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Dina Hand : 100 Jahre alt – und im Heimbeirat unverzichtbar

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Dina Hand aus Jübek wurde 1915 geboren – und ist immer noch fit. Am Sonnabend feiert sie Geburtstag.

Heute feiert Katharina („Dina“) Hand bei guter Gesundheit ihren 100. Geburtstag mit Familie, Freunden und Bekannten in der Gastwirtschaft Goos in Jübek. Geboren wurde sie inmitten des 1. Weltkrieges in Dörpstedt-Klove. „Mien Vadder heff ick gor nich erst kennenlernt, he wer fulln“, erinnert sie sich. Zusammen mit ihrer Mutter Anna Dau und ihrem älteren Bruder Detlef ging es dann in bescheidenen Verhältnissen weiter. „Mien Mudder hett bi Buern in Ostenfeld und Hollingstedt as Wirtschafterin op Buernhöfe arbeitet“, so Dina. Die ersten beiden Schuljahre verbrachte sie in diesen Dörfern. „Dor heff ick uck dat erste Mol hochdüütsch hört.“

Mit neun Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Schuby-Jägerkrug. Dort hatte ihre Mutter eine Stelle bei dem verwitweten Landwirt Johannes Schmidt angenommen. „Dor weern veer Deerns und wi keem dorto, to tweet schleepen wi in een Bed“, erzählt sie. Besonders gern erinnert sie sich an ihren Stiefvater Johannes zurück: „De hett allns för mi mokt.“ Von Jägerkrug aus ging es zu Fuß „op Klotzen“ die fünf Kilometer zur Schule nach Silberstedt. Mit 14 kam Dina nach Friedrichsau zu Lehrer Kruse, um dort den Haushalt zu führen. Mit 15 wechselte sie nach Bollingstedt und war für Jahre bei dem Gastwirtsehepaar Anna und Hans Johannsen beschäftigt. Durch ihre humorvolle, aber auch bestimmte Art half sie hier. „Jümmers, wenn de dunen Lüüd nich no Huus wulln, denn hett man mi weckt und ick durf se ruutkomplementärn.“

Bei einem Ball der Mädchengilde lernte sie 1933 ihren späteren Ehemann Willi Hand kennen. Er war selbstständiger Malermeister in Bollingstedt. 1936 feierte man die Verlobung, am 13. November 1937 war Hochzeit und am 17. November 1939 wurde Tochter Karin geboren. Im Sommer 1939 erwarb das Ehepaar die Kleinbauernstelle von Peter Rathje in Bollingstedt. Der ehemalige Schweinestall wurde zu einer Malerwerkstatt umgebaut.

Doch das Eheglück wurde durch den 2. Weltkrieg jäh beendet. Ehemann Willi wurde am 1. Mai 1940 eingezogen und war ab Sommer 1941 Teilnehmer am Krieg im Osten. „Mien Schwiegermudder harr fief Jungs an de Front und wi hebbt jeden Dag an se dacht“, fährt sie fort. Drei Söhne fielen. „Mien Willi erkranke in Fröhjohr 1944 in Russland an Lungenentzündung und keem nich wedder torüch“, trauert sie noch heute. Eine schwere Zeit hatte sie nun zusammen mit ihrer viereinhalb Jahre alten Tochter Karin durchzustehen. Das Haus war noch nicht abbezahlt und die Beschaffung von Lebensmitteln und Brennstoffen musste geregelt werden. Auf dem nahegelegenen Flugplatz in Eggebek fand sie Anstellung in der Küche. „Vörher musse ich noch in Heid een Feldköökenkookkurs absolveern“, so Dina.

Nach Kriegsende hat sie noch eine Zeit lang für die britischen Besatzungssoldaten gekocht. Ihre optimistische Lebenseinstellung half auch in dieser schweren Zeit über Hindernisse hinweg. Immer wenn große Festlichkeiten anstanden, holte man Dina. Sie war für ihre Kochkünste bekannt und half in den umliegenden Gastwirtschaften und Privathaushalten aus. Das Brennmaterial zum Kochen musste in Körben herangeschleppt werden.

Eine Episode aus dem Jahre 1946 hat sie nicht vergessen. Im Bollingstedter Moor wurden Parzellen verlost, um an den Brennstoff Torf heranzukommen. Mühsam hatte sie sich aus einer nassen Ecke den Torf zum Trocknen an den Wegrand gestapelt. „Wie ick mit Broder Detlef de Torf avholn will, is allns wech“, so Dina. Die Not war groß und so hat sie einmal im Leben etwas gemacht, „wat sick nich schickt. Ick heff mi vun de annern Dütt Torfstücke nohm, um wat ton Böten to hem.“

In Bollingstedt war sie aktiv tätig beim Kartenspielen und beim Anfertigen von Handarbeiten. Eine glückliche Zeit verbrachte sie mit ihrem späteren Lebenspartner Willi Draheim aus Glücksburg. Mit ihm ist sie neun Mal in die USA gereist, um dort seine Kinder zu besuchen. Willi verstarb im März 1998, aber die Kontakte zu Amerika sind geblieben. „Leider kööt de nicht o mien Geburtsdag komen, wieldatt se kümmerlich sind“, bedauert Dina.

Seit vier Jahren lebt sie in einer Pflegeeinrichtung in Jübek. Die vitale Rentnerin wurde gleich in den Heimbeirat gewählt und sogar im November als Beirats-Chefin wieder bestätigt. „Ick wull mit 100 egentlich beten körter pern, over de Mitbewohner seggten: Wi bruuken di, du lötst di nich allns gefallen!“

Ihr ganzer Stolz sind die zwei Enkelkinder und drei Urenkel. Dina bekommt regelmäßig Besuch von ihren vielen Bekannten aus der Umgebung. Sie nimmt noch an den Versammlungen des DRK-Ortsvereines und des Singkreises in Bollingstedt teil.

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