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Schleswiger Nachrichten

18. Dezember 2017 | 02:56 Uhr

Ach, bloß kein "Geschwöge" über die Hitze

vom

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Durch ein viel zu langes und viel zu kaltes Frühjahr konditioniert, hatten wir uns geschworen, über dessen Gegenteil jedenfalls öffentlich nicht zu meckern - wenn der Sommer in diesem Jahr wirklich einmal ausbräche. Nun ist das längst geschehen, die heiße Jahreszeit erreicht aktuell Korsika- und Kreta-Temperaturen - und schon steht unsereins kurz davor, den Nicht-Mecker-Schwur zu brechen. In der SN-Stadtredaktion mit ihrer Fensterfront nach Südwesten zeigt das Thermometer erbarmungslose 34 Grad an und der Straßenmusikant mit seinem "Summertime"-Saxophon gleich unter dem Fenster kommt einem wie blanker Hohn vor.

In dieser mental angespannten Situation hilft eigentlich nur noch ... die Erinnerung an Wilhelm Busch. Sicherlich war er, wie es die alten Herrschaften am Ende des 19. Jahrhunderts mit sich so hielten, bis an die Halskrause eingeschnürt - schwarzer Anzug, weißes Hemd, Uhrkette, Hut - , als er einer Freundin aus Mechtshausen im Harz-Vorland schrieb: "Den Klagen über die Kälte letzthin ist nunmehr ein Geschwöge über die Hitze gefolgt. Die Kinder sind leicht und unbefangen gekleidet - kurze Socken, bloße Beine und nur die allernöthigsten Feigenblätter. Ganz drollig."

Oder ich erinnere mich an meinen Großvater, einen Pastor, der vor dem Essen am Sonntag durch den von der Mittagssonne heftig erwärmten Pfarrhaus-Garten spazierte und, als wir Kinder den Herrn in seinem Lutherrock und steifen Kragen leicht hinterhältig fragten: "Opa, ist es dir nicht vielleicht zu warm?", nur antwortete: "Mir ist es recht angenehm."

Kurzum, ein Sommer, der eben kein grün angestrichener Winter ist, will ohne "Geschwöge" ertragen sein, auch wenn manche seiner Konsequenzen nicht wirklich "recht angenehm" daherkommen. Quallen in beiden Meeren, Zerkarien im Strandbad und ganze Algengebäude in Schilfnähe: Da fehlt eigentlich nur noch ein rapide sinkender Sauerstoffgehalt des Wassers, sodass manche Fische demnächst kieloben in Schlei und Nooren treiben werden.

Und genau das haben Svend Duggen, Chemie-Lehrer an der A.P.-Møller-Schule, und Anders Kühl von der naturwissenschaftlichen Profilklasse des 13. Jahrgangs festgestellt. Im Haddebyer Noor sei "die Situation derzeit dramatisch", schreiben sie uns. Unterhalb von zwei Metern herrsche ein "starker Sauerstoffschwund" auf Grund abgestorbener Algenteile. Und doch haben die Forscher der Schüler-AG "Umweltuntersuchungen in der Schlei" sowie ihr Lehrer, der vormals in der Meeresforschung tätig war, auch Tröstliches parat, wenn sie formulieren: "Sauerstoffschwund tritt in der inneren Schlei (...) sehr wahrscheinlich jeden Sommer auf." Also werde ich weiterhin versuchen, meinen Nicht-Mecker-Schwur zu halten und mich, "ganz drollig" und ohne "Geschwöge" an der Summertime zu erfreuen.

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