DGZRS : 256 Menschen aus Seenot gerettet

Der Rettungskreuzer „Nis Randers“ steht im 25. Jahr in Diensten der DGzRS-Station Maasholm.
1 von 3
Der Rettungskreuzer „Nis Randers“ steht im 25. Jahr in Diensten der DGzRS-Station Maasholm.

Die Einsatzkräfte der DGzRS auf der „Nis Randers“ blicken auf ein ruhiges Jahr 2014 zurück. Auf Schlei und Ostsee halfen sie 256 Menschen aus Seenot. Einige Einsätze waren kurios.

shz.de von
02. Januar 2015, 07:45 Uhr

„Wir haben ein weitgehend stressfreies, aber arbeitsreiches Jahr hinter uns“, bilanziert Sven Detlefsen, amtierender Vormann auf dem Seenotrettungskreuzer „Nis Randers“. Das nördlichste Flaggschiff der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) an der deutschen Ostseeküste, besetzt im 14-tägigen Schichtwechsel mit jeweils vier Nautikern und Maschinisten, versieht nun schon im 25. Jahr seinen Dienst auf der Schlei und dem Seegebiet der Flensburger Außenförde. Unterstützt wird es von dem mit Freiwilligen besetzten Rettungsboot „Wuppertal“, das vor allem in Flachwasserbereichen und schwer zugänglichen Uferabschnitten der Schlei eingesetzt wird.

„Selbst wenn die Brücken von Kappeln und Lindaunis geschlossen sind, kommen wir problemlos unten durch“, sagt „Wuppertal“-Vormann Andreas Doose. Und dann hat ja auch noch die „Nis Randers“ ihr Tochterboot „Onkel Willi“ mit an Bord, das in akuten Notfällen zu Wasser gelassen wird. Alle Crews – Hauptamtliche und Freiwillige – gehören gleichberechtigt zur DGzRS-Station Maasholm, deren 100-jähriges Jubiläum im Mai 2015 festlich begangen wird.

Die Jahresstatistik für 2014 bestätigt erneut, wie wichtig und unverzichtbar dieser Rettungsdienst ist. Sven Detlefsen: „Wir haben in diesem Jahr 256 Menschen von 73 Schiffen aus gefährlichen Situationen befreit, elf Kranke und Verletzte an Land gebracht und in die Hände von Notärzten übergeben sowie fünf Bergungen vorgenommen.“ Hinzu kamen 29 Ausbildungs- und 243 Kontrollfahrten. In 23 Fällen gab es vergebliche Einsätze, darunter mehrfach falschen Alarm. 18 Mal begleitete der Maasholmer Kreuzer aus Sicherheitsgründen größere Regatten – auch bei der Kieler Woche.

Crewmitglieder wie Manfred Jordan und Thomas Mischke erinnern sich in einer Gesprächsrunde mit den beiden Vormännern an besondere Ereignisse. Da war zum Beispiel Ende Januar bei starkem Frost Eis in den Kühlwasserkreislauf des Küstenboots „Staberhuk“ gedrungen und hatte die Hauptmaschine vor der Maasholmer Hafeneinfahrt außer Gefecht gesetzt. Dieses Missgeschick passierte ausgerechnet der Kappelner Wasserschutzpolizei. Der Kreuzer schleppte den mit Ordnungshütern vollbesetzten Havaristen in seinen Heimathafen zurück – zum allmählichen „Auftauen“.

Östlich vor Schleimünde mussten die Retter Anfang Mai einen Skipper von einer Yacht bergen, der sich beim Einholen des Segels einen Finger abgetrennt hatte. Im Juli kam es zu einem tödlichen Unfall, als in der Geltinger Bucht ein Schlauchboot von der Küste abtrieb. Ein Urlauber ertrank. Eine zweite Person konnte sich schwimmend an Land retten. Der Ertrunkene wurde später von einem Hubschrauber aus auf dem Meeresgrund in nur zwei Metern Tiefe gesichtet und anschließend von Rettungsboot „Jens Füerschipp“ aus Gelting-Mole an Land gebracht.

Ein weiteres Todesopfer war auf dem Seeabschnitt zwischen Olpenitz und Damp zu beklagen. Dort war ein Skipper bei heftigen Windböen von Bord einer Yacht gestürzt und im Meer versunken. Zwei Frauen überlebten.

Vor Olpenitz retteten die Maasholmer „Engel“ und die Wasserschutzpolizei gemeinsam fünf Ausflügler, die im August bei starkem Ostwind mit ihrem Ruderboot gekentert waren. Weil sie auf einem Traditionssegler eine steile Treppe trotz Warnung nicht rückwärts hinabstieg, erlitt eine Frau beim Sturz einen Schulterbruch. Der Kreuzer transportierte die Verletzte nach Maasholm.

Als kleine ornithologische Sensation notierte die Randers-Crew im vergangenen Winter in Höhe von Rabelsund an einer vereisten Uferkante sage und schreibe 31 Seeadler – alle schön in Reih und Glied. Sie warteten wohl auf einen gemeinsamen „Entenschmaus“.

Kurios ist ein Vorfall im Maasholmer Hafen: Dort machte im Sommer ein Segler sein Boot ausgerechnet am Liegeplatz des Seenotrettungskreuzers fest. Als er vom Vormann auf sein Fehlverhalten aufmerksam gemacht wurde, führte ihn der Freizeitkapitän unter Deck, wo seine Ehefrau mit einem Fuß verzweifelt ein Loch im Rumpf zuhielt, um das eindringende Wasser zurückzuhalten. Die Seenotretter halfen schnell: Sie setzten provisorisch einen Holzpfropfen in das Leck und schleppten mit dem Kreuzer das Boot zu einer Kappelner Werft.

Sie interessieren sich für die Arbeit der Seenotretter? Dann ist vielleicht auch unserer Multimedia-Reportage über die DGzRS auf Helgoland etwas für Sie. Sie finden die Reportage unter helgoland.shz.de
zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen