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Aus für Reiterhof : Abschied von den geliebten Pferden

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Familie Hornemann muss ihren Betrieb in Klein Bennebek aufgeben. Morgen kommen bei einer großen Auktion in der Reithalle 15 Tiere und weiteres Zubehör unter den Hammer.

Des einen Leid ist des anderen Freud. Die jungen Mitglieder des Reit- und Fahrvereins Bellevue und die Schüler der Kropper Geestlandschule, die im Schulsport regelmäßig auf der Reitanlage in Klein Bennebek geritten sind, werden sich die Augen ausheulen. Andere, vor allem viele Mädchen, fiebern dem morgigen Abend entgegen. Denn dann könnte für einige von ihnen der Traum vom eigenen Pferd wahr werden. Kirsten und Thomas Hornemann stellen ihren Reit- und Pensionsstall zum Monatsende ein. Nun muss sämtliches Reit-Equipment, für das dann kein Platz mehr da ist, veräußert werden. Sie laden daher morgen um 18 Uhr zu einer öffentlichen Verkaufsaktion in die Reithalle ein. Nicht nur Trensen, Satteldecken, Reitkappen, Putzzeug und vier Kutschen, die Thomas Hornemann bisher lenkte, kommen dabei unter den Hammer – auch insgesamt 15 Ponys und Pferde, darunter das Shetlandpony „Bellevue’s Magic“ und die beiden Koniks „Max“ und „Moritz“, auf denen zahlreiche Kinder ab vier Jahren in den vergangenen zwölf Jahren das Reiten gelernt haben.

Gesundheitliche und finanzielle Gründe haben zu diesem Entschluss geführt, sagt Kirsten Hornemann, die auch Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins Bellevue ist, dessen 120 Mitglieder die Anlage mit der größten Reithalle Schleswig-Holsteins bisher nutzten. Vor zwölf Jahren begannen Hornemanns auf dem Gelände, das zu dem Zeitpunkt noch eine Wiese war, mit einer privaten Stallgemeinschaft, aus der nach kurzer Zeit der Reithof und Pensionsstall entstand, denn „viele wollten mitmachen“, sagt Kirsten Hornemann. Also wurde nur knapp drei Monate später der Reit- und Fahrverein ins Leben gerufen, „um das Ganze rechtlich abzusichern“, sagt die 46-Jährige. Von da an galt: „Der Verein lebt vom Stall, und der Stall lebt vom Verein“, so Hornemann.

Der Verein wuchs, und seine Teams waren bei Turnieren und deutschen Meisterschaften erfolgreich, besonders in der Sparte „Mounted Games“, aber Pensionsstall und Reitbetrieb warfen kaum Gewinn ab. Da half es auch nichts, dass seit dem Schuljahr 2009/2010 die Kropper Grund- und Gemeinschaftsschule ihren Schülern ab der vierten Klasse anbot, im Rahmen des Schulsports dienstags, mittwochs und donnerstags in die Reitschule von Kirsten Hornemann zu gehen. Eine Kooperation, die auch ab der nächsten Woche „auf Eis gelegt“ werden muss, sagt Thomas Hornemann – nicht nur zu seinem eigenen Bedauern. „Wir sind sehr zufrieden gewesen mit der Arbeit von Familie Hornemann. Die Kinder haben ihre Ausflüge auf den Reitplatz sehr genossen“, sagt Maria-Rita Hauschildt, Leiterin der Ganztagsschule. Sie will versuchen, das Angebot für die Schüler zu erhalten, zur Not auch mit einem anderen Partner.

„Es rentiert sich einfach vorne und hinten nicht“, erklärt Thomas Hornemann die Schwierigkeiten des Reitstallbetriebs. Neben dem Umstand, dass immer mehr Gebäude von stillgelegten landwirtschaftlichen Betrieben in der Umgebung zu privaten Ställen umfunktioniert wurden, war vor allem der Bau der 80 Meter langen Reithalle vor sechs Jahren der Ausgangspunkt für einen defizitären Betrieb. Ihr Bau sollte einen ganzjährigen Reitbetrieb ermöglichen, der von vielen Reitern gewünscht wurde. Probleme bei der Statik und „Bürokratie“ verzögerten die Fertigstellung der Halle jedoch bis in den Dezember. So konnte der Reitplatz mehrere Monate nur eingeschränkt benutzt werden, und auch die Pferdehalter, die ihre Tiere zumeist von Oktober bis März in einen Stall einstellen, suchten sich andere Unterkünfte für ihre Vierbeiner. Die weitere Verzögerung im Anbau eines modernen Stalls führte zu weiteren Einbußen, bis im vergangenen Herbst Orkan „Christian“ endgültig ein finanzielles Fiasko heraufbeschwor. Hornemanns konnten die Pacht letztlich nicht mehr rechtzeitig bezahlen, ihr Vertrag wurde ihnen aufgekündigt. Der Versuch, mithilfe der Vereinsmitglieder eine Genossenschaft zu gründen und so den Fortbestand der Anlage für den Verein zu sichern, missglückte.

Für den Reit- und Fahrverein hofft das Ehepaar nun, dass der neue Pächter oder Käufer des Geländes den Betrieb der Reitanlage fortführt. Ob das eintritt, steht in den Sternen. Dagegen endgültig entschieden ist, dass Hornemanns den Hofbetrieb nicht weiterführen können. Die morgige Auktion fällt der Familie schwer, und Thomas Hornemann stellt klar: „Jedes Pferd und Pony ist mit Emotionen verknüpft, jedes hat seine eigene Geschichte. Wir werden aufpassen: Es wird hier nix verramscht – schon gar nicht ein Pony!“

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erstellt am 23.Sep.2014 | 11:15 Uhr

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