A.P.-Møller-Schule : Abi mit Albig

Ministerpräsident Torsten Albig ermunterte die Abiturienten an der A.P.-Møller-Schule zum eigenständigen Denken.
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Ministerpräsident Torsten Albig ermunterte die Abiturienten an der A.P.-Møller-Schule zum eigenständigen Denken.

Ministerpräsident Torsten Albig gratulierte am Donnerstag den Abiturienten an der dänischen A.P.-Møller-Schule in Schleswig.

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03. Juli 2015, 07:46 Uhr

Nach zweieinhalb Stunden, in denen Torsten Albig die meiste Zeit still auf seinem Stuhl in der ersten Reihe saß und Reden in dänischer Sprache lauschte, durfte der Ministerpräsident kraftvoll zubeißen. Bjarne Raab, frisch gebackener Abiturient der A.P.-Møller-Schule, hielt dem Politiker seine weiß-rot-schwarze Studentenmütze vors Gesicht und erklärte ihm den alten dänischen Brauch: Dem Besitzer der Mütze bringt es Glück, wenn jemand hineinbeißt. Für den Beißenden ist es eine Ehre. Albig zögerte keine Sekunde.

Genau so spontan hatte er zugesagt, als Jørgen Kühl, der Direktor der A.P.-Møller-Schule ihn vor einiger Zeit fragte, ob er zur Abschlussfeier der diesjährigen Abiturienten nach Schleswig auf die Freiheit kommen würde. Mit seinem Besuch erinnerte Albig auch an die Bonn-Kopenhagener-Erklärungen, die in diesem Jahr 60 Jahre alt geworden sind. Sie sind die Grundlage für das Abitur an der A.P.-Møller-Schule, das in Deutschland und Dänemark gleichermaßen anerkannt ist. In ihnen ist das System der dänischen Schulen im nördlichen Schleswig-Holstein und der deutschen Schulen im südlichen Dänemark geregelt. Der Oberstufen-Unterricht an der A.P.-Møller-Schule läuft genau so ab wie an Dom- oder Lornsenschule – nur die Sprache ist eine andere. Selbst die Zentralabitur-Aufgaben aus dem Kieler Bildungsministerium werden ins Dänische übersetzt.

Albig erinnerte daran, dass es auch nach Unterzeichnung der Bonn-Kopenhagener Erklärungen noch viele Jahre lang unvorstellbar war, dass ein deutscher Ministerpräsident auf einer dänischen Abschlussfeier spricht. Heute sei das Miteinander von Mehrheits- und Minderheitsbevölkerung selbstverständlich. „Das ist in vielen Teilen der Welt und Europas noch völlig unbegreiflich, in der Ukraine, in Serbien, in Kenia und Somalia.“ Albig appellierte an die Schüler, dies nicht zu vergessen, wenn sie zum Beispiel Flüchtlingen aus Syrien begegnen, die dort ihrerseits Minderheiten angehörten und „sich nichts sehnlicher wünschen, als eine Heimat zu finden“.

Die A.P.-Møller-Schule, darauf wies Henrik Becker-Christensen, der dänische Generalkonsul in Flensburg, hin, sei trotz ihrer noch jungen Jahre inzwischen in Dänemark wie in Schleswig-Holstein weithin bekannt. Tatsächlich reicht ihre Anziehungskraft weit über das unmittelbare Schleswiger Umland hinaus. Die beiden Abiturienten Mariam Burmester aus Silberstedt und Jannik Wiggers aus Rendsburg beschrieben in ihrer Rede, wie die Schüler aus den unterschiedlichen Teilen des Landesteils Schleswig zu einer Jahrgangsgemeinschaft zusammenwuchsen.

Jetzt werden sich ihre Wege trennen. Bjarne Raab, dem der Ministerpräsident in die Mütze gebissen hatte, konnte nicht verhehlen, dass dabei auch etwas Wehmut im Spiel ist. „Diese Schule hat uns geprägt. Das begreift man erst jetzt. Vieles hat man vorher einfach als Alltag wahrgenommen.“

88 Schüler haben an der A.P.-Møller-Schule das Abitur abgelegt. 87 von ihnen trugen gestern die traditionellen dänischen Studentenmützen. Nur einer verweigerte sich der vorgeschriebenen Kleiderordnung. Zu reaktionär sei das, fand er. Direktor Jørgen Kühl händigte ihm das Zeugnis trotzdem aus. Albig müsste das eigentlich gefallen haben. Er hatte die jungen Leute in seiner Rede zum eigenständigen Denken aufgefordert: „Menschen, die nur wiedergeben, was andere sagen, haben wir in unserer Zeit genug.“

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