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Durchschnittsalter lag bei 75 Jahren : Abgesang auf einen Chor

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Männergesangverein Berend von 1889 hat sich aufgelöst.

„Dann mach’ ich jetzt Schluss“, sagte Bernhard Albrecht wenige Minuten nach der offiziellen Auflösung des „Männergesangvereins Berend von 1889“ (MGV), den er seit 2007 als Vorsitzender geführt hatte. Ihm fiel es sichtlich schwer, die zweite außerordentliche Sitzung in diesem Jahr im Berender Dörpshuus zu schließen – denn sie war zugleich die letzte. 127 Jahre nach der Gründung des Männerchors hatten die 13 aktiven Sänger mit elf Stimmen bei zwei Enthaltungen für die Auflösung gestimmt und die erforderliche Mehrheit von 80 Prozent mehr als erreicht.

Diese Entscheidung hatte sich schon seit längerem abgezeichnet. Seit 2015 konnte der vierstimmige Chor aufgrund von Krankheitsfällen nicht wie gewohnt mit voller Besetzung auf Geburtstagen und Jubiläen das traditionelle Ständchen singen. „Auf einer Goldenen Hochzeit mit nur acht Mann zu singen, darf nicht passieren“, meinte Albrecht. Mindestens zwölf Sänger – drei pro Stimme – müssten es sein. Doch nicht nur die festen Termine hätten sie zuletzt nur mit Mühe wahrnehmen können, „auch die Teilnahme bei den Übungsabenden war mitunter schwach“, sagte er.

Eine Abstimmung bei einer ersten außerordentlichen Sitzung im Juni diesen Jahres hatte ergeben, dass nur noch zehn Sänger weiter machen wollten. Im Anschluss geführte Fusionsgespräche mit anderen Gesangvereinen führten zu keinem Ergebnis. Der zeitgleiche Versuch, den Chor durch neue Mitglieder zu verjüngen – die Sänger hatten zuletzt ein Durchschnittsalter von 75 Jahren – scheiterte, da sich auf einen im August im Ort verteilten Flyer keine Interessenten gemeldet hatten.

Dies bedauerte auch Chorleiter Oliver Brendicke, der die Funktion seit 2013 innehatte. Dass Termine abgesagt werden mussten, sei zermürbend gewesen, sagte er. Er habe immer gehofft, dass sich eine Lösung für den Mitgliederschwund finden würde, schließlich „ist Singen sehr gesund und hält die Gehirnzellen wach“. Er lobte die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Chor, dessen Auflösung traurig sei. „Doch für die Sänger gibt es die Möglichkeit, in anderen Vereinen zu singen“, schloss er.

1889 war mit der Berender Liedertafel der Vorläufer des Chors gegründet worden. Dessen Arbeit kam durch den Ersten Weltkrieg zum Erliegen, erst 1924 kam es zur Wiederaufnahme unter dem neuen Namen Männergesangverein Berend. Allerdings kam es durch den Zweiten Weltkrieg erneut zu einer Pause. 1948 ließen 18 Sänger den Verein wieder aufleben, der vor zwei Jahren sein 125-jähriges Bestehen mit einem Chorkonzert feierte. Der letzte Festakt war vor wenigen Tagen, als Hans-Heinrich Jacobsen für seine 60-jährige Chormitgliedschaft geehrt wurde.

Kurz vor Jahresende galt es nun, das Eigentum des Chores aufzuteilen. Alte Protokollbücher möchte Bernhard Albrecht dem Kreisarchiv übergeben. „Das nimmt nur flache Sachen an, daher wird unsere Fahne ein großes Problem sein“, meinte er. Derzeit ist sie im Dörpshuus untergebracht, soll dort aber nicht bleiben. „Wenn einer von euch sie möchte, kann er sie haben“, sagte er. Noten könne jeder welche mitnehmen. Derzeit wird noch überlegt, vom Geld in der Kasse einen Gedenkstein für den MGV anzuschaffen. Der Rest solle laut Albrecht an die Gemeinde gehen, die den Chor immer unterstützt habe und das Geld dem Kindergarten geben wolle.

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