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Helmut Gebhardt aus Taarstedt : 90. Geburtstag an Silvester – aber ohne „Dinner for one“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mit seiner Familie und Freunden feiert Helmut Gebhardt aus Taarstedt heute nicht nur Silvester, sondern auch runden Geburtstag.

Wie alle anderen auch wird Helmut Gebhardt im Taarstedter Ortsteil Westerakeby am Silvestertag das Jahr ausklingen lassen. Heute wird dies aber ein besonderer Tag sein, denn der über lange Zeit weit über die Grenzen seiner Gemeinde bekannte Musiker vollendet sein 90. Lebensjahr. „Von meinem Geburtstag an Silvester haben meine Familie und ich selten was gehabt“, sagt der Jubilar rückblickend. In diesem Jahr aber wird Tochter Rena, Inhaberin des Fischrestaurants Schleimöwe auf dem Holm in Schleswig zu Ehren ihres Vaters trotz Silvesters eine kleine Feier vorbereiten. Für Helmut Gebhardt wird es heute also kein „Dinner for one“, wie in der gleichnamigen Fernsehsendung, die jedes Jahr an Silvester im Dritten ausgestrahlt wird.

Geboren zum Jahresausklang 1926 in Alt-Kemnitz im Riesengebirge trat Gebhardt bereits als 15-Jähriger eine knapp dreijährige Musikerlehre bei Otto Wagner im schlesischen Lauban an. Über diese Zeit erzählt der Jubilar: „ Die Lehre waren kein Zuckerschlecken. Wir lernten nach Noten zu spielen, haben aber auch nach Noten Dresche bekommen! Wir haben aber auch viel gelernt, schließlich musste mein Vater 25 Mark monatliches Lehrgeld plus 5 Mark Klaviermiete bezahlen.“

Helmut Gebhardt gründete 1986 das Salonorchester Westerakeby, das er bis zum Jahr 2000 leitete.
Helmut Gebhardt gründete 1986 das Salonorchester Westerakeby, das er bis zum Jahr 2000 leitete. Foto: gks
 

Nur noch 42 Kilogramm wog der 18-Jährige als er 1945 schwerverwundet in Brekling bei Schleswig aus dem zwangsweisen Kampf um und für das Vaterland entlassen wurde. Aber kaum genesen ließ ihn die Musik nicht mehr los und er trat in die 1934 von seinem späteren Schwiegervater Lydi Wollesen gegründete Feuerwehrkapelle Westerakeby ein. Neben seinem späteren Hauptberuf als Mitarbeiter einer Versicherung und Vater von drei Töchtern spielten Schwiegervater und -sohn viele Jahre gemeinsam zu Dorf- und Vereinsfesten sowie Familienfeiern im weiten Umkreis zum Tanz auf. Nach Ablegung der C-Prüfung für Organisten beim Schleswiger Domorganisten Professor Uwe Röhl umrahmte Gebhardt auch noch von 1958 bis 1974 musikalisch die Gottesdienste in den Kirchen von Kahleby und Moldenit. Im Jahr 1968 wartete dann eine neue Herausforderung auf den Musiker. Er übernahm von Lydi Wollesen die musikalische Leitung der Feuerwehrkapelle seiner mittlerweile Heimatgemeinde im Taarstedter Ortsteil Westerakeby.

Verbunden damit war eine für die damalige Zeit wohl Einmaligkeit, zumindest im nördlichen Schleswig-Holstein: Erstmals durften auch Frauen den blauen Feuerwehrrock in Westerakeby anziehen und mitmusizieren. Ebenso neu war auch, dass zahlreiche Jugendliche in den nächsten Jahren dazu stießen, die Gebhardt mit großem Engagement persönlich ausbildete. Den von James Last kreierten Big-Band-Sound verstand Helmut Gebhardt ebenso zu vermitteln wie die klassischen Stücke der traditionellen Blaskapellen. So führte der musikalische Erfolg das in Feuerwehrmusikzug umbenannte Orchester unter anderem als Vertreter des Landes Schleswig-Holstein nach Berlin oder für den Kreis Schleswig-Flensburg nach Kopenhagen. Sein persönlicher Höhepunkt war aber, seinen norddeutschen Kameradinnen und Kameraden das Heimatlied der Riesengebirgler beigebracht zu haben.

Mit Eintritt in den Ruhestand erfüllte sich der beliebte Musiker dann noch einen weiteren Lebenstraum. Er gründete mit dem Salonorchester Westerakeby 1986 die erste Musikgruppe in Schleswig-Holstein, die sich der Wiener Kaffeehausmusik verschrieben hat. Auch heute nach 30 Jahren treffen sich immer noch begeisterte Musiker aus der näheren und weiteren Umgebung von Taarstedt, um diesem ungewöhnlichen musikalischen Hobby zu frönen.

Die Liebe zur Musik hat der Jubilar aber auch an die nächste Generation weitergegeben. Als jüngste der drei Töchter spielt Meike Gebhardt nicht nur zahlreiche Instrumente; sie leitet wie ihr Vater früher auch einen Musikzug, allerdings in Nordfriesland.

Schweren Herzens hatte Gebhardt aus gesundheitlichen Gründen die Musik in der Öffentlichkeit aufgeben müssen. Heute spielt er nur noch Klavier „für den Hausgebrauch“. Allerdings hat er dafür jetzt Zeit, seinen Geburtstag auch mit der Familie zu feiern. Denn, so erinnert er sich: „Früher waren die musikalische Begleitung und das Aufspielen zum Tanz für uns Berufsmusiker zum Tanz in den Mai und an Silvester die bestbezahlten Auftritte.“

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