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Mit dem Bauern durchs Jahr : Abschalten und Kräfte tanken

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wenn das Jahr zu Ende geht, wird es auch auf dem Lorenzenhof spürbar ruhiger. Dann ist genügend Zeit für eine Menge Theater.

von
erstellt am 28.Dez.2013 | 17:00 Uhr

Und wieder ist ein Jahr vorbei. Zwölf Monate, 52 Wochen, 365 Tage. „Wahnsinn, wie schnell das immer geht“, sagt auch Sabine Lehmann. Gemeinsam mit ihrem Mann Matthias blickt sie auf ein gutes Bauern-Jahr zurück. Alle sind gesund, die Ernte war gut – das ist das Wichtigste. Dass es auch anstrengende Zeiten gab in diesem Jahr, das gehört auf dem Lorenzenhof – wie wohl auf jedem landwirtschaftlichen Betrieb – einfach dazu. Jetzt aber, im Dezember, haben die Lehmanns genügend Zeit, um neue Kraft zu tanken für den nächsten Jahreszyklus, der sicherlich an kaum einem anderen Ort so sehr das Leben und das Tagespensum bestimmt, wie auf einem Bauernhof.

Und so wird es, während dieses Jahr langsam ausklingt, auch auf dem Lorenzenhof spürbar ruhiger. „Die Tiere sind alle wieder in den Ställen. Wir versorgen sie natürlich täglich, aber auf den Feldern und auf dem Hof gibt es im Moment ansonsten nicht mehr so viel zu tun“, sagt Matthias Lehmann. Die Maschinen sind längst winterfest und trocken in der Scheune untergestellt, die Schäden, die Orkan „Christian“ am Dach des Jungviehstalls hinterlassen hat, sind beseitigt, der Hofladen hat bis 6. Januar seine Türen geschlossen, alle Gänse sind verkauft. Auch das Kartoffellager ist längst für die frostigen Tage gerüstet. „Damit wir bis Mai schöne, leckere Kartoffeln haben, halten wir die Temperatur im Lager mit ein paar Tricks immer zwischen vier und sechs Grad. Kälter darf es nicht werden, dann würden die Kartoffeln Zucker einschießen und zu süß werden“, erklärt Matthias Lehmann.

Umso süßer sind jedoch die Plätzchen und Kuchen, die es in der Weihnachtszeit auf dem Lorenzenhof zur Genüge gibt. Denn nicht nur Sabine Lehmann backt sehr gerne. Auch einige der Mitarbeiter, die auf dem Hof leben, stehen im Dezember gern mit in der Küche. „Wir alle kommen in diesen Tagen etwas zur Ruhe und machen mal Dinge, für die man sonst nicht so viel Zeit hat“, sagt die gelernte Hauswirtschafterin.

Zu diesen Dingen gehört auf dem Lorenzenhof in der Weihnachtszeit auch eine echte Besonderheit: Das „Oberuferer Christgeburtsspiel“. Peter Lorenzen, der den Hof vor gut 20 Jahren an die Lehmanns verpachtete, hatte einst die Idee eines Lehrlings aufgegriffen und das historische Theaterstück gemeinsam mit einigen Berufskollegen in der Scheune aufgeführt – erstmals 1983. Seitdem ist dieses etwas andere Krippenspiel zu einer festen Einrichtung im Kalender des Lorenzenhofes geworden, und viele Familien aus der ganzen Region kommen regelmäßig am vierten Adventswochenende nach Langballig, um sich – auf Strohballen sitzend und gewärmt durch dicke Decken und Fliederbeerpunsch – gemeinsam auf das Weihnachtsfest einzustimmen. Auch dieses Mal war die Scheune wieder voll.

Bis heute ist Peter Lorenzen als Spielleiter dabei. Auch Sabine und Matthias Lehmann gehören längst zum festen Ensemble. Zwar wird jedes Jahr dasselbe Stück gezeigt. Dafür werden aber die Rollen möglichst oft umbesetzt. „Die Proben sind manchmal zwar anstrengend, aber sich mit dem Stück und den Texten auseinanderzusetzen, das hat etwas ganz Spezielles. Man blendet dabei all den anderen Stress aus und kommt irgendwie zur Ruhe“, sagt Sabine Lehmann. Ihr Mann, der in diesem Jahr die Rolle des „groben Wirtes“ übernehmen durfte, fasst all das mit dem Begriff „Gegengewicht“ zusammen.

„Es ist nicht so, dass uns hier langweilig wird und wir deshalb Theater spielen“, betont der Bio-Landwirt. Das „Christgeburtsspiel“ gehöre einfach zum Jahr auf dem Hof dazu – so wie die Saat im Frühjahr und die Ernte im Spätsommer. Es bildet sogar seinen Abschluss. Und was für das Theater gilt, das gilt auch für das gesamte Hofleben. „Wir lernen jedes Jahr etwas Neues dazu. Und wir wollen es jedes Jahr ein Stück weit besser machen. Dass wir dabei in unseren Entscheidungen frei sind, das macht unseren Beruf so schön.“

 

 

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