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Schleswiger Parkhaus : Alles läuft auf Abriss hinaus

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Eine Sanierung des Parkhauses am Schwarzen Weg? Bürgermeister Arthur Christiansen nennt das „Perlen vor die Säue werfen“.

von
erstellt am 24.Jun.2015 | 16:25 Uhr

Wie will die Stadt weiter verfahren mit dem maroden Parkhaus? Ist eine Sanierung überhaupt noch sinnvoll? Diverse Stützpfeiler wurden zwar eingebaut – doch wie lange hält das Gebäude noch? Fragen, zu denen der von der Stadt beauftragte Ingenieur Klaus d’Aubert gestern seine Einschätzung vor dem Bauausschuss abgegeben hat.

Dabei hatte er wohl neben seiner Rolle als Gutachter gleichzeitig die des Hiobsbotschafters einzunehmen. Denn sein Resümee fiel erwartungsgemäß so aus, dass eine Menge im Parkhaus getan werden müsste, um es für die nächsten Jahre flott zu machen. Doch eine komplette Sanierung würde horrende Summen verschlingen. Zuletzt war von über 4,5 Millionen Euro die Rede.

Ob das die Schleswiger Politiker und der Bürgermeister überhaupt wollen, wurde in dieser Sitzung nicht offen angesprochen, jedoch herrschte der Eindruck vor, als ob die Mehrheit sich innerlich bereits vom kaputten Parkhaus verabschiedet hat. Dazu zählt auch Bürgermeister Arthur Christiansen.

Gutachter d’Aubert listete vor dem Ausschuss im Detail auf, woran das Parkhaus krankt. „Es ist vor allem die weit verbreitete und fortschreitende Korrosion, die uns zu denken gibt“, sagte er. Also die chemische Zersetzung und Verwitterung von Stahl und Metall. So ist es schlichtweg Rost, auf den man in vielen Bereichen stößt. Das Rosten geschieht nach Angaben des Experten durch die Chloride im Beton. Diese Salze werden massenhaft von außen ins Parkhaus hinein getragen – nämlich dann, wenn im Winter jedes Auto etwa 40 bis 50 Liter Streusalzhaltiges Schneewasser auf den Parkdecks hinterlasse. Schließlich gelange dieses ungute Gemisch auch zu den Stützpfeilern hin, und die Salze zerstörten mit der Zeit die Materialien.

Eine weitere Beobachtung, die Klaus d’Aubert annehmen lässt, wie sehr der Verfall des Parkhauses einen hohen Grad erreicht hat, ist folgende: Auf der Parkebene „C“ gibt es etliche Stellen, die aufgeplatzt waren und daraufhin mehrmals mit speziellen Abdichtungsmaterialien wieder in Stand gesetzt worden waren. „Trotzdem aber haben sich genau dort wieder Betonschäden gebildet, und das deutet auf einen stetig zunehmenden Schadensumfang hin“, sagte d’Aubert. Das Gleiche passiert auf der Ebene „A“, im Erdgeschoss. Auch hier sei der Beton saniert worden, doch auch hier schreite die Korrosion unaufhaltsam voran.

Großflächige Netzrissbildungen auf Betondecken, Abplatzungen, Risse im Mauerwerk – die Liste der Parkhaus-Schäden war nach dem jetzt erneut vorgenommenen Gebäude-Check beeindruckend lang, machte d’Aubert deutlich. Doch er sagte auch, dass die Schäden im Schleswiger Parkhaus „serientypisch“ seien für ähnliche Bauten aus den 1970er und 80er Jahren. „Wie lange noch?“ – bei dieser Frage des Ausschussvorsitzenden Klaus Bosholm (SPD) ließ der Gutachter die einstigen Werbefiguren Karius und Baktus aufleben, die nichts so fürchteten wie den Zahnarzt als Sanierer. Wie diese beiden Bakterien aus dem Werbefilm an den Zähnen nagten, so geschehe das mit den Salzen an Beton und Stützpfeilern. Bei der Sanierung der Schäden im Parkhaus würde man tatsächlich ähnlich vorgehen wie ein Zahnarzt, der zunächst bohre und dann mit Plomben das Loch abdichte.

Sanieren oder abreißen? Deutliche Worte dazu von Bürgermeister Christiansen: „Wir sollten in einer stillen Minute darüber nachdenken, wie wir alles neu sortieren, wie wir das Areal der Feuerwache und den ZOB in die Planungen einbeziehen.“ Denn: „Sicherungsmaßnahmen für das Parkhaus sicherlich ja. Aber alles andere – das wäre doch Perlen vor die Säue werfen.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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