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Barrierefreiheit im Rathaus : 270 000 Euro für einen Fahrstuhl

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Rollstuhlfahrer sollen künftig auch in den Ständesaal kommen. Aber die Politiker wünschen sich eine günstigere Lösung.

von
erstellt am 15.Okt.2015 | 07:48 Uhr

Viereinhalb Jahre ist es her, dass der damalige Bürgermeister Thorsten Dahl mit seiner Entscheidung für einen Eklat sorgte, den Ständesaal im Rathaus für alle externen Veranstaltungen zu sperren. Seine Begründung: Das Rathaus sei nicht barrierefrei, der Ständesaal für Rollstuhlfahrer nicht zu erreichen. Dahl war zwar später wieder zurückgerudert, aber das Thema Barrierefreiheit im Rathaus war nie ganz vom Tisch. Jetzt will sein Nachfolger Arthur Christiansen handeln: In den nächsten drei Jahren möchte er 270  000 Euro für einen Fahrstuhl und für behindertengerechte Toiletten ausgeben. Davon sind im Haushaltsentwurf für das kommenden Jahr erst einmal 40  000 Euro allein für die Planung vorgesehen. Über den Fahrstuhl ließen sich nicht sämtliche Flure in dem verwinkelten alten Gebäude erreichen. Es geht allein um eine Verbindung vom Erdgeschoss zum Ständesaal im ersten Stock.

Doch ob der Fahrstuhl wirklich kommt, ist offen. Als das Thema jetzt bei den Haushaltsberatungen im Bauausschuss zur Sprache kam, sagte der Ausschuss-Vorsitzende Klaus Bosholm (SPD): „Auch wenn man mit so einer Bemerkung in böses Licht geraten kann: Das ist viel Geld für eine möglicherweise sehr geringe Nutzung.“ Es zeigte sich, dass Bosholm mit dieser Einschätzung nicht allein stand. Helge Lehmkuhl (CDU) regte an, als Alternative über einen Treppenlift nachzudenken. Das habe man schon geprüft, antwortete Christiansen: „Wir haben das aus brandschutztechnischen Gründen verworfen.“ Es bestehe die Gefahr, dass der Treppenlift im Ernstfall den Fluchtweg versperrt. Persönlich glaube er nicht, dass der Fahrstuhl am Ende tatsächlich so teuer werde wie bisher veranschlagt.

Die meisten Büros mit Publikumsverkehr sind schon jetzt barrierefrei zu erreichen. Sowohl das Standesamt als auch das Einwohnermeldeamt befinden sich im Erdgeschoss. Im ersten Stockwerk befindet sich nicht nur der Ständesaal, in dem neben der Ratsversammlung zum Beispiel auch der Bauausschuss, in dem das Thema nun diskutiert wurde, seine öffentlichen Sitzungen abhält. Auf derselben Ebene ist auch das Büro von Arthur Christiansen. Darauf wies erst am vergangenen Wochenende die Rollstuhlfahrerin Janette Händel beim Aktionstag der Initiative „Bürger machen mit“ zum Thema Barrierefreiheit auf dem Kornmarkt hin. „Ich kann nicht einmal zur Sprechstunde des Bürgermeisters kommen“, sagte die junge Frau.

 

 

 

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