Nonnen in Schleswig : Abschied nach 65 Jahren

Verlassen als letzte Missionsschwestern Schleswig: Clemente, Christel und Ludgeris (von links).
Verlassen als letzte Missionsschwestern Schleswig: Clemente, Christel und Ludgeris (von links).

Nachwuchsmangel: Ordensschwestern verlassen Schleswig.

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07. Februar 2018, 07:00 Uhr

Dass sie gerne noch länger in Schleswig geblieben wären, daraus macht Schwester Clemente keinen Hehl. „Ja, es hätten ruhig noch ein paar Jahre mehr sein können“, sagt sie. Jetzt aber „ist es nun mal so.“ Und so wird sie gemeinsam mit ihren beiden Schwestern-Kolleginnen, Ludgeris und Christel, in den nächsten Tagen Koffer und Kartons packen, um der Schleistadt den Rücken zu kehren – und damit den Schlussstrich ziehen unter eine 65-jährige Geschichte. Ihr Konvent wird aufgelöst.

Im Juni 1952 wurde die Schwesternstation neben der katholischen St.-Ansgar-Kirche gegründet. Durch die vielen Flüchtlinge, die nach dem Krieg aus den Ostgebieten nach Schleswig-Holstein kamen, wuchs auch hier, in der sogenannten Diaspora, die Zahl der Katholiken spürbar an. Diese, so das Ziel der „Missionsschwestern vom heiligen Namen Marias“, sollten angemessen betreut werden. Unter anderem kümmerten sich die Schwestern um das Kinderheim, das lange neben der Kirche betrieben und später zu einem Kindergarten wurde. Sie halfen aber auch bei Gottesdiensten, machten Kranken- und Geburtstagsbesuche und kümmerten sich, so auch heute wieder, um Flüchtlinge. Und die Schwestern in ihren typischen Nonnenkleidern gehörten seitdem zum Schleswiger Stadtbild dazu, wie etwa Ancilla und Priscilla, die beide bis zum Jahr 2000 mehr als drei Jahrzehnte hier verbrachten.

„Leider hat unser Orden große Nachwuchssorgen. Deswegen werden wir nun zurückbeordert“, sagt die 80-jährige Clemente. Sie wird künftig gemeinsam mit Christel (77) in einem Altenpflegeheim in Meppen wohnen und arbeiten. Schwester Ludgeris geht in eine Einrichtung nach Wallenhorst bei Osnabrück, wo das Mutterhaus des Ordens liegt.

Der 84-Jährigen fällt der Abschied aus Schleswig besonders schwer. Zwar freut sich die gebürtige Münsterländerin, bald wieder in der Nähe ihrer Heimat (und damit ihrer Familie) zu leben. Aber ihre Aufgabe hier oben im Norden wird sie vermissen. Insbesondere, weil die gelernte Kinderkrankenschwester, die 2003 an die Schlei kam, schon jahrzehntelang im Antonius-Kinderheim in Kiel gearbeitet hat, das sie bis heute einmal pro Woche besucht. „Ich bin dort für viele Bewohner eine Bezugsperson. Da fällt es mir natürlich schwer zu gehen“, sagt sie, betont aber auch, dass sie ein Gelübde abgelegt habe und natürlich dem Ruf aus Osnabrück folge. Zumal sie sich auch gut einmal ausruhen könne. Das habe es in ihrem Leben bislang nicht oft gegeben.

Dennoch wollen und werden alle drei Schwestern sich auch in ihren künftigen Stationen weiter so gut wie möglich einbringen. Ihre Aufgaben, die sie in Schleswig erledigt haben, werden künftig in erster Linie von Ehrenamtlern aus den Reihen der katholischen Kirche fortgeführt, etwa die Deutschkurse für Flüchtlinge. „Ich habe keine Sorge, dass das nicht klappt“, sagt Schwester Clemente.

Am Sonntag, 18. Februar, werden die drei Missionsschwestern von Weihbischof Horst Eberlein aus Hamburg in einem Gottesdienst ab 11 Uhr feierlich verabschiedet. Im Anschluss gibt es einen Empfang im Gemeindehaus.

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