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Husyberin plötzlich Kundin bei Eon Energy : 7000 Euro Rechnung für nie verbrauchten Strom

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Gabriele Hinz aus Husby wird wie aus heiterem Himmel Kundin von Eon Energy und wehrt sich monatelang erfolglos gegen Rechnungen. Jetzt lenkt der Versorger ein.

Husby | Gabriele Hinz hat gut lachen – endlich. Denn nachdem die 56-Jährige aus Husby monatelang mit dem Stromversorger Eon Energy wegen höchst merkwürdiger Rechnungen vergeblich gekämpft hatte, hat die nervenaufreibende Kommunikation endlich ein Ende. Zwei Anrufe der Redaktion beim Unternehmen – und plötzlich war alles ein Missverständnis. Warum nicht gleich so?

„Ick kann’s kaum globen“, sagt sie noch etwas ungläubig. „Wie jeht dit so plötzlich?“ Die Überraschung der Frau mit der Berliner Schnauze ist echt, als sie erfährt, dass nach unzähligen Telefonaten mit Callcentern, Servicestellen, vielen Briefen, Einschreiben, kopierten Abrechnungen und mindestens ebenso viel Verärgerung endlich Ruhe einkehren soll.

Das Theater begann am 19. März 2015 mit einem Schreiben. „Herzlich willkommen bei Eon Energy Deutschland – Ihre Vertragsbestätigung.“ Fortan sollten monatlich 70 Euro Abschlag gezahlt werden. Gabriele Hinz war überrascht. Mit Eon hatte sie noch nie zu tun gehabt, geschweige denn irgendeinen Vertrag abgeschlossen. Und schon gar nicht für ihr Haus in Großsolt, aus dem sie nach 20 Jahren schon Ende 2011 ausgezogen war und das seit Februar 2012 vermietet ist. „Übrigens an eine Mieterin, die seit eh und je bei Yellostrom Kundin ist“, sagt Hinz.

Als das Schreiben auf ihren Küchentisch flatterte, war Gabriele Hinz nach schwerer Krankheit und langen Krankenhaus-Aufenthalten gerade erst genesen und hatte, wie sie sagt, Wichtigeres im Kopf als einen Vertrag, den sie nie abgeschlossen hat. „Ich bin doch schon seit über 20 Jahren bei den Stadtwerken Flensburg. Was soll ich damit?“ Schon damals wunderte sie sich aber, woher Eon die Nummer des Stromzählers im alten Haus und ihre Husbyer Adresse hatte.

Der ersten nachdrücklichen Zahlungsaufforderung im Juni beantwortete sie mit der Bitte, ihr die Vertragsunterlagen mit ihrer Unterschrift vorzulegen. Keine Reaktion. Und so ging es über Monate weiter. Inzwischen hat Gabriele Hinz einen dicken Stapel Eon-Post zu Hause – Rechnungen, Mahnungen und Drohungen, den Strom abzuschalten. Unzählige Briefe und Anrufe bei dem Stromversorger hätten das nicht beenden können. Immer wieder wurde von ihr nur gefordert, ein Übergabeprotokoll für ihr altes Haus an die Mieterin vorzulegen. Doch das hatte sie nicht. Wofür auch? Sie hatte sich selbst ja ordnungsgemäß bei ihrem alten Stromversorger, den Stadtwerken Flensburg, ab- und die Mieterin sich angemeldet.

Die Mahngebühren hatten sich zum Januar 2016 auf über 700 Euro summiert, als Hinz plötzlich an einem Montagabend um 18.45 Uhr einen Anruf ihrer Mieterin erhielt. Der Yellostrom-Kundin wollte ein Eon-Mitarbeiter den Strom abdrehen. Die Mieterin erzählte dem Mann die ganze Geschichte, ihm kam’s Spanisch vor und der Strom durfte weiter fließen. Am 29. Februar folgte dann die Info: Die Grundversorgung wird eingestellt. Gut, dachte Gabriele Hinz. Nicht gut, dass Eon nun für die Zeit vom April 2015 bis Ende Februar 2016 eine Summe von 7362,01 Euro einforderte – für hochgerechnet gut 25.000 Kilowattstunden angeblich verbrauchtem Strom.

Der 56-Jährigen fehlten die Worte. Sie wandte sich an die Verbraucherzentrale und an einen Anwalt. Sie hätte alles richtig gemacht, sagten die unisono, so Hinz. Soll Eon doch eventuelle Prozesskosten tragen. Doch zur juristischen Auseinandersetzung wollte es die Frau aus Husby nicht kommen lassen – und informierte die Zeitung.

Zur Aufklärung benötigte Eon Energy nun nicht mehr als einen Tag. Unternehmenssprecher Michael Krautzberger: „Inzwischen konnten wir den Fall weitgehend aufklären. Ursache ist offenbar ein handwerklicher Fehler, der beim Stromvertragsabschluss der Mieter von Frau Hinz passiert ist.“ Die Mieter hätten sich für den Lieferanten Yellostrom entschieden und seien dort auch unter Vertrag. Der Netzbetreiber (Schleswig-Holstein Netz AG) habe jedoch an Eon Energy gemeldet, der Stromzähler dort sei ohne Vertrag. Daher habe man sie nachträglich als Eigentümerin ermittelt und in die Grundversorgung aufgenommen. Krautzberger: „Wir werden die Rechnung an Frau Hinz stornieren und uns schriftlich für unseren Irrtum entschuldigen.“

Happy End in Husby also? Noch nicht ganz. Bis Montag – eine knappe Woche nach unserer Anfrage – hatte sich niemand bei Gabriele Hinz gemeldet. Und auch einige Fragen sind noch ungeklärt. Wieso nimmt Eon jemanden erst drei Jahre nach dessen Umzug plötzlich in die Grundversorgung auf? Und wieso stimmen die für die Errechnung der vermeintlichen Schuld von Eon angegebenen Zählerstände so überhaupt nicht mit dem überein, was Gabriele Hinz noch im Mai selbst abgelesen hat? Doch all das ist der leidgeprüften Husbyerin jetzt egal. Sie will endlich ihre Ruhe haben und hofft, „dass es nicht noch vielen anderen Stromkunden so geht wie mir“.

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erstellt am 28.Jun.2016 | 07:45 Uhr

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