zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

24. Oktober 2017 | 03:01 Uhr

Airport Sylt fordert mehr Unterstützung

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Jährliches Defizit von 800 000 Euro / Geschäftsführer sieht Land, Kreis sowie die Wirtschaft der Region in der Pflicht

von
erstellt am 11.Apr.2017 | 16:38 Uhr

Der Sylter Flughafen braucht Geld. Das ist lange bekannt und wird immer wieder neu diskutiert, denn das Defizit von jährlich rund 800  000 Euro gibt regelmäßig Anlass, die wirtschaftliche Situation des Airports zu betrachten. Peter Douven, langjähriger Geschäftsführer des Flughafens Sylt, stellt sich nicht nur diesen Diskussionen, sondern initiiert sie gern durch neue Überlegungen zur Überwindung des „strukturellen Defizit“.

„Ich möchte die Sylter Politik mit auf den Weg nehmen bei meinen Bemühungen, den Betrieb hier optimal aufrecht zu erhalten und auf längere Sicht auch die Attraktivität des Airports und seiner Terminals zu verbessern“. In diesem Sinne stellte Peter Douven gestern Abend den politischen Vertretern der Gemeinde Sylt seine „Unterstützungswünsche“ bei der Finanzierung des Flughafens detailliert vor. Mit Blick auf andere Regionalflughäfen lenkte er dabei zunächst das Augenmerk auf die Mitfinanzierung durch Dritte. Gemeint sind dabei neben den betroffenen Insel-Gemeinden (der Flughafen liegt auf dem Grund und Boden des insularen Flughafenzweckverbandes), auch der Kreis, das Land und die jeweils für diese Gemeinde zuständige Industrie- und Handelskammer (IHK). Während die Sylter Gemeinden sich an der Finanzierung des Flughafens beteiligen, ist dies weder beim Kreis, dem Land noch der IHK so. Ein Zustand, den Peter Douven dringend ändern will. Die Möglichkeiten dazu konnte er gestern Abend darlegen. „Die Mitfinanzierung durch den Kreis könnte alternativ oder hilfsweise statt über eine Beteiligung an der Gesellschaft auch über die für die Insel unverzichtbaren Rettungsflüge erfolgen, indem sich der Kreis über die Bezahlung einer pauschalen Jahreslandegebühr in Höhe von Beispielsweise 50  000 Euro indirekt beteiligt. Dies könnte in den Verhandlungsgesprächen eine mögliche Variante zur komplexeren Beteiligung an der Gesellschaft sein.“

Für den Flughafen-Chef ist auch das Land in der Pflicht, wenn es um die Unterstützung für den Sylter Flughafen geht. „Die Mitfinanzierung durch das Land sollte ebenfalls kein Tabu-Thema sein“, nimmt Peter Douven mögliche Einwendungen zu Thema vorweg. Denn „auch wenn der Koalitionsvertrag dies ausschließt“, sieht er eine veränderte Haltung beim Land gegenüber dem Sylter Flughafen, „da die Grünen bereits unmissverständlich die Sonderstellung unseres Flughafens anerkennend zum Ausdruck gebracht haben. Diese Sonderstellung hinsichtlich der Ergebnislagen im Vergleich zu anderen Regionalflughäfen ist im Land ebenso bekannt, wie die Relevanz für die Erreichbarkeit der Insel. Insofern sollte Gesprächsbereitschaft bestehen. Statt einer direkten Beteiligung könnte auch hier, wie beim Kreis, eine Mitfinanzierung durch Übernahme zumindest eines Teils der hoheitlichen Kosten erfolgen, die auch beihilferechtlich unproblematisch sind.“

Wie gravierend sich diese Kosten auf die Wirtschaftlichkeit des Airports auswirken, zeigt sich darin, „das dieser Kostenblock in unseren Jahresergebnissen seit einigen Jahren separat ausgewiesen wird und regelmäßig eine Größe von über einer Million Euro erreicht!“

Doch auch die Insel selbst könnte aus Sicht von Peter Douven noch einiges mehr zur besseren finanziellen Ausstattung des Flughafens tun. Mit Bedauern stellt er fest, dass das insulare Verständnis für die Unterstützung zwar da ist, sich aber weder in den zur Verfügung gestellten Mitteln noch in der Bereitschaft der Politik, wenn es um bauliche Maßnahmen geht, ausdrückt. Im Gegenteil: „Die Sylter Unternehmer (SU) haben sich bisher über Werbeverträge mit 52  000 Euro pro Jahr beteiligt. Nach Ablauf der Vertragslaufzeit waren leider nur noch 31  000 Euro neu zu akquirieren. Ursprüngliches Ziel der SU war es, einen Betrag von 100  000 Euro zu erreichen.“

Wichtig ist Peter Douven aber auch, dem Flughafen selbst die Chance auf Einnahmen durch den nicht fliegerischen Teil des Airports, den sogenannten Non-Aviation-Sektor, zu ermöglichen. „Kein Flughafen ist ohne Non-Aviation-Erlöse in der Lage, auskömmlich zu arbeiten. Allerdings ist der Sylter Flughafen gerade in diesem Bereich strukturell schwach, da ihm dazu kein Gewerbegebiet zur Verfügung steht, wie es sonst üblich ist.

Vor diesem Hintergrund habe ich empfohlen, zwei versiegelte Flächen solchen Nutzungen zuzuführen. Diese Flächen sollten keine neue Bebauung erhalten, sondern in der vorhandenen Form Nutzungen außerhalb des Flughafens zugeführt werden. Dazu ist allerdings eine baurechtliche Überplanung nötig, die bedauerlicherweise bisher unter Hinweis auf die Landesplanung abgelehnt wurde. Da es aber nur um Nutzung vorhandener und nicht zu verändernder baulicher Infrastruktur geht, entstünde keine neue Versiegelung oder neue Bebauung. Im Hinblick auf die Relevanz und Finanzierung des Flughafens für und durch das Land sollte es einen Gesprächsansatz beim Land auf die Anpassung der Landesplanung in diesem Bereich geben.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen