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Bahnfahrt wird zur Odyssee : 14 Stunden Pleiten, Pech und Pannen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Dr. Volker Eggeling wollte eigentlich entspannt von Schleswig nach Hamm (NRW) reisen. Daraus wurde allerdings nichts.

Dr. Volker Eggeling wollte ausgeruht ankommen. Deshalb wählte der Mediziner und Sprachtherapeut für seine Fahrt nach Hamm in Nordrhein-Westfalen die Bahn. Was er dabei erlebte, war alles andere als erholsam. Nach 14 Stunden auf Bahnsteigen, in unterschiedlichen Zügen und in einem Taxi kehrte er erschöpft und empört zu seinem Ausgangspunkt in Süderbrarup zurück. Sein Ziel hatte er nicht erreicht.

Volker Eggeling wohnt seit fünf Jahren in Süderbrarup, betreut aber in Hamm, wo er vor seinem Ruhestand praktizierte, zusammen mit Kollegen noch einmal im Monat eine Gruppe von zehn Kindern, die an einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte leiden. Um rechtzeitig und ohne Stress an Ort und Stelle zu sein, stand Eggeling am vergangenen Mittwoch um 3.30 Uhr auf, frühstückte und machte sich mit dem Auto auf den Weg nach Schleswig, wo der Zug nach Hamburg um 5.29 Uhr abfahren sollte.

Am Bahnsteig hatten sich etwa 20 Fahrgäste versammelt, der Zug aber kam nicht und es gab auch keine Durchsage. Die Anzeige für den Zug nach Hamburg erlosch um 5.40 Uhr, Ratlosigkeit machte sich breit. Schließlich entschlossen sich einige der verhinderten Fahrgäste, ein Taxi nach Neumünster zu nehmen. Fast alle hatten feste Termine und von dort würde man bestimmt irgendwie weiterkommen, so die Hoffnung. Kaum hatte die kleine Gruppe den Bahnsteig verlassen, rollte ein unbeleuchteter Zug ein. Die Rettung? Leider nicht – das Gespann rollte durch. „Dann kam ein junger Mann zu uns und verkündete, er und sein Taxi seien von der Bahn für die Fahrt nach Rendsburg gebucht wurden“, berichtet Volker Eggeling, „dort stünde ein Zug für uns bereit.“

Um 6.20 Uhr war auf dem Rendsburger Bahnhof von einem Zug weit und breit nichts zu sehen. Dafür aber gab es immerhin eine Auskunft – kurz vor 7 Uhr sollte ein Zug aus Kiel anrollen und gleich nach Hamburg weiterfahren. Auf dem betreffenden Bahnsteig aber stand ein Güterzug – und die weiteren Auskünfte über die Anzeigetafel halfen nicht wirklich weiter. Es wurde vor einem durchfahrenden Zug gewarnt und um 7.10 eine fünfminütige Verspätung angekündigt.

Aber immerhin – letztlich kam ein Zug, der den Arzt nach Hamburg brachte. Er hatte seinen ICE natürlich verpasst, aber er fand einen IC, der in die richtige Richtung fuhr. Der allerdings wurde kurz hinter Bremen abrupt gestoppt. „Das war eine Situation, die nicht von der Bahn verschuldet war“, erklärte Volker Eggeling, „offenbar hatte jemand auf den Schienen einen Suizid begangen“.

Die Bahn präsentierte den Reisenden während der dreistündigen Wartezeit einen kostenlosen Kaffee und eine Menge widersprüchlicher Informationen.

Der Termin in Hamm hatte sich für Volker Eggeling längst erledigt. Hungrig, entnervt und verärgert stieg er in Osnabrück aus und machte sich auf den Heimweg nach Süderbrarup. Um 19.30 Uhr war er zu Hause. Die Wut auf die Bahn kam erst so richtig zum Ausbruch, als Eggeling gestern in den Schleswiger Nachrichten las, dass sich am Dienstagabend gegen 22.30 ein kleiner Unfall im Schleswiger Bahnhof ereignet hatte – der eigentliche Auslöser für seine Odyssee. Er warf der Bahn vor, sich keinen Deut und seine Kunden zu kümmern. „Keine Informationen, kein Bemühen – das ist eine Ignoranz, die ich nicht akzeptieren kann. Ich werde wohl den Fahrpreis erstattet bekommen. Mit 14 Stunden verlorener Lebenszeit aber muss sich wohl leben.“

Zum nächsten Termin in Hamm will der Süderbraruper wieder mit der Bahn anreisen. „Das ist zwar Russisch Roulette, aber die Autofahrt tue ich mir nicht an.“ Allerdings wird er seine Bahnfahrt in Süderbrarup beginnen. „Dann kann ich zu Fuß nach Hause gehen, wenn mal wieder alles nicht klappt.

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erstellt am 20.Nov.2015 | 11:48 Uhr

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