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Schleswig : Ärger über die geschlossene Sparkassen-Filiale

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Nord-Ostsee-Sparkasse hat ihr neues Strukturkonzept umgesetzt / Zweigstellen in St. Jürgen und Busdorf fallen weg.

von
erstellt am 18.Nov.2015 | 19:06 Uhr

Georg Lugawing kann es noch immer nicht fassen. „Das ist ein Trauerspiel, was die hier gemacht haben“, echauffiert sich der 77-Jährige und zeigt auf das verwaiste Gebäude an der Straße Am Brautsee. Am vergangenen Freitag haben die Mitarbeiter die Nospa-Filiale im Stadtteil St. Jürgen geräumt. Viele Kunden, sagt Georg Lugawing, hätten kein Verständnis für das neue Geschäftsstellen-Konzept der Nord-Ostsee-Sparkasse (Nospa), in dem die Zweigstelle St. Jürgen keine Rolle mehr spielt. „Dabei war sie immer so gut besucht. Und der Service war auch klasse.“ Ein vorbeikommender Mann mittleren Alters nickt zustimmend und zieht dann mit seinem Hund zwischen den Wohnblocks weiter.

Im Mai vergangenen Jahres hatte die Sparkasse ihren Umstrukturierungsprozess angekündigt und dies mit dem veränderten Kundenverhalten begründet. Die Geschäftsstellen würden immer weniger frequentiert, jeder zweite der rund 200  000 Nospa-Kunden setze bereits auf das Onlinebanking, hatte Vorstandschef Thomas Menke vorgerechnet – Tendenz stark steigend. Die Konsequenz: Zehn mitarbeiterbesetzte Filialen in den Kreisen Schleswig-Flensburg und Nordfriesland wurden aufgegeben, 19 weitere in SB-Standorte umgewandelt, so zum Beispiel Jübek und Schuby. Im Gegenzug wertete die Nospa seit Ende 2014 insgesamt 19 Standorte zu Regionaldirektionen auf. Das Prinzip: In diesen Geschäftsstellen sollen den Kunden alle Produkte und Dienstleistungen mit entsprechender Beratung angeboten werden. Zudem wurde das Internet-Angebot ausgebaut. In der Schleistadt gibt es seit Beginn dieser Woche nun die Regionaldirektion „Schleswig Finanzmarkt“ (die bisherige Hauptstelle im Stadtweg), deren 35 Mitarbeiter etwa 14  000 Kunden betreuen, und die Regionaldirektion „Schleswig Nord“ am Standort der bisherigen Filiale Breslauer Straße. In letzterer aufgegangen ist die Filiale St. Jürgen, zudem sind die Zweigstellen Hühnerhäuser und Friedrichsberg angegliedert. Insgesamt zählt die Regionaldirektion somit 20 Mitarbeiter, die für rund 12  000 Kunden zuständig sind.

Wie St. Jürgen hat auch Busdorf seine Nospa-Filiale verloren. Immerhin ist den Kunden dort ein SB-Standort verblieben. Wer in St. Jürgen Geld an einem Sparkassen-Automaten abheben will, muss dies am SB-Standort im Gewerbegebiet (bei Expert Megaland) tun.

Nospa-Sprecher Burkhard Lauritzen zieht ein positives Fazit des Umstrukturierungsprozesses. „Die Standorte sind renoviert und wesentlich kundenfreundlicher geworden“, sagt er. Dies hätten auch die Kunden bestätigt, die am Montagabend der Einladung in den umgestalteten „Finanzmarkt Schleswig“ gefolgt waren. Am kommenden Sonnabend findet dort zudem von 10 bis 14 Uhr ein Tag der offenen Tür für alle interessierten Bürger statt (wie übrigens zeitgleich auch in der Nospa-Filiale in Silberstedt, die zur Regionaldirektion Kropp gehört). „Wir haben so gut wie keine negative Resonanz erfahren“, betont Lauritzen. Dies werde dadurch belegt, dass die Nospa sogar einen Zuwachs an Kunden verzeichne.

Auch Georg Lugawing wird der Nospa wohl die Treue halten. Doch er hat Mühe, seinen Ärger im Zaum zu halten. Am Vortag, erzählt er, habe er die Filiale Hühnerhäuser aufgesucht. Aber dort gebe es ja so gut wie keine Parkplätze. „Deswegen will mir das Ganze einfach nicht in den Kopf gehen.“

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