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Volksfeststimmung in Haithabu : 1000 Taufpaten für ein Wikingerboot

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Stapellauf des ersten seit 1000 Jahren in Haithabu gebauten Schiffes wird zum Großereignis. Auch die Herbstmesse entpuppt sich als ein Publikumsmagnet.

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2014 | 07:04 Uhr

„Ihr könnt alle nach Hause gehen, das Schiff ist gesunken.“ Zum Glück verbarg sich hinter dieser Aussage eines Mannes, der den Massen auf dem Weg zum Wikingermuseum Haithabu entgegen kam, nur ein Scherz. Davon konnten sich gestern die mehr als 1000 Zuschauer überzeugen, die den Stapellauf des dort neu gebauten Wikingerbootes miterlebten (wir berichteten).

In Scharen waren sie zu den Wikingerhäusern am Haddeyber Noor gekommen, um Zeugen eines wahrlich historischen Moments zu werden: Erstmals seit gut 1000 Jahren wurde in Haithabu wieder ein Wikingerschiff zu Wasser gelassen. Die Schlange an der Kasse war so lang, dass sich der Kaufmännische Geschäftsführer der Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen, Guido Wendt, spontan dazu entschloss, den Beginn der Zeremonie um 20 Minuten zu verschieben. Doch dann, um 11.20 Uhr, sprach er von seiner „großen Freude“ darüber, dass so viele Menschen gekommen waren. Unter den Zuschauern konnte er Landrat Wolfgang Buschmann ebenso begrüßen wie den Bürgermeister der Gemeinde Busdorf, Ralf Feddersen.

Die „Schiffsschmiede“ sei das mit Abstand aufwendigste Projekt gewesen, das bisher im Rahmen des alljährlichen Programms in Haithabu umgesetzt worden sei, fuhr Wendt fort. Und er dankte Kai Zausch dafür, dass er sich ein halbes Jahr aus seinem eigentlichen Beruf als Flugzeugbauer ausgeklinkt hatte, um ein Stück Wikingerkultur zum Leben zu erwecken. Auch wenn er zugab: „Im Mai und Juni gab es eine Zeit, in der ich keine Veränderungen sah, das hat mir schon Sorgen bereitet.“ Diese seien letztlich unbegründet gewesen, stellte Wendt zufrieden fest. Und erzählte schmunzelnd von einer weiteren Begebenheit, die sich ebenfalls im Mai ereignet hatte: „Eine Familie aus Bayern rief bei Ute Drews an, um einen Segeltörn auf dem Wikingerboot zu buchen.“

Passenderweise sind auch die Anfänge dieses Projekts mit einer Bootstour verbunden, erinnerte sich Museumsleiterin Ute Drews. Vor vier Jahren war Kai Zausch mit seinem slawischen Boot über die Schlei nach Haithabu gefahren und habe dabei die Idee für den Neubau eines Wikingerboots im Gepäck gehabt. Ohne es zu wissen, hatte er der Museumsleiterin damit eine Riesenarbeit abgenommen, „denn es gibt nicht viele Bootsbauer, die sowohl die Lust als auch das Können für ein solches historisches Projekt mitbringen“. Im Anschluss bekam sie aber noch genug zu tun – immerhin mussten Fördergelder in Höhe von 71 000 Euro eingeworben werden.

Der Mann der Stunde, Kai Zausch, kam dann gestern natürlich auch noch zu Wort. Er wurde mit so viel Applaus am Mikrofon begrüßt, dass er fast schon mahnte: „Vielleicht solltet Ihr damit besser warten, bis der Stapellauf erfolgreich war.“ Wie seine Vorredner zeigte er sich überwältigt von dem regen Interesse, „das hätte ich nie gedacht“. Danach übernahm er das Kommando und fragte: „Seid Ihr bereit?“ Die Antwort war einstimmig: „Ja!“ Doch bevor es los gehen konnte, mussten die Zuschauer erstmal Platz machen, „wir wollen den Stapellauf des Bootes ja nicht mit einem Opfer beginnen“, witzelte Zausch.

Sobald war eine Gasse eingerichtet und die Männer von „Opinn Skjold“ konnten das gut 800 Kilogramm schwere und neun Meter lange Boot anheben. Die extra bereitgelegten Holzbohlen wurden weggekickt – das Boot konnte problemlos zum Landesteg von Haithabu getragen werden. Unten angekommen suchten sich die Zuschauer am Ufer und dem vollen Steg den besten Platz aus. Danach wurde das Wikingerboot auf den Namen „Erik Steuermann“ getauft und mit zehn Riemen und einem halben Dutzend Sitzbänken ausgestattet. Der vermeintlich spannendste Moment erwies sich dann als relativ unspektakulär: Das Boot glitt reibungslos ins Wasser und konnte erfolgreich auf Jungfernfahrt gehen – mit Ute Drews und Kai Zausch an Bord. Passend dazu ließ sich auch die milde Herbstsonne hinter den Wolken hervorlocken.

Während ein Teil der Besucher das gute Wetter für eine Pause bei den Wikingerhäusern nutzte, gingen die anderen weiter zur Herbstmesse in den Museumsräumen. 30 Händler boten hier ihre wikingerzeitlichen Waren an – und Dank des großen Andrangs wurde es auch hier richtig eng. Über viele neugierige Fragen freute sich auch Barbara Baumgarten, die Stickereien mit Wikingermotiven nach dem Vorbild des Wandteppichs von Bayeux aus dem 11. Jahrhundert anfertigt: „Gestern Abend war ich vom Erklären schon ganz heiser.“

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