Zuckerfabrik-Grundstück in Schleswig : 47 Hektar, auf denen nichts geschieht

Über Jahrzehnte ein vertrauter Anblick: Die Zuckerfabrik mit ihrem weithin sichtbaren Schornstein und den markanten Silos am Ufer der Schlei.
Über Jahrzehnte ein vertrauter Anblick: Die Zuckerfabrik mit ihrem weithin sichtbaren Schornstein und den markanten Silos am Ufer der Schlei.

Das Ufergrundstück der einstigen Zuckerfabrik ist attraktiv für Investoren – aber es gibt mehrere Hindernisse.

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24. März 2017, 16:28 Uhr

Mehr als 13 Jahre ist es her, dass der letzte Rübenlaster über die Zuckerstraße rollte. Vor elf Jahren verschwand der markante rote Schornstein am Ufer der Schlei, der über Jahrzehnte zur Silhouette der Stadt gehörte. Seither ist nicht viel geschehen auf dem 47 Hektar großen Gelände jenseits der Freiheit, auf dem einst 100  000 Tonnen Zucker im Jahr produziert wurden. Bis heute gehört das Grundstück der Braunschweiger Nordzucker AG. Jörg Egert, der bei dem Zuckerkonzern für die Grundstücksvermarktung zuständig ist, hat den Glauben daran verloren, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern wird. „Das Thema wird uns noch Jahre beschäftigen“, sagt er. Dabei melden sich immer wieder Interessenten, die auf dem Gelände investieren wollen.

Einer der letzten war Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Schoofs. Er war unter anderem auf der Suche nach einem neuen Standort für den Schiffskran, der bisher am Stadthafen steht, dort aber aus seiner Sicht der weiteren Entwicklung zum touristischen Anziehungspunkt im Wege steht. Die Gespräche mit der Nordzucker AG habe man aber relativ schnell wieder beendet, sagt Schoofs. Und zwar aus demselben Grund, aus dem schon Verhandlungen mit anderen Interessen gescheitert waren: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Stadt Schleswig das entsprechende Baurecht gewährt, ist einfach zu gering.

Das musste Jörg Egert schon wenige Monate nach dem Abriss der Zuckerfabrik erfahren. Damals begann gerade die Entwicklung des ehemaligen Kasernengeländes auf der Freiheit. Im Rathaus befürchtete man, dass sich beide Areale gegenseitig Konkurrenz machen würden. Dem Ansinnen der Nordzucker AG, Wohn- oder Ferienhäuser und eventuell gar ein Hotel mit Schleiblick zu errichten, erteilte man eine Absage.

Zwischenzeitlich gelang es Egert, einen Teil des Geländes an den Betreiber eines Wohnmobil-Stellplatzes zu vermieten. Am Ziel, die Stadt „von innen nach außen zu entwickeln“, wie es der verstorbene Bauausschuss-Vorsitzende Klaus Bosholm stets formuliert hatte, hat sich laut Rathaus bis heute nichts geändert. „Grundsätzlich besteht in der Politik und der Verwaltung der Vorsatz, das Gelände auf der Freiheit prioritär zu entwickeln, das ehemalige Nordzuckergelände also nachrangig zu behandeln“, sagt Stadt-Sprecherin Antje Wendt. Auch die Stadtwerke haben sich schnell entsprechend umorientiert. Wenn der Bootskran aus dem Stadthafen verschwindet, wird er wohl auf die Freiheit verlegt werden.

Im Flächennutzungsplan ist das Nordzucker-Gelände als „gewerbliche Baufläche“ ausgewiesen. Mit Zustimmung des Kieler Innenministeriums könnte die Ratsversammlung dies allerdings ändern. Seit dem Ende des Wohnmobilparks vor sechs Jahren hätten sich im Rathaus zwar immer wieder einmal Interessenten für das Gelände gemeldet, sagt Antje Wendt, die seien aber „schnell wieder in der Versenkung verschwunden“.

Zu den Unwägbarkeiten, die jedes große Bauvorhaben mit sich bringt, kommt seit dem vergangenen Jahr eine weitere hinzu: Seither ist das Bauamt gesetzlich angehalten zu prüfen, ob ein ufernahes Grundstück, das bebaut werden soll, ein Hochwasserrisikogebiet ist. Eine solche Überprüfung wäre im Fall des Nordzucker-Geländes wohl erforderlich, heißt es im Rathaus.

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