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Schleswiger Nachrichten

18. Oktober 2017 | 04:54 Uhr

Ex-Schwennauhof Glücksburg : Ärger in Sicht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eigentlich sind die Planungen für ein neues Restaurant an der Schwennau-Mündung schon abgeschlossen. Doch jetzt zücken Anwohner einen alten Vertrag, der ihnen freie Sicht garantiert. Es droht Ärger.

shz.de von
erstellt am 09.Jun.2017 | 06:43 Uhr

Christoph Koeppen hat viel investiert in das Gelände der früheren Jugendfreizeitstätte Schwennauhof. Statt einfacher Hütten ließ er 26 Luxus-Lodges, zum Teil mit Sauna, bauen (wir berichteten). Auch mit der zur Schwennau-Mündung hin angrenzenden Fläche, auf der sich bis vor kurzem noch ein Campingplatz befand, hat der Hamburger Unternehmer aus der Solarbranche noch viel vor.

Neben einem schwimmenden Bootssteg mit Bootshalle, einem Volleyball-Feld und Boule-Platz plant der Investor hier im Einvernehmen mit der Stadt ein zweistöckiges Restaurant mit 130 Innen- und 170 Außenplätzen. 37 Meter lang, 19,50 Meter breit und rund elf Meter hoch soll es werden und nicht nur den Gästen seines Ferienresorts „Glück in Sicht“, sondern ganz Glücksburg offen stehen. Wegen dieses Gebäudes gibt es Ärger.

Der Investor muss sich mit sieben Anwohnern der Paulinenallee über Art und Umfang des Restaurants einigen. Die Grundstücke der Anwohner, die sich per Anwalt an den Investor und an die Stadt als Eigentümerin des Geländes gewandt haben, befinden sich zwar rund 500 Meter von dem Bauprojekt entfernt. Von dort hat man aber über eine sumpfige Wiese, durch die sich die Schwennau schlängelt, Ausblick auf die Flensburger Förde.

Diesen Blick wollen die Hauseigentümer nicht durch ein großes Restaurantgebäude verstellt haben und sie haben den freien Blick laut Grundbuch von 1904 auch dauerhaft zugesichert bekommen. „Es ist eine Grunddienstbarkeit wie ein altes Wegerecht“, erläutert Anwalt Sebastian Baur den Eintrag, der noch in Sütterlin verfasst ist. Der Eintrag stammt aus der Zeit von Reeder Heinrich Schuldt (1840-1924), der 1877 in Sandwig das Areal zwischen Paulinenallee, Schuldtstraße und Schwennaulauf erworben hatte. Er lebte dort in einer großen Villa, die 1988 abgerissen wurde. Baur vertritt die Anwohner der Paulinenallee 26 a-f sowie eines weiteren Grundstücks. Seiner Meinung nach hat die Stadt als Eigentümerin bei der Aufstellung des Bebauungsplans nicht aufgepasst. Offensichtlich hat die Verwaltung von dem Grundrecht der Eigentümer an der Paulinenallee bis zu dem Schreiben des Anwaltes nichts gewusst. „Man hätte es wissen können“, räumt Bauausschuss-Leiter Svend Colmorn ein. „Aber auch der Investor hätte es bemerken können.“ Ungünstig findet Colmorn den Zeitpunkt der Beschwerde der Anwohner. „Die öffentliche Auslegung für den Restaurant-Neubau liegt mindestens ein dreiviertel Jahr zurück.“ Die Planungen sind abgeschlossen, alle Behörden haben ihr Einverständnis gegeben – Schwierig genug im Küstengebiet, wie Planer Manfred Demuth, mit dem die Stadt Glücksburg zusammenarbeitet, feststellt. Demuth sieht noch ein zusätzliches Problem für den Investor: Wenn das Gebäude an einer anderen Stelle gebaut werden soll, könnte es sein, dass ein neues, Monate dauerndes Antragsverfahren in Gang gesetzt wird. Da sich einige Richtlinien inzwischen geändert haben, könnte es sein, dass es keine Genehmigung mehr gibt.

Die Stadt möchte keine Klage riskieren und hat die Abstimmung über die Genehmigung für das Restaurant-Gebäude auf der der letzten Sitzung des Bauausschusses vertagt. „Wir haben einen eigenen Anwalt mit der Sache betraut. Sobald sich die Juristen geäußert haben, wird es ein Treffen zwischen Anwohnern, Investor und der Stadt geben“, erläutert Colmorn die weitere Vorgehensweise.

„Wir sind grundsätzlich gesprächsbereit“, sagt Anwohner Sebastian Annewanter. Investor Christoph Koeppen äußert sich zuversichtlich: „Wir sind optimistisch, dass wir mögliche Bedenken von den Anwohnern in einem gemeinsamen Gespräch sicher lösen können.“
 

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