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Brigtte Peters : 40 Jahre als Besuchsdienstdame im Krankenhaus

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Seit 1972 war Brigitte Peters für den Krankenhausbesuchsdienst tätig – jetzt ging sie in den verdienten Ruhestand.

von
erstellt am 24.Dez.2013 | 17:00 Uhr

Brigitte Peters sieht es ganz pragmatisch. „Der liebe Gott hat mir viel Kraft geschenkt, da konnte ich anderen ruhig etwas von abgeben“, sagt sie. Allerdings ist das weit untertrieben. Denn es war weit mehr als besagtes „etwas“, was sie in ihrem Leben bislang abgegeben hat an ihre Mitmenschen: 42 Jahre lang war sie im Einsatz, ehrenamtlich, beim Krankenhausbesuchsdienst. Jetzt ist damit Schluss. Mit 85 Jahren. „Alles hat seine Zeit, man wird ja immer langsamer“, sagt Brigitte Peters und fügt an:„Dass ich diese Aufgabe jetzt aufgebe, ist schon komisch. Es ist eine Mischung aus Wehmut und Erleichterung.“

Angefangen hatte alles 1972. Damals suchte die Frau eines der Schleswiger Chefärzte, Dorothea Wenzel, nach Mitstreitern. „Ihr Mann hatte ihr damals gesagt, dass es viele Patienten gebe, die nie Besuch bekommen. Sie sollte sich um diese Menschen kümmern, für sie alleine wurde es aber schnell zu viel“, erzählt Brigitte Peters, die schnell bereit war, ihrer Bekannten zu helfen. Es bildete sich schließlich eine Gruppe von sechs Damen – die Kernzelle des Schleswiger Krankenhausbesuchsdienstes.

Heute sind 15 Frauen, die regelmäßig geschult werden, auf allen Stationen des Helios-Klinikums aktiv, gehen von Tür zu Tür, hören den Menschen zu oder machen für sie kleine Besorgungen. Einmal wöchentlich war bis vor wenigen Tagen auch Brigitte Peters dabei. Nachdem sie mit dem Fahrrad an der Klinik angekommen war, führte sie ihr Weg stets zuerst ins Schwesternzimmer. „Da habe ich gefragt, ob ich bei einzelnen Patienten etwas besonderes zu beachten hätte.“ Danach ging es los. An jeder Zimmertür klopfte sie an, stellte sich höflich vor und stieß zumeist auf freundliche Reaktionen.

„Natürlich gibt es immer auch Menschen, die in Ruhe gelassen werden möchten. Das akzeptiert man selbstverständlich. Aber viele fangen doch an zu erzählen oder fragen mich etwas. Da gibt es lustige und traurige Begegnungen“, erzählt Brigitte Peters. Einige davon seien ihr auch sehr nah gegangen. Etwa bei Gesprächen mit schwer Kranken, wo beide gewusst hätten, dass das Leben bald zu Ende sei. „Da muss man ein feines Gespür entwickeln, wie man in solchen Situationen reagiert“, sagt die 85-Jährige, die 1944 nach dem verheerenden Bombenangriff gemeinsam mit der Familie ihre Heimatstadt Dresden verließ und nach einer Zwischenstation in Bad Schwartau schließlich 1959 in Schleswig landete.

In besonderer Erinnerung hat Brigitte Peters noch zwei Begegnungen mit Rentnern aus der DDR, bei denen es seinerzeit sehr schwierig war, einen Rücktransport über die streng abgeschottete Grenze zu organisieren. „Das Dankesschreiben von einem der Betroffenen habe ich bis heute.“

Auch Kathe Lüttmann ist Brigitte Peters dankbar. Die Stolkerin ist eine der letzten Patienten, an deren Zimmertür sie jetzt klopfte. „Ich bekomme zwar viel Besuch, aber ich freue mich trotzdem sehr, dass Frau Peters hier bei mir war. Ich habe große Hochachtung davor, dass jemand über 40 Jahre anderen Menschen hilft.

 

 

 

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