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Extrem-Radler aus Schuby : 12502 Kilometer im Sattel

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach einer Herzoperation entdeckte Peter Kiesau (73) das Radfahren für sich – und ist seither nicht mehr zu stoppen.

Peter Kiesau (73) steigt bei Wind und Wetter auf das Fahrrad und radelt kreuz und quer durch Schleswig-Holstein. 12  502 Kilometer hat er im vergangenen Jahr geschafft. Bei der Wahl zum „Radsportler des Jahres“ in Schleswig-Holstein bescherte ihm das jetzt den zweiten Platz. Dass es nicht zum Sieg reichte, davon lässt er sich nicht entmutigen. Seine Touren für dieses Jahr hat er bereits geplant. Wie viele Kilometer es werden sollen, verrät er nicht. Es könnte ja sein, dass die Konkurrenz mitliest.

Seine Leidenschaft für das Fahrradfahren entdeckte er nach einer Herzoperation vor drei Jahren. „In der Reha war es mir ein bisschen langweilig. Da fragte meine Frau, wie ist es denn mit Fahrradfahren wäre?“ Wenig später – es war bei einem Restaurantbesuch – traf er zufällig die Gruppe „60plus“ des Schleswiger Radsportvereins und schloss sich ihr an. Dabei besaß er selbst gar kein Fahrrad. Er nahm das Damenrad seiner Frau. Peter Kiesau wurde schnell einer der ehrgeizigsten Mitglieder der Gruppe und wechselte in die Radwandergruppe des Vereins, wo regelmäßig 50 bis 90 Kilometer am Stück gefahren wurden. Auch das war ihm zu wenig. Wenn die anderen im Auto mit dem Rad auf dem Dach zum Startpunkt einer Tour fuhren, nahm Kiesau jedesmal das Rad.

Erinnerungen an seine Jugend kamen hoch. Denn schon damals war er passionierter Radfahrer. Im Sommer 1959 fuhr er von Kiel über Hannover durchs Ruhrgebiet bis nach Luxemburg. Er legte dabei eine Stracke von 3105 Kilometer zurück – immer alleine. „Ich fahre gerne alleine. Ich kann mir die Pausen selbst einteilen“, sagt er. Während seiner Berufstätigkeit – 47 Jahre im Außendienst für Baustoffe – geriet das Hobby in Vergessenheit.

Im vergangenen Jahr unternahm Kiesau 137 Fahrten, davon 67 in einer Gruppe und 70 alleine. Eine große Zahl dieser Touren verdankte er der RadSport-Rallye 2014, in der es darum ging, die Heimatorte von 81 verschiedenen Sportvereinen anzusteuern. Kiesau war der einzige, der tatsächlich überall war. Vom 4. März bis zum 12. Oktober war er unterwegs.

Im Winterhalbjahr lässt er das Rad lieber stehen. „Ich fahre nur im Hellen“, sagt er. Sicherheit nimmt er ernst. Er fährt jede Fahrt mit Helm und achtet auf die Funktionalität des Fahrrads. Auch die Straßenverhältnisse hält er kritisch im Blick. „Als Radfahrer, ob in der Gruppe oder ob alleine, wir müssen so höllisch aufpassen“, sagte der 73-jährige Schubyer. An seine Herzkrankheit denkt er dabei nur noch selten. Seinem Kardiologen zeigte er sein penibel geführtes Fahrtenbuch. Der Mediziner staunte – aber hatte keine Bedenken. Er solle die Aktivität weiter führen. „Nur meine Frau findet meine Touren inzwischen nicht mehr so gut“, sagt Kiesau. Eine Unterstützerin hat er aber in seiner Tochter, die Ärztin ist. „Sie sagt, solange es mir Spaß macht, soll ich weitermachen.“ Durch das Radfahren allein fühlt sich Kiesau längst nicht ausgelastet. Er spielt außerdem noch Badminton und Tischtennis. Dabei geht es ihm nicht nur um die sportliche Betätigung. Immer wieder sucht er das Gespräch mit den Menschen, denen er unterwegs begegnet. „Man kann sich mit Leuten unterhalten. Sie sind freundlich, lustig, angenehm.“

Im Januar hat er seine Jahresplanung für 2015 ausgearbeitet. Höhepunkt soll eine Tour nach Boltenhagen in Mecklenburg-Vorpommern sein, wo ein großes Radsport-Treffen stattfindet. Natürlich ist er wieder bei der schleswig-holsteinischen Radsport-Rallye dabei. Ob er alle Ausschreibungspunkte wieder anfährt, weiß er noch nicht.

Übrigens ist er nicht mehr auf dem Damenrad seiner Frau unterwegs. Schon 2013 schenkten seine Kinde ihm ein neues Trekkingrad zu Weihnachten. Auf die Frage, ob er sich bald ein Elektro-Fahrrad zulegen möchte, antwortet er mit einem Lächeln: „Solange ich ein echtes Fahrrad fahren kann, werde ich nicht umsteigen.“

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erstellt am 03.Mär.2015 | 13:01 Uhr

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