Warten auf die Telekom : Abgehängt: Seit Weihnachten ist Familie Lausen ohne Anschluss

Kein Anschluss: Walter Lausen ist ratlos.
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Kein Anschluss: Walter Lausen ist ratlos.

Zahlreiche Anrufe bei der Telekom, doch das Telefon ist immer noch tot – das wird sich so schnell nicht ändern.

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19. Mai 2018, 15:00 Uhr

Silberstedt | „Ich kann dieses rosarote Panther-Lied nicht mehr hören.“ Walter Lausen ist giftig. Seit Weihnachten ist der selbstständige Unternehmer und Landwirt ohne Festnetzanschluss – „Der ist tot“ – und noch viel schlimmer: Trotz aller Bemühungen „ist es uns noch immer nicht gelungen, mit jemandem persönlich zu sprechen, der einen Überblick hat, der uns sagen kann, woran genau es liegt – geschweige denn, wie es weitergeht, und wann wir wieder telefonieren können.“

Stattdessen werden seine Frau Birgit und der zunehmend verzweifelte Walter Lausen am Handy von Callcenter zu Callcenter gereicht – „Wirklich. Diese Pink-Panther-Musik. Alles rosarot bei denen!“ Mal landen die Hilfesuchenden bei Mitarbeitern in Münster, „mal in München, gern auch Frankfurt oder Berlin. Alle immer sehr freundlich“ – und nach demselben Schema bemüht: Liegt es am Router? Nein. Oder am Splitter? Nein. „Dann liegt es wohl irgendwie an der Leitung.“ Genau. „Ende März war endlich ein Techniker hier. Wieder sehr freundlich. Der hat bestätigt, dass die Leitung kaputt ist. Das hätte ich ihm auch so sagen können.“

Monatliche SMS

Seitdem: nichts. Keine Informationen – abgesehen von standardisierten Nachfragen des Unternehmens, ob die Lausens mit dem Service und der Freundlichkeit der Mitarbeiter zufrieden seien – „Ja, alle immer sehr freundlich, wie gesagt.“ Ansonsten gibt es noch diese SMS-Nachrichten, die regelmäßig, etwa einmal im Monat auf Walter Lausens Handy auflaufen: „Sehr geehrter Kunde, wir sind dabei die von Ihnen gemeldete Störung zu beheben (...) aufwendiger als gedacht (...). Wir brauchen noch etwas Zeit...“

Vor dem Haus gibt es Empfang

Die Lausens sitzen am Küchentisch und wundern sich „Ja, wie viel Zeit brauchen sie denn noch?“ Seit einem halben Jahr behilft sich das Ehepaar mit dem Mobiltelefon des Landwirts, auf das die Telekom den defekten Festnetzanschluss inzwischen umgeleitet hat. Das jedenfalls. Und dennoch: „Man ist abgeschnitten.“ Birgit Maihack-Lausen berichtet, wie sie als Lehrerin viel zu schwer erreichbar ist. Wenn „mein Mann auf dem Trecker unterwegs ist, hat er sein Handy natürlich dabei. Da bekomme ich nichts mit“.

Und Walter Lausen seinerseits, hat mit dem schlechten Empfang im Telekom-Netz zu kämpfen. „Das ist desolat.“ Eine Ecke draußen vorm Haus hat er gefunden. „Da läuft es ganz gut.“ Bei Wind und Wetter, „mit Jacke und manchmal auch Regenschirm“ zieht er sich dorthin zurück, wenn es gilt, längere – zumeist geschäftliche – Gespräche zu führen. Was allerdings die Internetverbindung und die Arbeit am PC betrifft, kommt das Handy endgültig an seine Grenzen. Im Haus läuft kaum etwas, die Datenverbindung ist wackelig. Die Lausens haben die Computerarbeit im weltweiten Netz quasi aufgegeben. „Sicherheits-Updates können wir ohnehin nicht runterladen. Das Volumen ist viel zu groß.“

Wie wird es weitergehen? Irgendwo zwischen Verzweiflung, Wut und Hilflosigkeit wuchs Anfang Mai ein bisschen Hoffnung, als es im Dorf hieß, dass es in Kürze am Bahnübergang ein paar Meter weiter die Straße entlang Erdarbeiten geben werde. „Da“, meint Walter Lausen, „könnte die Leitung beschädigt sein.“ Aber dann kam sie wieder, diese monatliche SMS „Sehr geehrter Kunde. (...) brauchen noch etwas Zeit“.

Telekom benötigt Genehmigung der Bahn für Arbeiten

Erstaunlich, denn nach einer Anfrage von sh:z bei der Deutschen Telekom AG steht inzwischen fest, dass es mit „ein bisschen Zeit“ nicht getan sein wird. In einer Mitteilung des Unternehmens heißt es: „Hier müssen wir ein defektes Kabel unterhalb einer Bahntrasse austauschen. Dafür benötigen wir Genehmigungen (...), da durch die Arbeiten der Schienenverkehr weder gestört noch gefährdet werden darf. Insofern können wir in diesem Fall kurzfristig keine Verbesserung für den Kunden in Aussicht stellen.“ Walter Lausen zuckt auf diese Nachricht die Schultern. „Ja, so hab’ ich mir das gedacht. Das hätten sie uns schon vor drei Monaten mitteilen – und vielleicht eine andere Lösung anbieten können.“

Immerhin habe es auf der vergangenen Monatsabrechnung eine Gutschrift gegeben. Wie sich die zusammensetze, das versteht Lausen zwar nicht. Aber: „Anrufen tun wir jetzt nicht mehr. Wir kommen gegen diesen Moloch Callcenter nicht an.“

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