-Peter Scheibel

 Joachim Meyerhoff, mehrfach prämierter Theaterschauspieler, hat jetzt mit „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ seinen vierten autobiografischen Roman vorgelegt – und ist erneut auf den Bestseller-Listen gelandet. Insbesondere in seinem zweiten Buch („Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“) beschreibt er ausführlich Kindheit und Jugend in Schleswig.
dpa
Joachim Meyerhoff, mehrfach prämierter Theaterschauspieler, hat jetzt mit „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ seinen vierten autobiografischen Roman vorgelegt – und ist erneut auf den Bestseller-Listen gelandet. Insbesondere in seinem zweiten Buch („Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“) beschreibt er ausführlich Kindheit und Jugend in Schleswig.
 
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