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Verdi-AKTION IN SCHLESWIG : 700 Streikende kämpfen für mehr Geld

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Dienstleistungsgewerkschaft mobilisiert zahlreiche Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und von Helios für ihre Protestaktion.

von
erstellt am 20.Apr.2016 | 07:33 Uhr

Vor Ort dabei war er zwar nicht. In seinem Dienstzimmer könnte Bürgermeister Arthur Christiansen aber durchaus gehört haben, was ihm die mehr als 700 Verdi-Mitglieder zu sagen hatten, die gestern Morgen keine hundert Meter von seinem Fenster entfernt auf dem Rathausmarkt standen und ihrem Ärger lautstark Luft machten. „Herr Bürgermeister, halten Sie sich mal zurück bei Dingen, von denen Sie nichts verstehen und die Sie – wenn überhaupt – nur aus der Ferne betrachten“, rief Verdi-Bezirksvorsitzende Elke Lunkeit durch ein Megafon und erntete dafür einen noch stärkeren Applaus als zuvor. Denn dass Christiansen kürzlich bei einer Veranstaltung der Schleswiger Wirtschaftsjunioren in Richtung von Helios-Geschäftsführer John-Friedrich Näthke sagte: „Lassen Sie sich nicht unterkriegen. Die Wahrheit sieht oft anders aus als das, was man sich erzählt. Schleswig hat eine tolle Klinik“, stieß vielen Beschäftigten, die sich am Warnstreik der Dienstleistungsgewerkschaft beteiligten, offenbar sauer auf. „Ja, wir haben eine tolle Klinik. Aber nur, weil die Angestellten arbeiten bis zum Geht-nicht-mehr und eine Extraschicht nach der anderen machen“, betonte Lunkeit, die lange Zeit auch Betriebsratsvorsitzende in der Schleswiger Fachklinik war.

Aber nicht allein die Arbeitsbedingungen bei Helios, sondern noch mehr die Forderung nach höheren Löhnen stand im Mittelpunkt der Veranstaltung. Deswegen beteiligten sich auch zahlreiche Mitarbeiter der Stadtwerke, der Umweltdienste, der Kreisverwaltung und zivile Angestellte des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 in Jagel an der Veranstaltung. In der anstehenden Tarifrunde will Verdi für die bundesweit rund 2,14 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst sechs Prozent mehr Geld durchsetzen. Eine Forderung, die von den Arbeitgebern bislang als überzogen und unangemessen hoch angesehen wird. Diese müssen sich laut Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Ute Dirks jedoch auf einen harten Kampf einstellen. „Wenn die Arbeitgeber sich nicht bewegen, werden wir nachlegen und zeigen, dass wir unsere Forderungen durchsetzen wollen“, gab sie die Richtung vor.

Eine Ansage, die auch bei den Pflege-Auszubildenden der Helios-Klinik gut ankam, die mit gut 60 Teilnehmern eine starke Gruppe bei der Kundgebung stellten. Sie forderten unter anderem, dass sie während ihrer Ausbildung nicht ständig auf anderen Stationen eingesetzt werden und dass sie im Anschluss – anders als bislang – mit unbefristeten Verträgen übernommen werden.

Der Streik gestern betraf sowohl die Früh- als auch die Spätschicht des Schleswiger Krankenhauses, das zwar privat betrieben wird, aber Mitglied im kommunalen Arbeitgeberverband und demnach an die geltenden Tarife gebunden ist. Die medizinische Versorgung sei allerdings durch einen Notdienst sichergestellt worden, wie Ute Dirks betonte.

Im Laufe der Woche, insbesondere am morgigen Donnerstag, sind weitere Verdi-Aktionen in ganz Schleswig-Holstein geplant. Schleswig ist davon nicht betroffen.

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