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Steinbergkirche "Lichtblicke" aus fließenden Farben

Von Ursel Köhler | 04.09.2010, 06:47 Uhr

Nicht an ein Motiv klammern, sondern es los und mit Farbe fließen lassen, so umschreibt Ursula Wendrich ihr künstlerisches Schaffen.

Dieses Loslassen kann es durchaus mit sich bringen, dass das ins Auge gefasste Lavendel-Motiv zu einem Bärenklau-Bild wird. Bei alledem sind der 1941 in Flensburg geborenen und seit Anfang der 1970-er Jahre in Steinbergkirche lebenden Künstlerin ihre "Lichtblicke" wichtig - "Punkte", die den Blick des Betrachter auf sich ziehen, das Hell-Dunkel-Farbspiel beeindruckend zur Wirkung bringen. Diese "Lichtblicke" sind für Ursula Wendrich zudem Ausdruck für Lebensbejahung, Intensität und Kreativität.

Aufgewachsen ist sie in einer Künstlerfamilie: Der Großvater war Fotograf und Maler, der Stiefvater Maler und Polizist. Dessen Staffelei hält Ursula Wendrich in Ehren und benutzt sie bis heute. Der Umgang mit Farben von Kindesbeinen an führte dazu, dass sich die damals junge Frau, die zunächst den Beruf der Drogistin erlernte, schon sehr bald ihrer eigenen Kunst zuwandte. Als ihr Mann Uwe - Lehrer und Musiker - 1968 in der kolumbianischen Stadt Cali einen Auslandsaufenthalt antrat, gingen sie und die beiden Kinder mit. Ursula Wendrich nutzte die Zeit bis 1972 zu einem Studium an der "Academia de bellas Artes" - Akademie der schönen Künste und zu Studienreisen. In Cali war sie dank einer Haushälterin frei für ihre Kunst: "Ich war fasziniert von der Farbintensität Kolumbiens." Ihre Eindrücke hielt sie in Bildern fest: "Die überwältigenden Impulse der tropischen Farbenpracht, der indianischen und südamerikanischen Kultur intensivierten mein Schaffen." Und sie fand viel Anerkennung - bei Ausstellungen in Cali ebenso wie beim Goethe-Institut in der Hauptstadt Bogota.

Entstanden in Südamerika vor allem Werke in Öl, so wechselte die Künstlerin in jüngster Vergangenheit zu Acrylfarben. Ursula Wendrich ist eine Künstlerin, die liebend gern experimentiert, stets auf der Suche nach Neuem ist. Und weil sie inmitten von sie inspirierenden Motiven - Landschaft, Wasser, Blumen - lebt, das Malen für sie gleichermaßen Muße und Anstrengung ist, malt sie auch mit Aquarellfarben auf Seide. Daran reizen sie besonders die Zufälligkeiten der Nass-in-Nass-Technik. Daraus hat sie eine Mischtechnik aus Aquarell und Pastellkreide entwickelte - der weicheren Konturen wegen. Ursula Wendrich: "Ich mag die vitale Sinnlichkeit der Farben, dynamische Details, die die Fantasie anregen. Ich bin dankbar dafür, in Landschaften gelebt zu haben und zu leben, die mir Lichtblicke vermitteln."

Zurück in Deutschland trat Ehemann Uwe seinen Schuldienst in Sterup an, zusammen bauten sie in Steinbergkirche ein Haus, wobei Ursula Wendrichs Wunsch nach einer Galerie erfüllt wurde. Diese wurde für sie selbst und andere Künstler zu einer guten Möglichkeit, sich zu präsentieren. Das sprach sich herum, zog Kreise - sogar Egon Bahr, von 1972 bis 1974 Bundesminister für besondere Aufgaben und danach bis 1976 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, mischte sich unter die Besucher. Manchmal gab es in der Wendrich-Galerie bis zu vier Ausstellungen im Jahr, parallel dazu stellte die Künstlerin im Kreis und auch in Niedersachsen aus. Das ging so bis 2003.

"Man wird nicht jünger und die Organisation ist sehr aufwändig", sagt Ursula Wendrich zu ihrem Entschluss, die Pforten ihrer Galerie für Ausstellungen zu schließen. Natürlich gibt es die Galerie mit Bildern der Steinbergkirchener Künstlerin weiterhin. Wer sie besuchen möchte, ist nach vorheriger Absprache willkommen. Vielleicht, sinniert sie, werde sie die Galerie noch einmal öffnen - für eine Mutter-Sohn-Ausstellung. Denn ihr Sohn Dirk ist ebenfalls Maler.