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Schleswiger Nachrichten

18. August 2017 | 03:43 Uhr

Schleswig : Algenteppich auf der Schlei

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Für gefährlich hielt er es nicht, aber interessant war es allemal, was sich da am Wochenende vor Hans Schnoors Wohnung auf der Schlei abzeichnete. Die Behörden wussten allerdings schon Bescheid.

Grün ist ja bekanntlich die Farbe der Hoffnung. Der grüne Schleier, der sich seit dem Wochenende auf der Wasseroberfläche der inneren Schlei abzeichnet, sorgt allerdings nicht gerade für positive Stimmung. Schon gar nicht beim Fachdienst Wasserwirtschaft des Kreises Schleswig-Flensburg, wo die Gewässeraufsicht liegt. Dort weiß man zwar, dass der grüne Teppich nur aus Teichlinsen – auch „Entengrütze“ genannt – besteht, aber dahinter verbirgt sich eine Entwicklung, die schon seit Jahren im Gange ist und auch in den kommenden Jahrzehnten nicht aufzuhalten sein wird.

„Es war mir vorher nie aufgefallen, aber am Wochenende war es nicht zu übersehen“, sagt Hans Schnoor. Der 64-Jährige Rentner lebt zusammen mit seiner Frau im Wikingerturm und fotografierte in den vergangenen Tagen mehrfach den grünen Algenteppich. Von seiner Wohnung im elften Stock aus, hatte er einen guten Ausblick auf das, was offenbar ein sich ständig wiederholender biologischer Prozess ist.

Holger Steen, stellvertretender Leiter des Fachdienstes Wasserwirtschaft, erklärt diesen Prozess: „Die Schlei hat vor allem im August einen hohen Phosphatwert.“ Grund dafür seien zum einen Düngemittel aus der Landwirtschaft oder Faulschlamm, von dem sich jedes Jahr 60 000 Tonnen in der Schlei bilden. Diese Phosphate dienten Algen als Nährstoffe, die sich bei hohen Temperaturen und viel Sonnenschein stark vermehren. „Im Winter fallen sie auf den Grund und verbinden sich dort mit dem Faulschlamm“, erklärt Steen. Der Schlamm agiere dann als eine Art Speicher, der die Stoffe bis zum nächsten Sommer konserviert. „Die Natur recycelt Phosphate“, sagt Steen, weil nicht überall genügend davon zur Verfügung stehen würden. „In der Schlei haben wir aber mehr als ausreichend Phosphate“, meint der Fachmann. So entstehe am Ende ein Übermaß bei der Algenproduktion.

Holger Steen weiß aus den Akten, dass es schon in den 1960er Jahren zu viele Algen in der Schlei gab. In diesem Jahr nun hätten ein starker Ostwind sowie heftige Regenfälle noch mehr Phosphate als üblich in die innere Schlei gespült, sodass jetzt, im Sommer, eine höhere Konzentration erreicht wurde. Leider, fügt Steen an, deute kaum etwas darauf hin, dass in den kommenden Jahrzehnten eine endgültige Lösung für das Problem gefunden wird. Für den Menschen sei diese Entwicklung aber nur aufgrund der giftigen Blaualgen gefährlich, die sich im Zuge dieses Prozesses ebenfalls vermehren. Die Tierwelt hingegen habe schon größere Verluste hinnehmen müssen. Ohne die vielen Algen gäbe es zum Beispiel einen höheren Sauerstoffgehalt im Wasser, der für eine größere Artenvielfalt sorgen würde, sagt Steen.

Gründe für die Bekämpfung der dauerhaft hohen Phosphat-Werte gibt es also genug. Steen weiß auch, was getan werden müsste: „Die Phosphat-Hotspots müssen ausfindig gemacht und ihre Quellen bekämpft werden.“ Das würde aber sicher die Landwirte in der Region beeinträchtigen, deren Düngemittel für bis zu 80 Prozent aller Phosphate in der Schlei verantwortlich seien. Aber weder die Landwirte noch die Politiker wären wohl von dieser Idee begeistert.

So bleibt laut Steen fürs Erste nur Vorsicht. „In Schleswig wird die Präsenz von Blaualgen regelmäßig gemessen“, versichert er. Mindestens alle vier Wochen. Zurzeit rät er aber davon ab, in der Schlei zu baden.

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erstellt am 12.Aug.2014 | 07:45 Uhr

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