zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

23. Oktober 2017 | 08:44 Uhr

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

von
erstellt am 07.Dez.2013 | 00:35 Uhr

Der Orkan „Xaver“ hielt die Rettungskräfte im Kreis zwar in Atem, erwies sich jedoch als deutlich weniger folgenreich als erwartet. Zwar rauschte er mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 150 km/h übers Land, doch Schäden, wie sie vor fünf Wochen „Christian“ hinterlassen hatte, waren in den vergangenen zwei Tagen im Kreisgebiet nicht zu verzeichnen. Gestern ließ der Sturm nach, es setzte erstmals Schnee ein. An der Ostseeküste wurde Hochwasser vorhergesagt, zunächst zog sich die See jedoch weit zurück.

In Langballigau ging seit Donnerstagmittag der Pegelstand steil nach unten. Gestern erreichte er gegen 8.30 Uhr seinen Tiefstwert mit 2,07 Metern unter Normal. Große Teile des Hafens wurden trocken gelegt. Davon betroffen war neben den wenigen noch vorhandenen Hafenliegern auch die „Werner Kuntze“ von den Seenotrettern der DGzRS. „Das Boot liegt voll auf Schiet“, sagt Vormann Hannes Lund. Glücklicherweise habe es keine Rettungseinsätze gegeben, denn ein Auslaufen wäre vollkommen unmöglich gewesen. So steil wie der Wasserstand abgefallen war, so steil kletterte er im Laufe des Tages auch wieder nach oben. Um 15 Uhr war er schon wieder um etwa 1,3 Meter gestiegen und lag nur noch um 75 Zentimeter unter Normal.

Die Maximalgeschwindigkeit von „Xaver“ im Kreisgebiet wurde mit 158 km/h in Glücksburg-Meierwik gemessen. Doch trotzdem hatte die Ortswehr in Glückburg weniger zu tun als bei Orkan „Christian“. Ortswehrführer Bastian Meyer sagt aber: „Wir waren von zehn bis 23 Uhr im Einsatz und sind jetzt noch dabei, Bäume zu entfernen, die auf Gebäude stürzen könnten.“ Insgesamt seien sie am Donnerstag 34 Mal und gestern Vormittag zehn Mal ausgerückt.

Ein ähnliches Bild ergab sich bei den Feuerwehren, die seit Donnerstagvormittag Amtswehrführungsstellen gebildet hatten, um den erwarteten Druck von der Zentralen Leitstelle in Harrislee abzuleiten. „Um 22.45 Uhr wurden die Leitstellen aufgelöst“, erklärte Helmut Schwebel, stellvertretender Amtswehrführer von Süderbrarup. Zu tun war bis dahin sehr wenig. Der einzige Einsatz der Feuerwehren im Amt Süderbrarup betraf eine Biogasanlage und war ein Fehlalarm. Im Zuständigkeitsbereich der Kooperativen Regionalleitstelle Nord wurde zu insgesamt über 134 sturmbedingten Einsätzen ausgerückt. Grundsätzlich blieb es bei Sturmschäden wie umgestürzten Bäumen, herabfallenden Ästen und beschädigten Verkehrszeichen, wobei die Gefahrenstellen jeweils abgesichert und größtmöglich von Fachkräften der Kommune beseitigt werden konnten.

Etwas mehr zu tun hatten die Feuerwehren im Amt Südangeln. „Wir hatten etwa 20 bis 25 Einsätze“, erklärte Amtswehrführer Klaus Uck. Außer einem Wassereinbruch im Havetofter Hovtoft Krog, der abgepumpt werden konnte, gab es nur umgestürzte Bäume, die Straßen blockierten. Außergewöhnlich war in diesem Bereich die Beobachtung eines Kugelblitzes in Uelsby gegen 16 Uhr. „Urplötzlich sah ich in etwa 50 Metern Höhe eine frei schwebende orangefarbene Kugel, die etwa vier Sekunden lang zu sehen war“, erzählt Augenzeuge Alfred Mozarski. Diese sei dann mit einem lauten Knall verschwunden.

Amtswehrführer Uck macht den Blitz dafür verantwortlich, dass danach das Stromnetz über kurze und der Mobilfunk über längere Zeit unterbrochen war. Der Blitz war laut Eon-Hanse-Pressesprecher Ove Struck gegen 16 Uhr in eine Windkraftanlage eingeschlagen und dadurch gab es einen Überspannungsschaden im Stromnetz der Schleswig-Holstein Netz AG. Im Zuge dessen kam es im Amt Südangeln zu Stromausfällen in den Gemeinden Struxdorf, Böklund, Twedt, Nübel, Tolk und Uelsby und im Amt Mittelangeln. In den einzelnen Gemeinden dauerten die Stromausfälle bis zu einer Stunde an, gegen 19 Uhr seien jedoch alle Kunden wieder am Netz gewesen.

Auch die Freiwilligen Feuerwehren im Bereich des Amtes Oeversee sowie Haddebys Wehren hatten entgegen der Befürchtungen mit insgesamt 15 bzw. neun Einsätzen verhältnismäßig wenig zu tun. Vereinzelt ein kleinerer entwurzelter Baum oder abgeknickte Äste in Borgwedel, Selk und in Dannewerk, die kurzerhand von den Feuerwehren vor Ort weggeräumt wurden – eine große Schadensmeldung oder Rettungsaktion blieb jedoch aus. „Glücklicherweise kamen wir glimpflich davon. Die Koordination der Einsatzkräfte hat bestens geklappt“, sagte Amtswehrführer Malte Simonsen.

Wesentliche Schäden wurden nur aus dem Bereich der Forste gemeldet. Waldbesitzer Johannes Petersen aus Böklund, der bereits bei Sturm „Christian“ sechs Hektar Wald verloren hat, büßte vom Restbestand noch einmal 30 Prozent ein. „Ich freue mich jetzt nur darüber, dass die Holzerntemaschine noch bei mir im Wald steht und nicht noch einmal neu anrücken muss“, erklärt er mit Galgenhumor.





zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen