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Schleswiger Nachrichten

19. August 2017 | 02:15 Uhr

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wer das Gefühl hat, im Leben auf der Stelle zu treten, sich privat oder beruflich verändern zu müssen, das allein aber nicht schafft – jemandem in dieser Situation zu helfen, dazu hat Michael Zemlin richtig Lust. Ob nun ein Jugendlicher, der nach dem Abi nicht weiß, was er machen soll, eine übergewichtige Frau, die sich fest vorgenommen hat, den Lauf zwischen den Meeren zu meistern, oder eine Verkäuferin, die neue Ziele erreichen will: Wer auch immer in der ersten Etage seines nahezu versteckt gelegenen Einfamilienhauses im 600-Seelen-Dorf Niesgrau Platz nimmt, kann sich seiner vollen Aufmerksamkeit sicher sein. Durch das Fenster von Zemlins Coaching-Zimmer streift der Blick über scheinbar endlose Felder, Knicks und ganz viel Himmel. Hier führt der 55-Jährige mit seinen „Klienten“ lange Gespräche, um zu erfahren, womit sie unzufrieden sind, was sie beschäftigt. Zemlin coacht Menschen, will sie glücklicher, zufriedener, erfolgreicher machen.

Er ist jedoch nicht irgendein Coach: Der Vater zweier erwachsener Töchter nennt sich „Actors & Business Coach“, kombiniert die Elemente Schauspiel und Geschäftswelt und ist mit diesem Konzept im Norden allein auf weiter Flur. Während der freiberuflichen Beschäftigung baut er auf das, was er in Berlin an Theatern, an der Deutschen Oper und in der Filmbranche, ob hinter den Kulissen, auf der Bühne, hinter der Kamera, als Komparse, Regisseur, Schauspieler oder Balletttänzer alles gelernt hat – und auf seine Zeit als Erzieher und das, was er in 28 Jahren in leitenden Funktionen in der Finanzbranche, als Vertriebsleiter oder bei der Schulung von Führungskräften, erlebt hat. Heute ist er hauptberuflich Regisseur und Produktionsleiter, dreht in der ganzen Region Imagefilme; seit April dieses Jahres, also seit er nach einem Jahr das entsprechende Zertifikat in Händen hielt, ist sein zweiter Hauptberuf aber Coach. „Ihr Auftritt, bitte…“ lautet sein Motto.

Zemlin stammt aus Berlin, wo er den Magister in Theater-, Film-, Musik- und Literaturwissenschaften machte, zog mit seiner Frau jedoch vor 30 Jahren an die Geltinger Bucht, wo er als Student sieben Jahre lang in den Semesterferien als Erzieher ein Berliner Zeltlager in Pommerby begleitete und oft Urlaub machte. Er lebte zunächst 17 Jahre lang im Kutscherhaus des Geltinger Wasserschlosses, dann in Koppelheck, wo seine Frau das Café Kranz betrieb, und zog dann vor acht Jahren mit ihr und den Töchtern nach Niesgrau-Stausmark ins einstige Versammlungshaus der dänischen Minderheit. In seinem Leben hat der aparte Mann, der immer ein Lächeln im Gesicht hat, viele Menschen kennen gelernt. „Ich wollte immer Coach werden, das war mein Traum.“ Er habe eines Tages gemerkt, dass er mit seinen Ideen Menschen dabei helfen kann, den nächsten Schritt im Leben zu gestalten.

Coach zu sein – dazu gehöre eine Menge Kreativität, aber auch Einfühlungsvermögen. „Der Klient muss aber auch offen für Veränderungen sein, seine Komfortzone verlassen und in die Lernzone eintreten“, erklärt Zemlin. „Er muss es wollen.“ Warum ein Coach nötig sein kann, erklärt er so: „Wenn ich an eine Grenze stoße, mir nicht mehr selbst helfen kann, brauche ich jemanden, der mich unterstützt – so wie man sich an einen KFZ-Mechaniker wendet, wenn etwas mit dem Auto ist.“ Und er ergänzt: „Das Bedürfnis, Hilfe zu brauchen, passiert jedem im Leben.“

Überwiegend macht er berufliches Coaching, trainiert Körpersprache, Sprachtechniken, arbeitet Lebensläufe durch, entwickelt mit Klienten Ideen für die Zukunft. Auch nach einem Burn-Out oder bei Mobbing hilft er weiter. Klienten müssen aber nicht unbedingt zu ihm kommen: Er fährt auch zu ihnen, begleitet sie in cognito zu Terminen oder eben auch Schauspieler bei Castings. Wichtig sei stets absolute Diskretion, und natürlich gebe es Grenzen. „Wenn ich merke, dass ein solch großes Problem besteht, dass ich nicht weiterhelfen kann, rate ich dazu, sich einen Psychiater oder Arzt zu suchen. Das ist dann nicht mehr Aufgabe eines Coaches.“ Der Bedarf an Coachings steigt, sagt Zemlin. Dafür müsse man schon ein wenig Geld in die Hand nehmen, sein Verdienst stehe für ihn jedoch nicht an erster Stelle – zu sehr begeistere es ihn, sich mit Menschen und ihrem Verhalten zu beschäftigen. Das erste Treffen ist kostenlos, das Honorar für weitere Termine macht er vom Gehalt des Klienten abhängig. „Wenn jemand arbeitslos ist, dann finden wir schon eine Lösung.“

Zemlin spielt Klavier, singt in Chören („Singen macht glücklich“), fährt Kajak, joggt und macht Bühnen-Fechten. „Die Vielseitigkeit des Lebens hat mich schon immer fasziniert.“ Er versucht, ganzheitlich zu leben, sucht Harmonie, betont aber: „Das Ziel, auch bei einem Coaching, sollte nie Perfektion sein, das frustriert nur, weil man das selten schafft.“ Viele seiner Klienten seien weiblich, verrät er. Zu einer sagte er erst kürzlich: „Komm Mädel, heute erschießen wir den inneren Schweinehund.“


>www.a-b-coaching.net

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erstellt am 23.Aug.2014 | 07:45 Uhr

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