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Schleswiger Nachrichten

18. Dezember 2017 | 00:05 Uhr

Als die Stars in den Lollfuß kamen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Horst Mesalla zog 1973 aus Berlin nach Schleswig – und konnte als Generalintendant des neuen Landestheaters zahlreiche namhafte Schauspieler für Gastauftritte gewinnen

von
erstellt am 21.Mai.2014 | 13:59 Uhr

Wir machen jetzt mal einen Sprung in das Jahr 1973, das Jahr in dem die Ära des Generalintendanten Horst Mesalla begann, der der führende Architekt der Theater GmbH war, die wir heute haben. Das Wort „General“ passt zu Mesalla, denn er hatte etwas von einem Befehlshaber. Das änderte freilich nichts daran, dass er seine Schauspieler liebte und sie keinem anderen Feuer als dem der Theaterkritik aussetzte.

Horst Mesalla, der vom Renaissance-Theater in Berlin nach Schleswig kam, war ein Glücksfall für den Norden mit seinen drei kränkelnden Stadttheatern, denn er legte Schleswig, Rendsburg und Flensburg ein Konzept vor, wie man die Spielstätten unter dem Dach eines „Landestheaters“ zusammenführen könnte. „Mesalla“, so befindet der frühere Schauspielkapellmeister Arthur Weinbrenner, „erwies sich in all den Jahren nicht nur als ein hervorragender Geschäftsmann, sondern auch als Theaterfachmann und Chef, der das Wort Ensemblepflege mit Leben erfüllte.“

Dafür gibt es Beispiele. In den Silvesternächten besuchte Horst Mesalla alle drei Häuser, um mit den Schauspielern auf das Neue Jahr anzustoßen. Franz Kratochwil erinnert sich, dass ihn der Intendant nach der Vorstellung in Flensburg nach Hause kutschierte. Eine Kleinigkeit, vielleicht, deren Wirkung aber nachhaltig im Gedächtnis blieb – ebenso wie manche Kleinlichkeit: Mesalla störte eine Blechdose im Rinnstein vor dem Haus. Und er konnte sich „tierisch über eine nicht geschlossene Klappe der Durchreiche im Ausschank des Foyers aufregen“, erinnert sich kopfschüttelnd Werner Alt, der damals für die Bewirtschaftung dort verantwortlich war.

Aber schauen wir lieber auf das große Ganze. „Mesalla hat“, so Arthur Weinbrenner, „seine Leute gut bezahlt. Er war der Intendant, der in der Tarifkommission zu Beginn der 90er Jahre durchgesetzt hat, dass die Anfängergage für Schauspieler und Sänger um 300 auf 2400 Mark erhöht wurde.“

Von solchen finanziellen Fortschritten konnten nachfolgende Generationen nur träumen, denn bei den Wirtschaftlichkeitsberechnungen, die zahlungsunwillige Gesellschafter immer wieder erzwangen, blieben vor allem die Schauspieler auf der Strecke. „Was denn, Applaus genügt nicht?“, kommentiert Arthur Weinbrenner derartige Vorstöße der Politik.

Aber über das liebe Geld reden wir später. Reden wir über Triumphe! Der erste Triumph dieses Intendanten war wirtschaftlicher Natur. Gegen alle Zauderer, Skeptiker, ja, Feinde, setzte er seinen Masterplan eines fusionierten Theaters durch. Die neue, „rettende Realität“, hieß nun Schleswig-Holsteinisches Landestheater und Sinfonieorchester GmbH und half mit einem Etat von elf Millionen Mark gegenüber der alten Form des Nebeneinanders rund 2,64 Millionen Mark an Kosten zu vermeiden. Man freute sich über das nunmehr „größte deutsche Landestheater“.

Bei einem Empfang nach der Opernpremiere von Verdis „Ein Maskenball“ verkündete Horst Mesalla markig, dass er alle enttäuschen werde, die meinen, das Theater werde nur zwei bis drei Jahre bestehen. Dafür sei er nicht von Berlin nach Schleswig-Holstein gekommen. Der Intendant versprach eine blühende Theaterlandschaft – große Worte, die jedem von uns aus einem anderen Bereich bekannt vorkommen.

Horst Mesalla löste sein Wort jedoch ein. Mit der Premiere von Goldonis „Der Diener zweier Herren“ im September 1974 entfesselte er in Schleswig ein grandioses, fast beängstigendes Feuerwerk des Star-Theaters. Würde das wohl durchzuhalten sein? Man traut seinen Augen kaum, liest man die Namen der großen Schauspieler und Sänger, die sich am Lollfuß die Klinke in die Hand gaben: Dietmar Schönherr spielte in „Equus“, Rudolf Schock sang im „Dreimäderlhaus“, Heinz Drache war „Der ideale Gatte“, O.E. Hasse brillierte mit einer Thomas Mann-Lesung. Weitere Größen des Star-Theaters waren Axel von Ambesser, Curd Jürgens, Olivia Molina, Ezard Haußmann, Elmar Gunsch, Gisela Trowe und Heidemarie Hatheyer.

Im Zusammenhang mit der Hatheyer ist von einer Anekdote zu erzählen. Die Schauspielerin erlitt bei einem Auftritt in „Der Besuch der alten Dame“ einen Asthmaanfall und rettete sich gerade noch in die Pause. Man überredete die Souffleuse, Christa Gieseke, die Hauptrolle in der zweiten Hälfte des Stückes zu übernehmen. Sie spielte so hinreißend, dass die begeisterten Kollegen sie lobten: „Das hätte die Hatheyer nicht besser machen können.“

Wie er es wohl geschafft habe, für das Landestheater all diese Sterne vom Schauspielerhimmel zu holen? „Ich kannte sie alle aus meiner Zeit am Renaissance-Theater in Berlin“, antwortet Mesalla. „Oft genügte für das Engagement ein Wort oder ein Handschlag. Man vertraute einander.“ Der neuen GmbH tat dieses Vertrauen der Theater-Größen sicherlich gut, was die rapide wachsende Zahl an Abonnenten bewies. Aber auch das Stammensemble des Landestheaters konnte sich sehen lassen.

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