Fehlalarm : 894 Euro, weil der Rauchmelder piepte

Jessica und Mike Dalbek: Der Rauchmelder im Schlafzimmer schlug Alarm, während sie einen Tag am Strand verbrachten. Foto: oje
Jessica und Mike Dalbek: Der Rauchmelder im Schlafzimmer schlug Alarm, während sie einen Tag am Strand verbrachten. Foto: oje

Als Familie Dalbek aus Schleswig nicht zu Hause war, rief eine Nachbarin die Feuerwehr. Leider ein Fehlalarm - und teuer.

shz.de von
14. November 2011, 04:17 Uhr

Schleswig | Es war ein sonniger Juni-Sonntag, den Jessica und Mike Dalbek mit ihrer kleinen Tochter am Strand in Eckernförde verbrachten. Als sie am Abend nach Hause kamen in ihre Mietwohnung am Brautsee, erzählte ihnen eine Nachbarin: Die Feuerwehr war da. Denn aus dem Schlafzimmer der Dalbeks war ein lautes Piepen gedrungen. Die Nachbarin hatte vorsichtshalber zum Telefon gegriffen und die "112" gewählt.
Es war ein Fehlalarm, wie ihn Rauchmelder immer wieder einmal auslösen, sei es, weil sie mit einer Staubwolke in Berührung kommen oder mit Mücken. Die Dalbeks hatten den Vorfall schnell vergessen. Bis vor wenigen Tagen. Da fand Mike Dalbek ein Schreiben der Stadt Schleswig im Briefkasten. Eine Rechnung über 894 Euro für den "Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr Schleswig - Fehlalarm ausgelöst durch Rauchmelder". Der Fachdienst Ordnung schlüsselte penibel auf, wie sich der Betrag zusammensetzt: 281 Euro für den Leiterwagen, 282 Euro für zwei weitere große Löschfahrzeuge, 31 Euro für den Kommandowagen und 300 Euro für den Einsatz von 20 Feuerwehrleuten.
Familie Dalbek ist kein Einzelfall
Der Rechtsanwalt, an den die Dalbeks sich wandten, dachte an ein Missverständnis, das sich schnell aufklären lässt, an ein maschinell erstelltes und versehentlich verschicktes Schreiben, das man im Rathaus schnell zurückziehen würde.
Aber so ist es nicht. "Es ist im Bereich des Möglichen, dass die Rechnung gänzlich zurückgezogen wird", teilte die Stadtverwaltung auf shz-Nachfrage mit. Bis dahin seien aber rechtliche Unsicherheiten zu klären. Was der Familie Dalbek widerfahren ist, ist kein Einzelfall. Seit Jahresbeginn sind Rauchmelder in schleswig-holsteinischen Mietwohnungen Pflicht. Seither kommt es allein im Schleswiger Stadtgebiet im Schnitt einmal im Monat vor, dass die Freiwillige Feuerwehr ausrücken muss und feststellt, dass es sich einen Rauchmelder-Fehlalarm handelt. "Die deutliche Zunahme dieser Fehlalarme ist eine erhebliche Belastung für die Wehren", sagt Rathaus-Sprecherin Antje Wendt.
"Wenn es nach mir ginge, bräuchten wir diesen Rauchmelder gar nicht"
Wie damit umzugehen ist, war in dieser Woche Gesprächsthema bei einem Treffen von Ordnungsamtsleitern aus ganz Schleswig-Holstein. Sie suchten nach Wegen, die Zahl der Fehlalarme zu reduzieren, und sie diskutierten auch die Frage der Gebühren. Dies wird in den Kommunen unterschiedlich gehandhabt. Viele ländliche Gemeinden verschicken nach Rauchmelder-Fehlalarmen keine Rechnungen. Städte wie Schleswig mit relativ großen Freiwilligen Feuerwehren haben in der Regel Gebührensatzungen, auf deren Basis ein Fehlalarm durch eine "Brandmeldeanlage" kostenpflichtig ist. Noch ist nicht endgültig geklärt, ob es sich bei schlichten Rauchmeldern, wie sie in Mietwohnungen üblich sind, um Brandmeldeanlagen handelt. Davon hängt ab, ob die Stadt Schleswig den Gebührenbescheid an das Ehepaar Dalbek zurücknimmt.
Dass die Feuerwehr mit fünf Fahrzeugen und 20 Mann anrückte, findet Jessica Dalbek zwar kurios, kann es aber letztlich verstehen: "Natürlich können sie vorher nicht wissen, ob sie es vielleicht doch mit einem größeren Brand zu tun haben." Aber sie sagt auch: "Wenn es nach mir ginge, bräuchten wir diesen Rauchmelder gar nicht. Jetzt werden wir dafür bestraft, dass unser Vermieter ihn vorschriftsmäßig angebracht hat."
Hätten die Feuerwehrleute in der Wohnung tatsächlich etwas zum Löschen gefunden, wäre ihre Einsatz übrigens kostenlos gewesen. Anders als bei einem Fehlalarm werden im Ernstfall keine Gebühren fällig. Mit dieser Regelung wolle man "die Hemmschwelle niedrig halten, um schlimmeren Schaden zu vermeiden", heißt es in der Stadtverwaltung. "Das erreicht man nur, wenn die Bürger keine Kosten zu befürchten haben."

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