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Klinik-Neubau in Schleswig : Ärger um Hubschrauber-Landeplatz

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Schleswig sollen Rettungsflieger künftig auf dem Dach des Klinik-Neubaus landen – anders als bisher geplant. Anwohner fühlen sich überrumpelt.

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erstellt am 28.Aug.2014 | 07:15 Uhr

Schleswig | Bürger-Ansturm im Rathaus: Die Mitglieder des Bauausschusses sind schon einiges gewohnt, wenn brisante Themen auf ihrer Tagesordnung stehen. Doch was sie diesmal erlebten, sprengte den Rahmen deutlich. Dennoch gelang es dem Ausschussvorsitzenden Klaus Bosholm (SPD), die Emotionen, Aggressionen und Argumentationen in geordnete Bahnen zu lenken. Dicht gedrängt saßen die Zuhörer im schmalen Sitzungsraum hinter den Rücken der Stadtvertreter, die an den U-förmig zusammengestellten Tischen beraten. Es waren unterschiedliche Gründe, weshalb die Bürger ihrem Ärger Luft machen wollten. So gab es drei Lager: erstens die Nachbarn des neuen Krankenhauses an der St. Jürgener Straße, die sich überrumpelt fühlen wegen der für sie überraschenden Ankündigung eines Hubschrauber-Landeplatzes auf dem Klinik-Dach. Zweitens die Anwohner zwischen Moltke- und Gartenstraße, die zu Felde ziehen, weil sie in einem neu aufgerollten Wohnbebauungs-Vorhaben eine „zu große Verdichtung“ ihres Quartiers sehen. Und drittens die Hesterberg-Anwohner, die auf eine einleuchtende Begründung der Stadtverwaltung warten, warum sie seinerzeit zu hohe Ausbaubeiträge für ihre Straße hatten zahlen müssen.

Zum Hubschrauber-Landeplatz auf dem Dach des Klinikneubaus: Weil im ursprünglichen Bebauungsplan für dieses Gebiet kein Landeplatz vorgesehen ist, hatte der Bauausschuss jetzt über eine entsprechende Änderung des B-Plans zu beraten – diese wurde dann auch einstimmig empfohlen. Wenn die Ratsversammlung nun ebenfalls dem Aufstellungsbeschluss zustimmt, werden anschließend die Plan-Unterlagen zum Landeplatz öffentlich ausgelegt, sodass Anwohner und Bürger sich dazu äußern können. Vorgesehen dabei ist, dass der Landeplatz auf dem Dach des nördlichsten der drei Baukörper eingerichtet wird. „Warum hat die Helios-Klinik uns nicht frühzeitiger mitgeteilt, dass ein Landeplatz kommt?“, monierte ein Anwohner aus der St. Jürgener Straße. Man habe doch geglaubt, dass der Hubschrauber-Landeplatz auf dem Sportplatz der Fachklinik beibehalten werde. Ein weiterer Anwohner, Dr. Kersten Schulze, kritisierte ebenfalls „die Art und Weise der Informationspolitik von Seiten der Klinik-Geschäftsführung“.

Der Schleswiger Helios-Geschäftsführer Florian Friedel entgegnete, er selbst sei bis vor kurzem noch vom Sportplatz als Landemöglichkeit für Hubschrauber ausgegangen. Doch dieses werde von der Luftfahrtbehörde in Kiel nicht genehmigt, da aktuelle EU-Vorgaben neue Mindeststandards für Größe und Sicherheit von Landeplätzen vorgeben. „So wurden auch wir von den Änderungen der EU-Richtlinien überrascht“, sagte Friedel vor dem Bauausschuss. Als Schwerpunkt-Krankenhaus habe man zudem besondere Anforderungen zu erfüllen und schnellstmöglich erreichbar zu sein für Herzinfarkt- und Schlaganfall-Patienten sowie für Unfallopfer jeglicher Schweregrade. Das mache einen kliniknahen Landeplatz notwendig, erklärte Friedel.

Wie oft steuert der Rettungshubschrauber das Klinikum in Schleswig an? „Es gibt durchschnittlich etwa 120 Starts und Landungen pro Jahr – oder drei pro Woche“, sagte Klinik-Pressesprecherin Inke Asmussen dazu auf SN-Nachfrage. Und: „Nachtflüge mit dem Hubschrauber hatten wir bisher gar nicht.“ Allerdings gilt der Landeplatz am alten Klinik-Standort in der Lutherstraße in Pilotenkreisen wegen seiner Enge als nicht unproblematisch. So finden Hubschrauber-Transporte zur Schleswiger Klinik nach Auskunft der Deutschen Rettungs-Flugwacht bisher nur am Tage statt, und zwar unter Sichtflug-Wetterbedingungen. In dem vom Planungsbüro Springer erstellten Gutachten für den neuen Hubschrauber-Dachlandeplatz heißt es, dass für die Zukunft mit etwa 180 Einsätzen jährlich zu rechnen sei, „wovon erfahrungsgemäß 15 Einsätze in der Nachtzeit von 22 bis 6 Uhr stattfinden dürften“. Und es bestehe ein „besonderes öffentliches Interesse am Landeplatz, um ein landesweit perfekt funktionierendes Rettungswesen zu gewährleisten“.

Im Bauausschuss kündigte Friedel an, man werde Nachbarn und Anwohner des neuen Krankenhauses zu einem Gespräch einladen, sobald mehr Informationen zum Dach-Landeplatz vorlägen.

Das „Wut-Thema“ Ausbaubeiträge im Hesterberg ließ sich im Bauausschuss nicht zur Zufriedenheit der Anwohner klären. Auch auf wiederholtes Nachhaken von Helge Lehmkuhl (CDU) blieb Bürgermeister Arthur Christiansen dabei, dass die Anwohner im Hesterberg keine Rückzahlungen von der Stadt erwarten könnten, da alle Ansprüche längst verjährt seien. Er bedaure die Fehler, die in der Vergangenheit bei der Berechnung der Beiträge entstanden waren, sagte Christiansen.

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