Als die Bauern noch Pferdewagenrennen zur Kirche veranstalteten

Johannes Trahn und Eva Marie Sacht vor dem Teppich mit dem Namenspatron der Sankt Georg Kirche in Struxdorf. Foto: Kuhl
Johannes Trahn und Eva Marie Sacht vor dem Teppich mit dem Namenspatron der Sankt Georg Kirche in Struxdorf. Foto: Kuhl

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27. Januar 2009, 04:59 Uhr

Schnarup-Thumby/Struxdorf | Unter den verabschiedeten Vorständen der Kirchengemeinde Thumby-Struxdorf gab es mit Johannes Trahn und Eva-Marie Sacht zwei echte Urgesteine, die für ihre Leistungen bereits 2004 das Ansgarkreuz erhalten hatten. In ihren Erinnerungen finden sich vier Pastoren, drei Pastorate und viele Highlights des kirchlichen Lebens.

Als am letzten Wochenende der neue Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Thumby-Struxdorf vorgestellt wurde, erhielten neben Silke Andresen, Hartmut Mügge und Dieter Thiesen auch zwei wahre Fundamentsteine des Kirchenvorstandes ihre Dankesurkunde. 30 Jahre lang hatte Eva-Marie Sacht die Geschicke der kirchlichen Gemeinde mit gesteuert. Und Johannes Trahn war sogar 46 Jahre Mitglied dieses Leitungsgremiums. Trahn musste nach eigenen Worten erst für diese Aufgabe gewonnen werden. Er wurde von dem aus persönlichen Gründen ausscheidenden Oskar Thiesen als Nachfolger für den Kirchenvorstand vorgeschlagen.

Zu dieser Zeit war Heinrich Godt Pastor der Doppelgemeinde.

Bei ihm zu Hause, so Trahn, sei er immer zur Melkzeit erschienen und habe die seelsorgerischen Gespräche bei der Mutter im Stall geführt, wobei er hin und wieder aufspringen musste, wenn die Kuh sich erleichterte. Zu den Amtshandlungen sei der Pastor noch mit dem Pferdefuhrwerk abgeholt worden. "Er hatte zwar bereits ein Auto, aber die wassergebundenen Straßen waren so uneben, dass seine Isetta im Volksmund nur das Schlaglochsuchgerät genannt wurde", erzählt Trahn. Die Bauern kamen damals mit Pferd und Wagen zur Kirche und einige führten dabei regelrechte Wettrennen aus, die von den anderen Kirchenbesuchern mit Spannung erwartet wurden.

Trahn und Sacht bescheinigten Pastor Schröder eine große Liebe zur Musik, die unter anderem dazu führte, dass ein amerikanischer Jugendchor zwei Wochen zu Besuch nach Struxdorf kam und das Menschenbild der Amerikaner in den Augen der Angeliter Bevölkerung änderte, die dies nur aus einer sehr gefärbten Berichterstattung kannten.

Ein wesentliches Erlebnis für Trahn war das Wiedereinsetzen der zweiten Glocke in die Struxdorfer Kirche, die im Ersten Weltkrieg abgeholt und zur Kanone verarbeitet worden war. Die Initiative dazu kam von Lehrer Preuschhof. Als dessen Frau starb, rief er dazu auf, statt Grabbeigaben für eine neue Glocke zu spenden. Daraus wurde ein Glockenfonds gebildet, und 1971 konnte an eine Bestellung gedacht werden. Ein weiteres herausragendes Ereignis war die Beschaffung des Wandteppichs mit dem Namenspatron Sankt Georg für die Struxdorfer Kirche. Dies fiel aber bereits in die Dienstzeit von Pastor Klaus Ziehm, der kunstbegeistert war und auch die viel diskutierte Johannesplastik für die Thumbyer Kirche anschaffte. Trahn verzichtete bei seinem 60. Geburtstag auf Geschenke - zu Gunsten einer Teppichspende.

Eva-Marie Sacht hat aus der Zeit von Pastor Ziehm besonders die Renovierung der bunten Glasfenster auf der Westseite der Thumbyer Kirche in Erinnerung, deren Farbenspiel sie noch heute genießt.

Als sich praktisch ohne Vakanz Pastor Christoph Tischmeyer als neuer Seelsorger ankündigte, wurde das Pastorat renoviert, so gut man konnte. "Aber das war aus heutiger Sicht vergebliche Mühe", stellte Sacht fest. Feuchtigkeit und Pilzbefall kamen wieder. So kam es, dass ein neues Pastorat geplant wurde und in diesem Jahr noch gebaut werden soll.

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