Schleswig : 100 000 junge Aale für die Schlei

Ab in die Freiheit: Die Jungaale wurden per Eimer in die Schlei entlassen.
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Ab in die Freiheit: Die Jungaale wurden per Eimer in die Schlei entlassen.

Gestern wurden vom Holm aus insgesamt 465 Kilogramm Jungfische in die Freiheit entlassen.

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07. Juni 2018, 07:00 Uhr

Es gab Zeiten, da brachten die Holmer Fischer nur äußerst selten einen Aal mit an Land. Das hat sich in den vergangenen Jahren wieder geändert. „Zum Glück“, wie Ältermann Jörn Ross betont, „inzwischen ist der Aal wieder unser Hauptgeschäft.“

Das liegt in erster Linie daran, dass seit 2010 jährlich etliche Tausend Jungtiere des schlangenförmigen Fisches in die Schlei ausgesetzt werden. Vor neun Jahren waren es zunächst rund 33 000 Exemplare. Diesmal sind es über den Sommer verteilt (siehe Infokasten) 550 000. Die eine Hälfte davon sind winzige Glasaale, die andere Hälfte sogenannte Vorgestreckte, die auf ein Körpergewicht von etwa fünf Gramm vorgemästet wurden und bis zu sieben Zentimeter lang sind. Rund 100 000 davon wurden gestern am Holm in Schleswig angeliefert und von dort aus von den Fischern in der Inneren Schlei ausgesetzt.

„Die ersten positiven Ergebnisse dieser Aktionen haben wir ja schon. Es werden viel mehr Aale gefangen als noch vor einigen Jahren“, sagte auch Fischer Olaf Jensen aus Kappeln, der das „Aalutsetten“, wie es offiziell heißt, seit Jahren organisiert und in diesem Zuge nun den „Förderverein zur Erhaltung maritimer Lebensformen und -räume“ ins Leben gerufen hat. Denn der Aal müsse als heimische Fischart erhalten und befischbar bleiben, so Jensen.

Vier bis fünf Jahre werden die Jungtiere, die gestern ausgesetzt wurden, wachsen müssen, damit sie groß genug sind, um verspeist zu werden. Wie viele es von den 100 000 schaffen, weiß dabei niemand. Schon gestern war für einige der Schleiaufenthalt nach nur wenigen Augenblicken gleich wieder vorbei. Denn die Möwen bekamen schnell mit, dass es reichlich Frischfisch gab. Auch die Kormorane, darin sind sich Ross, Jensen und ihre Berufskollegen einig, werden sich in den nächsten Wochen und Monaten nicht wenige der Aale holen. Das gilt auch für die Maränen, von denen kürzlich ebenfalls rund 100 000 Jungfische in der Schlei ausgesetzt wurden.

Zumindest aber sorgen diese Aktionen dafür, dass die Fischer auch in Zukunft genügend Fische aus ihren Netzen und Reusen holen können. Allerdings gebe es dabei nicht mehr die Vielfalt wie vor Jahren noch. „Im Moment haben wir nur eine eingeschränkte Auswahl“, erklärte Jörg Nadler. Zander und Meerforelle würde er seit Monaten so gut wie gar nicht mehr fangen, auch die Heringssaison sei – bedingt durch den späten Frühjahrsbeginn – eher mäßig ausgefallen. Dafür hatte er im Mai einen Atlantischen Stör in der Reuse. „Zum ersten Mal in meinem Leben“, wie Nadler betonte. Den äußerst seltenen Fisch hat er direkt wieder ins Schleiwasser entlassen.

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