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Schleswiger Nachrichten

16. August 2017 | 22:17 Uhr

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach dem Abitur ein Jahr ins Ausland – dieses Vorhaben ist bei vielen Schülern immer beliebter geworden. Auch bei Fabian Kamp. Der 19-Jährige beginnt im September sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Dafür hat er sich ein besonderes Land ausgesucht: Bolivien. In der zweitgrößten Stadt des südamerikanischen Andenstaates, Santa Cruz, wird er Straßenkinder eines Heims betreuen. Santa Cruz hat knapp zwei Millionen Einwohner und ist damit um einiges größer als Kamps kleiner Heimatort.

Für den jungen Mann ist es das erste Mal, dass er seine Heimat für so lange Zeit verlässt. Doch Sorgen macht er sich deswegen nicht. Auch wenn er weiß, dass er Heimweh bekommen könnte, freut er sich auf die neue Herausforderung. Vor einem Jahr hat er sich bei der katholischen Ordensgemeinschaft Don Bosco für das FSJ beworben. Nach drei Vorbereitungsseminaren im Januar, Juni und Juli fühlt er sich nun fit für das Abenteuer. In den Lehrgängen lernte er beispielsweise, wie er mit dem Kulturschock und den Kindern vor Ort umgehen muss.

Dass er sein FSJ in Lateinamerika verbringen möchte, stand für ihn von vornherein fest. „Ich habe auf dem Bewerbungsbogen Argentinien als Wunschland angegeben“, erinnert er sich. „Aber auch Südafrika wäre eine Option gewesen.“ Letztendlich hat er sich jedoch für Bolivien entschieden – wegen des Projekts. In Santa Cruz wird er an sechs Tagen pro Woche Straßenkinder betreuen. Fußball spielen und Hausaufgaben nachsehen gehören unter anderem zu seinen Aufgaben. Was sonst noch auf ihn zukommt, weiß er nicht, er lässt sich einfach überraschen.

Untergebracht ist der Großsolter nicht in einer Gastfamilie, sondern mit anderen Freiwilligen in einem Volontärshaus. Dort teilt er sich ein Zimmer mit Mario-Konstantin Pless, einem Abiturienten aus Köln. Die beiden haben sich schon bei den Seminaren kennen gelernt und werden vor Ort in einem Blog über ihre Erlebnisse und Erfahrungen berichten (www.strassenkinder.de/santacruz). Am 4. September fliegen sie zusammen über den Atlantik. Dann geht es von Frankfurt über Sao Paulo nach Santa Cruz. Eine lange Reise.

Und wie sieht es mit den Sprachkenntnissen aus? „Ein bisschen Spanisch spreche ich“, sagt Kamp und lacht. „Aber wir haben in den ersten zwei Wochen einen Sprachkurs.“ Das ist wichtig, denn auch wenn die internationalen jungen Leute oft unter sich sein werden, müssen sie sich im Land verständigen können. Oder um durch Südamerika zu reisen. Argentinien, Uruguay und Brasilien möchte der Weltenbummler kennen lernen. Aber noch ist er bescheiden: „Ich weiß überhaupt nicht, ob das Geld dafür reicht.“ 100 Euro Taschengeld bekommt er im Monat. Außerdem muss er innerhalb des nächsten Jahres Spender finden, denn 1800 Euro muss er zu seinem Aufenthalt selbst beisteuern. Der größte Teil der Kosten wird vom Bundesministerium mit dem „Weltwärts“-Programm“ und Don Bosco gefördert.

Wenn alles klappt, kann ihn seine Familie im nächsten Jahr besuchen. „Vor Februar dürfen wir keinen Besuch bekommen“, erzählt er. „Wir sollen uns ja erst einmal in dem fremden Land einleben.“ Bis dahin bleibt Kamp mit den Daheimgebliebenen über das Internet in Kontakt.

Was nach seiner Rückkehr passiert, darüber macht er sich noch keine Gedanken. Der Beginn eines Studiums ist aber sehr wahrscheinlich. Nur bei der Fächerwahl gibt es noch Zweifel. Sicher ist jedenfalls, dass er in einem Jahr mit einer anderen Sichtweise nach Deutschland zurückkommt. „Die Erfahrungen in Bolivien werden mich prägen“, sagt der 19-Jährige. „Nichts wird mehr so sein wie zuvor, wenn ich wieder in Deutschland bin.“

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erstellt am 23.Aug.2013 | 19:16 Uhr

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