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Schleswig Ende der Karriere nach dem Bruch mit Dänemark

Von Bernd Philipsen | 17.06.2013, 03:59 Uhr

Graf von Reventlou war Jurist, Minister und Statthalter

Als sich 1848 eine Provisorische Regierung für Schleswig-Holstein konstituierte, war von Beginn an ein gebürtiger Schleswiger dabei: Friedrich Graf von Reventlou wurde in dem sechsköpfigen Kabinett Minister der auswärtigen Angelegenheiten, übernahm zusätzlich das Innenressort und hatte damit eine Schlüsselposition inne. Der adlige Politiker, Jurist und Klosterprobst gehörte als Repräsentant der Ritterschaft dem konservativen Flügel an. Nach dem Abdanken der Regierung nach nur wenigen Monaten wurde ihm zusammen mit Wilhelm Beseler, dem bisherigen Präsidenten der Provisorischen Regierung, das Amt des Statthalters der Herzogtümer Schleswig und Holstein übertragen.

Die Familie Reventlow gehört zum schleswig-holsteinischen Uradel. Sie verzweigt sich in mehrere Linien. Die Schreibweise des Familiennamens variiert im Laufe der Jahrhunderte. In der Neuzeit setzten sich die Formen Reventlow und Reventlou durch. Friedrich, der am 16. Juli 1797 in Schleswig zur Welt kam, wählte für sich den Namen Reventlou. Sein in Kopenhagen geborener Vater, der als dänischer Offizier in Schleswig stationiert war, verwendete die meist benutzte Variante Reventlow.

Fast schon eine Tradition innerhalb der Familie war es, ihren Nachwuchs in Lübeck aufs Gymnasium zu schicken - so auch geschehen im Falle von Friedrich von Reventlou. Er absolvierte 1816 das Katharineum mit Erfolg und nahm umgehend an der Göttinger Universität das Jurastudium auf. Nach einer Zwischenstation in Jena schloss er in Kiel das Studium ab und bestand 1820 am Gottorfer Obergericht das Examen mit der Note "sehr rühmlich".

Seine berufliche Laufbahn begann er als Rat am Obergericht in Glückstadt. 1834 wurde er an das neue schleswig-holstein-lauenburgisches Oberappellationsgericht in Kiel berufen. Zwei Jahre später wählte man ihn zum Probst des adligen Klosters zu Preetz. In dieser Funktion gehörte er der holsteinischen Ständeversammlung in Itzehoe an.

Graf von Reventlou avancierte zu einem herausragenden Kopf der schleswig-holsteinischen Bewegung in den Jahren 1848 bis 1851. Als es zum offenen Bruch mit Kopenhagen kam und sich in Schleswig-Holstein eine Provisorische Regierung bildete, war er bereit, in diesem Rahmen konkret Verantwortung zu übernehmen: Er trat am 24. März 1848 der Regierung bei, die allerdings bereits am 22. Oktober desselben Jahres ihre Segel streichen musste. Das Ringen um die Herzogtümer war damit aber noch nicht entschieden. Beseler und Reventlou wurden von der deutschen Zentralgewalt zu Statthaltern bestellt. Nach Beselers baldigem Rückzug führte der Graf "noch kurze Zeit dieses Amt alleine fort, bis er Land, Volk und Heer an die Commissarien der deutschen Großmächte und Dänemarks am 1. Febr. 1851 übergeben mußte".

Reventlou zog sich daraufhin - "mit dem Rufe eines Ehrenmanns von reinster und aufrichtigster Gesinnung", wie es seinerzeit hieß - in das Privatleben zurück. Wie andere Protagonisten der schleswig-holsteinischen Erhebung wurde auch er von der dänischen Regierung des Landes verwiesen. Er veräußerte seine Besitzungen in Schleswig-Holstein und erwarb in der Niederlausitz die Güter Raubart, Vettersfelde und Starzeddel als neues Zuhause. Er lebte weitgehend zurückgezogen und nahm nur gelegentlich an Sitzungen des preußischen Herrenhauses teil, in das er von König Wilhelm I. als lebenslanges Mitglied berufen worden war.

1865 würdigte ihn die Kieler Universität, indem sie ihn zum Ehrendoktor der Rechte ernannte. Nach der Eingliederung Schleswig-Holstein in die preußische Monarchie 1867 wurde Friedrich Graf von Reventlou als Kandidat für den konstituierenden Norddeutschen Reichstag aufgestellt, unterlag aber seinem Mitbewerber.

Am 24. April 1874 starb Reventlou in Starzettel. Bestattet wurde er in Preetz, seiner einstigen Wirkungsstätte. Die Stadt Schleswig setzte ihm und seinem Mitstreiter Beseler ein Denkmal mit Bronzebüsten von beiden Statthaltern. Errichtet wurde es 1891 vor dem Amtsgericht im Lollfuß. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Büsten und der auf dem Sockel sitzende Krieger abmontiert und für die Metallsammlung eingeschmolzen.