Süderfahrenstedt : „Ab sofort gibt es eine Opposition“

Während der Sitzung der Gemeindevertretung Süderfahrenstedt präsentieren die Kinder die gesammelten Unterschriften für die Sanierung des Bolzplatzes.
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Während der Sitzung der Gemeindevertretung Süderfahrenstedt präsentieren die Kinder die gesammelten Unterschriften für die Sanierung des Bolzplatzes.

Unzufriedene Bürger gründen die „Aktive Wählergemeinschaft Süderfahrenstedt".

shz.de von
07. Juli 2015, 17:05 Uhr

Bisher hielt die Kommunale Wählergemeinschaft in Süderfahrenstedt alle neun Sitze der Gemeindevertretung besetzt. Jetzt gibt es Konkurrenz. Verantwortlich dafür ist Gemeindevertreter Lars Jeß, der Ende Januar für den aus der Gemeindevertretung ausgeschiedenen Hendrik Hansen nachgerückt war. Mit den Worten „Ab sofort gibt es eine Opposition im Dorf“, verkündete Jeß auf der jüngste Sitzung der Gemeindevertretung, dass er aus der Kommunalen Wählergemeinschaft ausgetreten sei und sich der „Aktiven Wählergemeinschaft Süderfahrenstedt“ anschließen werde, die vor wenigen Wochen gegründet worden war.

In der Kommunalpolitik der Gemeinde gärt es schon seit Längerem. Zwar verstanden sich die gewählten Vertreter bisher gut untereinander, aber Teile der Einwohner äußerten sich kritisch zu ihren Beschlüssen oder deren Umsetzung. Begonnen hatte der Unfriede vor der Errichtung der beiden großen Windkraftanlagen beim Wasserwerk, die letztlich durch einen Bürgerentscheid abgenickt wurde. Die Gemeindevertretung teilt seitdem die Proteste gegen zu laute Rotorblätter. Leisere Rotoren sind derzeit in der Erprobung und könnten gegen Jahresende eingebaut werden.

Doch die Protestwelle hatte sich zwischenzeitlich ausgeweitet. Mal ging es um ein beantragtes Sackgassen-Schild, das nicht aufgestellt wurde, mal um eine „Zone 30“, die nicht ernsthaft genug verfolgt worden sein soll. Immer wieder war auch der Spielplatz Gegenstand der Kritik: Längst hätte aus Sicherheitsgründen etwas passieren müssen, denn der seit einem Sturm fehlende Ballfangzaun gefährde Kinder wie Autofahrer, hieß es von Seiten der neuen Wählergemeinschaft um Nils Matthiesen und Maike Asmus. Für ihre Forderung erhielten sie auf der jüngsten Sitzung ungewöhnliche Unterstützung: Unter den Zuhörern saßen Kinder, die von Haus zu Haus gelaufen waren und Unterstützer für ihren Platz gesucht hatten. Nun präsentierten sie die Unterschriften. Zudem boten Johann Thomsen und Barbara Matthiesen an, die Arbeiten mit einer Spendenaktion zu unterstützen.

Nun hatte Bürgermeister Heinrich Mattsen eine gute Nachricht: Die Finanzierung der Arbeiten ist gesichert, da die Gemeinde in diesen Tagen Steuereinnahmen über 10  900 Euro aus der Windkraft erwartet. Die Vertreter beschlossen einstimmig, 8000 Euro in Tore und zwei Ballfangzäune auf dem Spielplatz zu investieren. Trotz dieser Lösung sei die hohe Zahl an Zuhörern ein Zeichen dafür, dass im Dorf „irgendwas nicht stimmt“, meinte Nils Matthiesen. Ute Clausen hielt dagegen, dass sie in 40 Jahren noch nicht erlebt habe, dass demokratisch gewählte Vertreter „an den Pranger gestellt und im Netz vorgeführt“ würden und forderte eine Rückkehr zum Miteinander im Dorf.

Diese Einigkeit erzielten die Vertreter in zwei weiteren Punkten: Sie beschlossen, die Finanzierung eines hydrologischen Gutachtens für eine mögliche Renaturierung des Lüngmoors zu beantragen. Und bevor eine neue Schmutzwasserpumpe gekauft wird, soll zunächst mit Leihgeräten getestet werden, welches sich am besten eignet. Auch weitere Umbesetzungen erfolgten zwar mit Gegenkandidaten, aber ohne Probleme. Als Nachfolgerin für Lars Jeß, bisher bürgerliches Mitglied im Bauausschuss, rückte Astrid Kristensen nach. Zum Vorsitzenden gewählt wurde Lars Kristensen. Aus der Einwohnerschaft wurde Rosi Buss in den Jugend- und Kulturausschuss gewählt.

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