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Schleswiger Nachrichten

18. Dezember 2017 | 01:07 Uhr

Dollerup : Abschied von einer großen Künstlerin

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Jeder Tag, an dem sie keinen Pinsel in der Hand hatte, war für sie ein verlorener Tag. Hedda Theen-Pontoppidan ist am Freitag im 102. Lebensjahr in ihrer Wahlheimat – der Landschaft Angeln – verstorben.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2013 | 07:00 Uhr

Eine Würdigung in unserer Zeitung im April 2012, als sie 100 Jahre alt wurde, trug die Überschrift „Ein ganzes Leben für die Kunst.“ Dieses Leben ist nun zu Ende gegangen: Hedda Theen-Pontoppidan, die Nestorin der in Angeln tätigen Künstler, starb am vergangenen Freitag in ihrem Haus in Dollerup. Dort, in der umgebauten „Alten Dorfschmiede“ von Nordballig, lebte und arbeitete sie seit 1967, viele Jahre gemeinsam mit ihrem 2001 verstorbenen Ehemann Lutz Theen.

In Hamburg in eine großbürgerliche Kaufmannsfamilie geboren, wurde sie schon als Kind früh an die Kunst herangeführt. Entgegen allen gesellschaftlichen Gepflogenheiten besuchte sie die Landeskunstschule, konnte sich aber mit der dort vorherrschenden modernen Richtung nicht anfreunden. Daher wechselte sie zum dem in Langballig tätigen Maler Hans Holtorf (1899-1984) und absolvierte bei ihm eine fünfjährige Lehrzeit, in der sie ihren späteren Mann, ebenfalls Holtorf-Schüler, kennenlernte. Von 1937 bis 1938 ging sie nach München an eine private Kunstschule, um sich in Akt- und Porträtmalerei weiterzubilden. Zurückgekehrt ließ sie sich als freischaffende Kunstmalerin in Langballigholz nieder und heiratete 1940 Lutz Theen.

Nach dem Krieg standen Aufbau und Sicherung der Existenz im Vordergrund. Bilder waren damals Luxusartikel, die sich kaum jemand leisten konnte. Hedda Theen-Pontoppidan begann, alte Bauernmöbel farblich aufzuarbeiten, anfangs für den Eigenbedarf, später auch als Auftragsarbeit, um sich neben der Landschaftsmalerei ein zweites Standbein aufzubauen. Hinzu kamen das Bemalen von Fliesen und das kunstvolle Gestalten von Hutschachteln, Seekisten und sonstigen Möbelstücken.

Gegenstandslose Kunst war nicht ihr Fall. Für sie – und ihren Mann – galt immer als oberstes Gebot der Grundsatz: „Wir wollen die sichtbare Welt erkennen und darstellen“. So sehr sie sich dem impressionistischen Realismus verpflichtet fühlte, so sehr achtete sie andere künstlerische Ausdrucksformen. Ohne jede Einschränkung forderte sie grundsätzlichen Respekt vor jeder ernsthaften Betätigung in der Kunst.

Hedda Theen-Pontoppidan war eine vielseitig interessierte Frau und anspruchsvolle Gesprächspartnerin, jedoch ohne jede „künstlerische“ Überheblichkeit. Im Ersten Weltkrieg wohnte sie mit ihrer Mutter in Stormarn, lernte dort das Leben auf dem Lande kennen und Plattdeutsch sprechen. Die Stadt hatte seitdem keinen Reiz mehr für sie. Zwar unternahm sie viele Reisen durch ganz Europa, zuhause aber war sie später im Dorf Nordballig und in der dort gelebten Nachbarschaft, von der sie getragen wurde, als sie altersbedingt Hilfe bedurfte. Von Natur aus eher zurückhaltend, lebte sie in kleinem Kreis auf, war voller Humor und immer für eine Anekdote gut – und trank hin und wieder auch gern einen „Bommi“ mit.

Über ihre gering ausgeprägten hausfraulichen Fähigkeiten konnte sie sich selbst am meisten amüsieren. Geistig bis zuletzt hellwach, registrierte sie den Verfall ihrer körperlichen Kräfte ganz nüchtern. „Das ist schon frustrierend, aber nicht zu ändern.“ Nach einem leichten Schlaganfall litt sie besonders unter dem Verlust ihrer feinmotorischen Fähigkeiten. „Jeder Tag, an dem ich keinen Pinsel in der Hand habe, ist ein verlorener Tag“, meinte sie einmal.

Mit ihrem Tod hat die Landschaft Angeln („meine Wahlheimat“) einen allseits geachteten liebenswerten Menschen und eine auch in Fachkreisen hochangesehene Künstlerin verloren.




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