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400 Jahre alte Kompositionen perfekt dargeboten

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Gottorfer Hofmusik-Festival: Ensemble aus Hamburg überzeugte mit Individualität und Dynamik

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Schleswig | Bei den Konzerten, die im Rahmen der "Gottorfer Hofmusik" stattgefunden haben, wechselten die benachbarten Aufführungs-Orte Schlosskapelle und Hirschsaal miteinander ab. Am 30. April wurden sogar beide Räumlichkeiten nacheinander benutzt. Das Konzert, das John Dowland (1563-1626) zu seinem 450. Geburtstag gewidmet war, ließ den Hirschsaal voll besetzt werden. Das Dowland-Konzert stand unter dem Motto "Die Rezeption seiner Musik in Norddeutschland" - durch sein Wirken wurde auch die Musik im Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf stark geprägt.

Zu Gast war das Ensemble "Hamburger Ratsmusik", das nach einer fast 500-jährigen Geschichte im Jahre 1991 von Simone Eckert neu belebt worden war; sie spielt die Gambe und leitet den Musikkreis. Etwa die Hälfte der dargebotenen Werke - rund 30 Musikstücke - trug Dowlands Signum. Aber es tauchten auch so berühmte Komponisten auf wie Samuel Scheidt, William Brade, der ein Gottorfer Hofmusiker war, Orlando di Lasso, Johann Schop und Michael Praetorius. Das Ensemble musizierte im perfekten Zusammenspiel, immer Raum lassend für individuelle Gestaltung und mit wechselnder Dynamik. Leiterin Simone Eckert wies darauf hin, dass alle hier genannten Komponisten mehr oder weniger intensiv mit dem Gottorfer Herzogshof verbunden waren - es erklang also ausschließlich Musik, die schon vor 400 Jahren auf Gottorf gespielt wurde. Das Zusammenwirken des Ensembles war absolut nahtlos, obwohl die Gamben in unterschiedlichen Tonlagen standen.

Der Tenorsänger Jan Kobow konnte seine warme, weitgefasste Stimme bestens einsetzen bei einer Reihe von Liedern, die zum größten Teil von John Dowland stammten. Das berühmte "Flow my tears" von Dowland zeigte schon die geschickte Stimmführung und die variable Tongebung, über die der Sänger verfügt. Auch eine gewisse Dramatik im Ausdruck war nicht zu überhören. Der Chanson "Susanne un jour" erklang auf Französisch, nachdem der ungewöhnliche Inhalt geklärt worden war. Auch "Can she excuse" (Dowland) erfuhr eine interessante Inhaltsangabe und eine perfekte Darbietung. Der sympathische Sänger wurde fast immer von der Laute begleitet - hervorragend gespielt!

Zusätzlich bewies Lautenspieler Ulrich Wedemeier sein hochgradiges Können bei der Gagliarde für Laute solo von Dowland; man findet die Komposition im "Lautenbuch der Elisabeth von Hessen". Ein ausgesprochen lustiger Beitrag war das Lied "Weibernehmen ist kein Pferdekauf" von Gabriel Voigtländer; Jan Kobow trug es passend schelmisch vor. Später gab es davon als Zugabe zwei zusätzliche Strophen - Dank für den überaus reichen Beifall. Der Abend reihte sich nahtlos in die große Erfolgs-Serie der "Gottorfer Hofmusik" ein.

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