Bruno-Lorenzen-Schule : Abschluss für den ersten zweisprachigen Jahrgang

Erfolgreicher Unterricht: Lehrer Kalle Umland, Felix Struck, Pauline Steinbock und Oliver Grünholz (von links).
Erfolgreicher Unterricht: Lehrer Kalle Umland, Felix Struck, Pauline Steinbock und Oliver Grünholz (von links).

In den „Bili“-Klassen an der Bruno-Lorenzen-Schule wird Weltkunde auf Englisch unterrichtet.

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04. Juli 2018, 07:32 Uhr

„English is easy“, sagt Oliver Grünwald aus der 10c der Bruno-Lorenzen-Schule. Stolz ist er auf seine Eins im Abschlusszeugnis. Warum da eine so gute Note steht, weiß er auch: „Bili“, sagt er knapp. Der 16-Jährige ist einer von 24 Schülern an der Gemeinschaftsschule, die seit der fünften Klasse am bilingualen Unterricht teilgenommen haben. Neben vier regulären Englischstunden in der Woche, zusätzliche vier Weltkunde-Stunden, die „Bili“-Lehrer Kalle Umland auf Englisch unterrichtete.

Jetzt hat der erste „Bili“-Jahrgang den Abschluss gemacht – mit großem Erfolg: Kein Schüler hat in Englisch eine schlechtere Note als eine Drei. Und ein Großteil der Schüler will nun am BBZ in der Oberstufe in ihren Profilen Englisch als Schwerpunkt belegen. „Ich bin so gut vorbereitet, das kann nur klappen“, meint Felix Struck (16).

Höhepunkt für die „Bili“-Klasse war im vergangenen Jahr die Abschlussfahrt nach London mit ihrem Lehrer. „Es war super, ich konnte mich toll verständigen, hatte überhaupt keine Ängste, was zu Engländern zu sagen“, erinnert sich Oliver. Und genau das ist ein Ziel von Kalle Umland: „Viele Schüler haben Hemmungen, in der Fremdsprache zu kommunizieren. Sie genieren sich, weil sie Fehler machen könnten. Unsere ‚Bili‘-Schüler reden jede Woche so viel Englisch, dass es für sie völlig normal ist. Und wenn da mal eine falsche Vokabel dabei ist, so what?“

Zu Beginn des Schuljahres 2012/13 hatten die Lehrer Kalle Umland und Gwendolin Jung mit diesem für Schleswig neuartigen Projekt begonnen. Auch landesweit ist die Bruno-Lorenzen-Schule damit Vorreiter: Nur wenige Gemeinschaftsschulen bieten diesen besonderen Unterricht an. „Da dies vorwiegend an Gymnasien gemacht wird, gibt es kein Material für uns. Wir erstellen alles selbst“, erklärt Gwendolin Jung. Doch der Aufwand lohne sich: „Es ist toll zu sehen, wie viel und wie ungezwungen die Schüler Englisch sprechen.“ Studien hätten gezeigt, dass am Ende der zehnten Klasse die Jugendlichen einen Vorsprung von etwa zwei Schuljahren erreichten. Und die 10c kann dies bestätigen.

Für das Fach Weltkunde, in dem Erdkunde und Geschichte zusammen unterrichtet werden, standen den „Bili“-Schülern in der Woche vier Stunden zur Verfügung anstatt der üblichen drei Stunden, eine Stunde davon am Nachmittag. „So haben wir genügend Zeit, um Texte zu übersetzen und Vokabeln zu klären“, erklärt Kalle Umland. Ganz klar stehe das Fachwissen im Mittelpunkt. „Englisch ist unsere Verkehrssprache. In der Zeugnisnote werden die Kenntnisse über das Mittelalter oder die Weltmeere beurteilt, nicht die Fähigkeit, sich auf Englisch auszudrücken.“ Wer im Test nicht auf das Wort „monastery“ kommt, darf auch „Kloster“ schreiben. „Es kommt vor, dass Schüler auf Englisch einen Satz beginnen und dann deutsche Wörter einstreuen. Das ist legitim“, so Umland. Doch im Laufe der vergangenen vier Jahre habe sich der deutsche Anteil immer weiter minimiert: „Ich finde es inzwischen einfacher, mich auf Englisch auszudrücken, weil wir die Fachbegriffe im Unterricht ja auch in der Fremdsprache hören“, sagt Pauline (16).

Und das wird wohl auch in der Zukunft so sein: In jedem Jahrgang gibt es inzwischen „Bili“-Schüler.

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