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Luzern - Böklund : 1585 Kilometer zurück zum Geburtsort

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Silke Thomsen fuhr mit dem Fahrrad aus der Schweiz zu ihren Eltern in Böklund. Sie war drei Wochen unterwegs.

Zu ihrem 50. Geburtstag erfüllte sich Silke Thomsen aus Luzern in der Schweiz einen lang gehegten Herzenswunsch. Sie radelte 1585 Kilometer zu ihrem Geburtsort nach Böklund im nördlichsten Zipfel Deutschlands.

Die Strecke hatte die Kunst- und Ausdruckstherapeutin anhand von Flüssen und Ufern geplant. „Dort sind die Steigungen am geringsten, die Strecken sind gut gekennzeichnet und man hat immer eine Orientierung“, verriet sie ihre Kriterien. Und so radelte sie entlang der Aare zum Rhein, fuhr die Lahn hinauf bis Marburg, wechselte zur Fulda bis die zur Weser wurde, fuhr dann ein Stück an der Nordseeküste entlang und setzte mit der Fähre in Glückstadt über. In Schleswig Holstein ging es noch ein Stück die Stör hinauf und den Nord-Ostsee-Kanal entlang. Dann folgte ein Sprung über Land bis an die Schlei, wo ihre Eltern sie mit Elektrofahrrädern an der Missunder Fähre abholten und die restlichen 20 Kilometer mit ihr gemeinsam fuhren.

Schwierigkeiten gab es auf der 21-tägigen Reise kaum. Am Anfang machte ein Knie Sorgen, aber nach nur einer Woche konnte die Bandage entfernt werden. Die Übernachtungen buchte Thomsen bei „bed & bike“-Angeboten mit dem Handy entlang der Strecke mit zwei Stunden Vorlauf – und es klappte immer.

Für die Langstreckenradlerin hatte die Reise auch einen übergeordneten Sinn. „Ich bin jetzt 50 Jahre alt und habe jeweils 25 Jahre in Luzern und in Norddeutschland verbracht. Ich wollte wissen: Wo bin ich zuhause und wo ist meine Heimat?“ Deshalb fuhr sie statt wie üblich mit dem Zug diesmal langsam zu ihren Eltern. „Es ist ein ganz anderes Gefühl, wenn man – anders als im Beruf – Verantwortung nur für sich selbst hat“, fand sie heraus. Man sei offen für Menschen und die Menschen kämen auf einen zu. Sie habe auf dieser Reise viele Kontakte geknüpft und alles in ihrem Tagebuch festgehalten. „Gerade wenn man alleine unterwegs ist, finde ich es nötig, die Eindrücke des Tages aufzuschreiben, bevor sie aus der Erinnerung verschwinden.“ So entstand ein Buch mit Prosa, Gedichten und Zeichnungen. Auch ihre Frage nach der Heimat hat sie geklärt. „Es ist beides in mir – das Luzerner Land und Norddeutschland“, hat sie herausgefunden. Dazwischen sei nur Weg. Das entspricht auch ihrer doppelten Staatsbürgerschaft, die sie zur Hälfte deutsch und schweizerisch macht. Doch das empfindet sie nicht als Zerrissenheit, sondern als „gute Füllung“, sagt sie.

Nach großzügiger Zeiteinteilung in den ersten beiden Wochen musste sich Thomsen an den letzten Tagen sputen und fuhr teilweise bis zu 130 Kilometer täglich. Denn sie wollte am 90. Geburtstag ihrer Tante in Böklund sein. Und sie selbst will ihren 50. Geburtstag nach einer Feier in der Schweiz noch einmal in Deutschland mit ihren Verwandten und Freunden feiern, bevor sie am 17. September mit dem Zug wieder nach Luzern zurückfährt.  

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