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Schleswig Robbe wagt sich in die Schlei vor

Von oje | 10.09.2014, 12:04 Uhr

Gallbergschüler machen beim Segeln eine erstaunliche Entdeckung: Eine Robbe am SSC-Hafen in der Schlei. Holmer Fischer berichten von weiteren Sichtungen.

Schon vor gut einer Woche hatte sich ein Leser in der SN-Redaktion gemeldet und von einer Robbe berichtet, die er in der Schlei zwischen Fahrdorf und Stexwig beobachtet hatte – ohne allerdings ein Beweisfoto zu schicken, wie Suzanne Willim es jetzt geliefert hat.

Dass Robben an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste auftauchen, ist in jüngster Zeit immer wieder vorgekommen. Die Robbe aus dem SSC-Hafen aber muss nicht nur durch die enge Schleimündung getaucht sein, sondern auch 42 Kilometer an Kappeln und Arnis vorbei, unter der Brücke von Lindaunis hindurch und durch die Missunder und die Stexwiger Enge. Der Holmer Fischer Jörg Nadler hat keinen Zweifel daran, dass das gelingen kann. Der Fachmann für historische Fischerei weiß von archäologischen Funden, die belegen, dass Robben in der ausgehenden Steinzeit auch an den Flussläufen tief im Landesinnern des heutigen Mecklenburg gejagt wurden. Erst in diesem Frühjahr wurde eine Robbe in Malchin an der Mecklenburgischen Seenplatte beobachtet. Sie war offenbar 100 Kilometer den Peene-Kanal hinaufgeschwommen.

In der westlichen Ostsee wurde die Kegelrobbe im 19. Jahrhundert weitgehend ausgerottet. Die Fischer sahen sie als Konkurrenz. „Inzwischen werden die Robben wieder deutlich mehr“, sagt Nadler. Es überrasche ihn nicht, dass die eine oder andere auch den Weg in die Schlei finde. Im letzten Jahr habe er selbst einmal eine Robbe gesehen.

Das Auftauchen der neuen Besucher beobachtet er mit gemischten Gefühlen. „Bei meinen Kollegen auf der Ostsee richten sie erhebliche Schäden an.“ Von dem einzelnen Tier am SSC-Hafen indes geht noch keine Gefahr für das Fischereiwesen aus. Suzanne Willim war so überrascht, dass sie sogar die Polizei rief. Sie sorgte sich, ob die Robbe in der Schlei überhaupt überleben kann. Nadler hat da keine Bedenken. Fische zum Fressen sind vorhanden, „und Sandbänke und geschützte Uferbereiche haben wir hier auch“.