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Berufsbildungszentrum Schleswig : „Alles kann, aber nichts muss!“

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach 18 Jahren geht BBZ-Schulleiter Hans Hermann Henken am 18. Juli in den Ruhestand.

Einmal in Sydney über die Harbour-Bridge laufen – das wäre ein Traum, den sich Hans Hermann Henken gern erfüllen würde. Doch bis dahin ist noch etwas Zeit. Vorerst muss er mit seinem aktuellen Lieblingsplatz vorliebnehmen – und der liegt nicht weit entfernt von seinem Schulleiter-Büro. Einmal um die Ecke, durchs Foyer, und schon sitzt er am Fenstertisch der BBZ-Mensa. „Seit wir die haben, ist hier eine ganz andere Stimmung“, freut sich der Mann, dem man seine 66 Jahre so gar nicht ansieht, und schon gar nicht anmerkt. Wenn Hans Hermann Henken von seiner Schule spricht, sprüht er vor Elan, als hätte er seinen Posten gerade übernommen und wolle so richtig durchstarten. Nicht wie einer, der auf sein Berufsleben zurückblickt, auf das, was er an dieser Schule verändern konnte, und der den nahen Ruhestand plant.

Am 18. Juli ist Schluss, dann wird Henken mit großem Tamtam verabschiedet. Dann verlässt der Nordfriese das Berufsbildungszentrum Schleswig (BBZ) an der Flensburger Straße für immer, eine Einrichtung, die er lieb gewonnen hat, weil er dort verwirklichen konnte, was ihm am Herzen lag. Die Mensa ist da noch eine der geringeren Errungenschaften. „Was mich sehr stark geprägt hat, das war der Weg zum Regionalen Bildungszentrum“, sagt er, und damit nicht weniger als jene Mammutaufgabe, für die er sein Kollegium begeistern und die Politik im Kreis überzeugen musste. Denn es war Pionierarbeit. „Wir waren mit der Eckener-Schule in Flensburg die ersten, die in die wirtschaftliche Eigenständigkeit gegangen sind.“

Bis 2008 waren es das Schulamt und der Kreis, die Entscheidungen für die Schule getroffen hatten. „Heute ist die Schule in der Lage, selbst auch pädagogisch flexibel zu reagieren.“ Das BBZ vereinbart mit dem Land jährliche Zielvereinbarungen, die Schule mit den Lehrkräften ebenso, und letztlich die Lehrer mit den Schülern – auf Augenhöhe und mit steten Rückmeldungen von jeweils beiden Seiten – und im Gegenzug sollen möglichst wenige formale Vorschriften den Lehrbetrieb prägen, sagt Henken. „Wir sind keine Behörde, die hoheitliche Abschlüsse verteilt, sondern verstehen uns als Dienstleister für unsere Region, der ganz kurzfristig auf Anforderungen reagieren kann.“ Als Beispiel nennt er die Ansiedlung der „Jobkom“ und die Jugendberufsagentur, in denen Kräfte unterschiedlicher Institutionen zusammenarbeiten, um jungen Menschen den Einstieg in die Arbeitswelt zu erleichtern.

Der Einstieg ist eben nicht immer einfach, der Weg selten gradlinig. So war es auch bei Henken selbst. Dorfschule in seiner Heimatgemeinde Ramstedt, zwei Jahre Handelsschule in Husum – „mit viel Mühe und blauem Brief“, wie Henken bekennt. „Ab dann wurde es besser.“ Henken absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der damaligen Kreissparkasse in Husum, ging 1971 auf das neu eingerichtete Fachgymnasium an der Husumer Berufsschule – nicht ahnend, dass er dort später einmal unterrichten würde. Doch diese Zeit war prägend. Auch weil er dort schon als Schüler einsprang und selbst Unterricht gab – Lehrermangel ist kein neues Problem. „Ich habe gemerkt, dass ich mich sehr gut in Schüler hineinversetzen kann, gerade wenn sie Probleme haben.“ Der Wunsch, Lehrer zu werden, war geboren – und wurde umgesetzt. Am 1. Februar 1981 begann seine Laufbahn an der Berufsschule Nordfriesland, 1991 wurde er Leiter für das Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung. Mit 47 Jahren kam er dann nach Schleswig. Am 3. Februar 1999 überreichte Ministerialdirigent Klaus Karpen ihm in der Pausenhalle an der Flensburger Straße die Ernennungsurkunde zum neuen Schulleiter der Schleswiger Berufsschule.

18 Jahre Schulleiter, zuletzt auch Geschäftsführer – fällt der Absprung da nicht schwer? Kein Problem, sagt Henken, ab jetzt gilt: „Alles kann, aber nichts muss!“ Er gehöre nicht zu den Menschen, denen mit Eintritt in den Ruhestand die Decke auf den Kopf falle oder die Inspiration ausgehe. Dafür sorgen zwei Töchter, zwei Enkeltöchter und natürlich Ehefrau Elke, die noch ein Jahr länger arbeiten wird als er. „In der Zeit werde ich zuhause in Ramstedt alles auf Vordermann bringen“, sagt Hans Hermann Henken und lacht. Und dann, sagt er, freue er sich auf „Urlaub außerhalb der Ferien“. Reisen, mehr Radfahren, mit dem Tibet-Terrier „Yashi“ in St. Peter-Ording am Strand spazieren gehen, er werde es genießen. „Und dann sind wir ja auch ausgesprochen kulturinteressiert“, sagt Henken, auf dessen diesjährigem Tourenplan unter anderem Operndiva Anna Netrebko (Waldbühne Berlin) und die Poprocker von Coldplay in Frankfurt stehen. „Dreimal war ich mit Kollegen auch in Wacken.“

Ganz sicher nicht zurückkehren wird Henken in die Kommunalpolitik. Er war von 1990 bis 1998 Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Ramstedt. Die Gelegenheit wäre günstig, weiß er. „Aber das ist gewesen. Ich möchte meine Zeit nicht mehr verplant wissen – wie gesagt: Alles kann, aber nichts muss!“ 

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erstellt am 15.Jul.2017 | 07:22 Uhr

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