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Eil-Entscheidung : 32 junge Flüchtlinge für Idstedt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

32 Unbegleitete Jugendliche sollen ab Januar in das ehemalige Verwaltungsgebäude am Bundeswehr-Funkturm in Idstedt einziehen. Die Bürger wurden jetzt über die Eilentscheidung des Landrats informiert.

32 junge Flüchtlinge werden ab Januar am Funkturm in Idstedt-Osterfeld untergebracht. Um Einzelheiten über diese Eilentscheidung von Landrat Wolfgang Buschmann zu erfahren, waren am Montagabend mehr als 100 Interessierte zur Einwohnerversammlung in der 850-Einwohner-Gemeinde gekommen, wo sie zum Teil nur noch auf auf Fensterbänken Platz fanden oder stehen mussten. Als die Entscheidung im Vorfeld bekannt geworden war, waren von außen die Emotionen angeheizt worden. Bei der Versammlung indes wurde ausgesprochen sachlich diskutiert.

Bürgermeister Edgar Petersen begrüßte nicht nur den Landrat, sondern auch den Leiter des Fachdienstes Jugend und Familie des Kreises, Andreas Wellenstein, Amtsdirektor Heiko Albert, DRK-Kreisgeschäftsführer Kai Schmidt sowie den Leiter des Elisabethheims in Havetoft, Christian Oehler. Sie alle sind mit ihren Institutionen in das Projekt eingebunden, das die Lage des Kreises im Hinblick auf die Unterbringung unbegleiteter jugendlicher Flüchtlinge entschärfen soll. Diese ist vor allem deshalb angespannt, weil nicht nur der Kreis selbst Jugendliche unterbringt und betreut, sondern auch ohne Zugriff der hiesigen Behörden Plätze in privaten Einrichtungen durch andere Kreise und Städte belegt werden.

Die Vertreter stellten aus ihrer Sicht das Problem „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ vor, beantworteten Fragen aus der Einwohnerschaft und nahmen deren Anregungen auf. Demnach sollen die 32 männlichen unbegleiteten Flüchtlinge im Alter von 16 und 17 Jahren im früheren Verwaltungsgebäude untergebracht werden. Sie werden am Tag von sechs und nachts von zwei Fachkräften unter der Regie des DRK mit Unterstützung durch das Elisabethheim betreut. Das Erdgeschoss wird die Unterkunft für eine 20-köpfige Gruppe, deren Mitglieder für zehn Tage bis vier Wochen dort bleiben. In dieser Zeit werden ihre Hintergründe ermittelt und Perspektiven für sie erarbeitet (Screening). Ins Obergeschoss ziehen für längere Zeit zwölf Jugendliche ein, für die vom abgelegenen Osterfeld eine Busverbindung zum Berufsbildungszentrum in Schleswig geschaffen werden muss.

Möglich wurde diese Lösung, weil der Besitzer der 2,5 Hektar großen Fläche, der Schleswiger Arne-Olaf Jöhnk, einen Zwei-Jahres-Vertrag mit dem Kreis geschlossen hat. Dieser ist zuständig für Minderjährige, die besonderen Schutz genießen und deshalb als Flüchtlinge nicht in eine Erstaufnahmeeinrichtung kommen. Der Kreis stellt ihnen jeweils einen gesetzlichen Betreuer zur Seite. Eigens dafür wurden in der Verwaltung jüngst neue Stellen geschaffen, im Vorgriff auf die Personalplanung für das kommende Jahr. Auch sucht der Kreis verstärkt nach ehrenamtlichen Betreuern, die diese Aufgaben wahrnehmen können (wir berichteten).

Von vornherein wurde einigen Bürgern die Angst genommen, auf dem Gelände könnten in Containern noch Hunderte Erwachsene zusätzlich unterkommen. Für die seien nämlich die Gemeinden zuständig, die auf diese Fläche keinen Zugriff haben und „hierfür auch keine Pläne“, so Heiko Albert. Wo allerdings „die Reise hingeht“, wenn der Zustrom an Flüchtlingen auf lange Sicht anhält, das konnte auch der Landrat nicht beantworten. Er beließ es bei der Feststellung, dass der Kreis den gesetzlichen Vorgaben entsprechend zu handeln habe und derzeit mit 32 Jugendlichen plane.

Er freute sich allerdings über Spendenangebote für Freizeitaktivitäten im voll unterkellerten Gebäude und nahm den Vorschlag einer Geschwindigkeitsbegrenzung an der „Panzerstraße“ auf. Dass Schießgeräusche vom nahen Standortübungsplatz am Langsee für Traumatisierte schlimm sein könnten, nahm er ebenfalls zur Kenntnis. Gefahren durch Strahlung vom Funkturm indes wurden zurückgewiesen: Er trage Antennen für den kreisweiten Polizeifunk. Das sei unschädlich, und die übrigen Antennen – der Turm ist weiterhin im Besitz des Bundes – strahlten nicht direkt nach unten.

Verfahrenstechnisch ist allerdings noch ein Schritt zu tätigen: Ein Antrag für die Umnutzung des Geländes im Idstedter Außenbereich liegt inzwischen vor; nun muss die Gemeinde noch ihr Einvernehmen erteilen. Einen rechtssicheren Grund, dieses zu versagen, gibt es nach Auskunft des Landrats in diesem Fall nicht.

Die große Mehrheit nahm das gelassen hin und applaudierte, als einer rief: „Wollen wir ihnen offen gegenübertreten? Ich bin bereit, mich zu engagieren. Es geht um Menschen!“

 

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erstellt am 01.Dez.2015 | 19:36 Uhr

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