zur Navigation springen

Pastor der Michaelisgemeinde Schleswig : Abschied von „Hermano Matthias“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Pastor und Seelsorger Matthias Hertel tritt nach 33 Jahren in Diensten der Michaelisgemeinde am Sonntag seinen Ruhestand an

von
erstellt am 24.Sep.2014 | 07:11 Uhr

Erst einmal nur ausruhen. Kraft tanken, vielleicht mal ein Bild malen und natürlich ganz viel spazieren gehen. Mit seiner Frau Heike und Berner Sennenhündin Lotta. Und endlich mal wieder ins Stadion gehen, zu seinem HSV. Das alles steht auf der Liste der Dinge, die Matthias Hertel in nächster Zeit machen möchte. Bäume ausreißen, dafür sind jetzt andere zuständig. Nach fast 40 Jahren im Kirchendienst freut sich der langjährige Pastor der Michaelisgemeinde auf seinen Ruhestand – auch wenn ihm gleichzeitig das Loslassen nicht leicht fällt.

„Es werden sicherlich Tränen fließen“, sagt Hertel mit Blick auf den kommenden Sonntag. Dann nämlich wird er offiziell verabschiedet. Um 14.30 Uhr beginnt der Gottesdienst in der Auferstehungskirche. Ein letztes Mal predigen, ein letztes Mal das Abendmahl austeilen, ein letztes Mal den Schluss-Segen sprechen. Dann wird er mit der Entlassungsurkunde in der Tasche nach Hause gehen. Und sicherlich mit vielen guten Wünschen.

Einer der Gratulanten wird auch der eigens dafür angereiste Bischof Medardo Gomez aus El Salvador sein. Schließlich war Hertel im Jahr 1991 eine der treibenden Kräfte, die eine Partnerschaft der Kirchengemeinde mit dem mittelamerikanischen Land, die heute längst fest verankert ist, aufgebaut haben. Seitdem war der Pastor sechs Mal zu Gastbesuchen auf der anderen Seite des Atlantiks. „Dort schlägt eines meiner vielen Herzen“, sagt Hertel, den sie dort „Hermano Matthias“ (Bruder) nennen. Dass man 15 000 Kilometer überwinde, über Grenzen und Kulturen hinweg, und sich dann im gemeinsamen Glauben vereint, sei für ihn „emotional immer unheimlich toll“ gewesen.

Am 15. Februar 1981 hatte Hertel, selbst als Pastorensohn in Ascheberg aufgewachsen, seinen Posten in Schleswig angetreten. Damals besetzte er die fünfte Pfarrstelle der Domgemeinde. Als die Michaelisgemeinde 1987 eigenständig wurde blieb er dort. „Ich wollte immer möglichst breit gestreut präsent sein, auch außerhalb der Kirche“, sagt Hertel, der sich auch wegen seiner dörflichen Herkunft als „volkskirchlichen Typen“ und „Hans Dampf in allen Gassen“ beschreibt. Dazu wiederum passt ein Zitat aus dem Johannes-Evangelium, das ihn stets begleitet habe: „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen.“

Gemäß dieses Mottos sei es ihm auch immer wichtig gewesen, über den eigenen Tellerrand zu blicken. Sei es nach El Salvador oder in die Ökumene, die – nicht nur als Helfer der Sternensinger – ebenfalls eines seiner Steckenpferde war. Gleiches gilt schließlich auch für Hertels Einsatz als Seelsorger. Zehn Jahre lang leitete er zwei Trauergruppen, zeitgleich war er auch in der Notfallseelsorge aktiv. „Ich bin in diesem Punkt sehr offen, habe keine Berührungsängste. Und dass Menschen in ihren schwersten Zeiten den innersten Teil ihrer Seele mit mir geteilt haben, empfinde ich als großes Geschenk“, sagt der vierfache Vater und denkt dabei etwa an jenen jungen Mann, der vor gut zehn Jahren seine schwangere Frau tot auffand, und der eigentlich gar nicht an Gott glaubte. „Aber dennoch durfte ich für ihn da sein – und auch für ihn beten.“

Offiziell wurde Matthias Hertel schon zum 1. September pensioniert, am Sonntag nun beginnt für ihn endgültig ein neues Leben. „Am meisten werde ich wohl unser Gemeindezentrum mit dem Weltladen vermissen. Das ist ein guter christlicher Ort, der für die Menschen immer offen steht“, sagt er – und weiß gleichzeitig, dass hier auch für ihn immer die Türen offen stehen werden.

 

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen