Breitband für Schuby : Allgemeine Verunsicherung

Appell an die Solidarität: Bürgermeister Helmut Ketelsen und seine Stellvertreterin Petra Schulze (stehend) werben für den Zweckverband.
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Appell an die Solidarität: Bürgermeister Helmut Ketelsen und seine Stellvertreterin Petra Schulze (stehend) werben für den Zweckverband.

Der Breitbandzweckverband Mittlere Geest wirbt bei den Schubyern für sein Projekt – aber entscheidende Fragen bleiben unbeantwortet.

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02. Februar 2018, 07:00 Uhr

Der anstehende Bau eines Glasfasernetzes ist derzeit das Thema Nummer eins in Schuby. Rund 180 Einwohner waren am Mittwochabend in die Aula der Grundschule gekommen, um sich vom Breitbandzweckverband Mittlere Geest (BZMG) über dessen Pläne für das schnelle Internet informieren zu lassen.

Die Ausgangslage

Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist groß, weil das Privatunternehmen „Deutsche Glasfaser“ seit Monaten in Schuby und Lürschau massiv um Kunden wirbt, während der Zweckverband bislang in der Deckung blieb. Die „Deutsche Glasfaser“ sagt: Wenn sich mindestens 40 Prozent der Haushalte für sie entscheiden, baut sie das neue Netz. In Lürschau ist diese Quote fast erreicht. Den Kunden werden Pakete (Internet, Telefon, TV) ab 24,99 Euro im Monat angeboten, wenn sie den Vertrag bis zum 24. Februar abschließen. Das setzt den Zweckverband unter Druck.

Das Problem

Der BZMG hat noch keinen Betreiber für das Glasfasernetz. Man habe das Projekt EU-weit ausschreiben müssen, erklärt Lutz Schnoor von der Amtsverwaltung Arensharde, der die Geschäfte des Zweckverbandes leitet. „Und dabei müssen Fristen eingehalten werden.“ Bis Mitte Januar mussten interessierte Firmen verbindliche Angebote einreichen, Anfang März wird entschieden, wer den Zuschlag erhält. Erst dann kann die Vermarktung beginnen. Bis dahin dürfe man aus vergaberechtlichen Gründen keine genauen Preise nennen, so Schnoor. „Ich weiß genau: Wir stehen wie die Deppen da.“ Immerhin versprechen er und Verbandsvorsteher Johann Nissen (Bürgermeister in Treia), dass man den Glaserfaseranschluss zu „marktüblichen Preisen“ anbieten werde. Und: Wer sich zeitnah für den Zweckverband entscheidet, dem werde das Kabel kostenfrei bis ins Haus verlegt.

Die Pläne

Der BZMG, dem 22 Gemeinden aus den Ämtern Arensharde und Kropp-Stapelholm angehören, will zwischen Bollingstedt und Erfde insgesamt 1010 Kilometer Glasfaser verlegen und somit 5274 Haushalte erschließen – viele liegen in Außenbereichen, die für Privatanbieter wenig lukrativ sind. Etliche Haushalte, etwa in Kropp, sind bereits von anderen Unternehmen mit der neuen Technologie versorgt. Investiert werden sollen 36,5 Millionen Euro – 13,5 Millionen kommen aus Bundesmitteln. Die Finanzierung basiert auf einer Anschlussquote von 60 Prozent im gesamten Verbandsgebiet.

Die wichtigsten Fragen

„Was passiert, wenn die 60 Prozent nicht erreicht werden?“, will ein Gast wissen. „Dann haben wir ein Problem, denn dann geht unsere Finanzierung nicht auf“, gesteht Johann Nissen. Allerdings sei er überzeugt, dass die Quote erreicht werde, „weil wir ja auch die Außenbereiche erschließen“. Erfahrungen aus anderen Zweckverbänden würden diese These untermauern, ergänzt Lutz Schnoor. Klarheit werde man aber wohl erst im Herbst haben.

Müssen die Grundstücke für die Anschlüsse aufgegraben werden? Nein, sagt Schnoor. In der Regel würden die Kabel durch das Erdreich geschossen.

Und wann steht das Breitbandnetz? „Wir müssen bis zum 31. Dezember 2020 fertig sein“, erklärt Schnoor mit Verweis auf die Förderkriterien. Anfangen wolle man mit den Arbeiten in Lürschau.

Die Stimmung

Viele Besucher der Info-Veranstaltung äußern ihre Enttäuschung über die wenig konkreten Informationen. „Ich habe noch keinen Grund gehört, warum ich bei Ihnen unterschreiben soll“, sagt ein Einwohner – und erntet Beifall. Die stellvertretende Bürgermeisterin Petra Schulze (SPD) appelliert derweil an die Solidarität im Dorf. Schließlich sorge der Zweckverband dafür, dass auch Außenbezirke Glasfaser bekommen. Bürgermeister Helmut Ketelsen (CDU) pflichtet ihr bei.

Dennoch: Viele Teilnehmer gehen am Ende verunsichert nach Hause. Ende März werde die Gemeinde die Bürger abermals einladen, verspricht Ketelsen.

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