Orkan „Christian“ : 10 000 Haushalte ohne Strom

Die Leitstelle in Harrislee arbeitete am Montag zwar am Limit, dennoch brachen die Leitungen zeitweise zusammen, so dass die Feuerwehren ihre Einsätze im Kreis selbst koordinieren mussten. Durch den Sturm wurden zahlreiche Freilandleitungen beschädigt.

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30. November 2013, 18:55 Uhr

Abgedeckte Dächer, entwurzelte Bäume, blockierte Straßen und Gleise – Sturmtief „Christian“ forderte den Einsatzkräften von Feuerwehr, technischem Hilfswerk (THW) und Polizei am Montag alles ab. Mehr als 450 Einsätze registrierte die Rettungsleitstelle Harrislee im Kreisgebiet. Doch das, sagt Sprecher Klaus Lindner, war nur ein Teil der tatsächlich zu leistenden Hilfe. Viele Anrufe drangen nicht mehr zur Leitstelle durch, zahlreiche Wehren mussten auf eigene Faust agieren, weil die Leitungen vollkommen überlastet waren. „Bei uns in der Leitstelle war die Lage genau so dramatisch wie bei den Bürgern draußen im Kreis“, so Lindner. Die Einsätze wurden nach Dringlichkeit abgearbeitet. Im gesamten Polizeidirektionsbereich Nord wird die Einsatzzahl zu den Sturmschäden auf rund 1000 geschätzt. Gestern beruhigte sich die Lage, auch wenn sich zahlreiche Schäden an Gebäuden erst am Morgen bei Tageslicht zeigten. Bis Mittag verzeichnete die Leitstelle rund 250 weitere Sturmeinsätze im Norden.

Vor Husby blieb gegen 16 Uhr ein Zug stecken. Mehreren Feuerwehren mussten die Gleise nach Angaben Lindners bis zum Bahnhof Flensburg regelrecht freischneiden, weil so viele Bäume auf die Gleise gestürzt waren. Der Einsatz dauerte rund vier Stunden. Für die Passagiere wurde ein Ersatzverkehr eingerichtet. Allein im Amt Haddeby waren mehr als 100 Einsatzkräfte der acht Feuerwehren rund um die Uhr im Einsatz.

Die Schleswig-Holstein Netz AG verzeichnete 28 Störungen ihrer Leitungen. Laut Pressesprecher Ove Struck waren rund 10 000 Haushalte im Kreisgebiet vorrübergehend ohne Strom. In Hüllerup etwa hatte der Sturm 20 Pappeln umgerissen. Dadurch wurde das darunter liegende Mittelspannungskabel freigelegt, Kurzschlüsse und Stromausfall waren die Folge. In Selk im Altmühltal fielen Bäume auf eine Mittelspannungsfreileitung und verursachten einen Kurzschluss, in Eggebek wehte ein Dach auf eine Freileitung. Zu einem besonderen Notfall mussten die Spezialisten der Netz AG am Montagabend ausrücken: Besorgte Landwirte aus Hüsbyfeld hatten um Hilfe gerufen – wegen des Stromausfalls konnten sie ihre Kühe nicht melken. Die Mitarbeiter setzten Notstromaggregate ein, um das maschinelle Melken zu ermöglichen.

Die meisten Betroffen hätten bereits im Laufe des Montagnachmittags, spätestens aber im Laufe des Abends, wieder Strom gehabt, erklärt Struck. Gestern Nachmittag waren seinen Angaben zufolge noch knapp 100 Haushalte im Kreisgebiet ohne Strom. Die meisten von ihnen sollten noch im Laufe des frühen Abends wieder an die Stromversorgung angeschlossen werden. Nur in einigen abgelegenen Teilen des Kreises und im Fall besonders schwerer Leitungsschäden könne es noch zu weiteren Verzögerungen kommen, darunter Klappholz, Großsoltholz und Steinberghaff, so Struck. „Da versuchen wir mit Notstrom zu helfen.“ Bis auf weiteres sind noch neun Notstrom-Aggregate im Kreisgebiet im Einsatz.

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